The Ferrymen
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Ferrymen, The
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 52:46
Wertung: 4/5
Von Frontiers Records kam ein interessanter Auftrag an die Adresse des schwedischen Workaholics und musikalischen Zauberkünstlers, Produzenten, Komponisten, Multiinstrumentalisten und Arrangers Magnus Karlsson. Er sollte Musik für ein Album schreiben, auf dem er in Gesellschaft von Sänger Ronnie Romero und Schlagzeuger Mike Trerrano mitwirken würde.
Man kann durchaus von einem super melodischen Hard Rock/Heavy Metal Trio sprechen. Allerdings dürfte Mike Terrana beim Wort Trio hin und wieder zusammengezuckt sein, wenn ihn Erinnerungen an seine Zeit bei den Deutschen Rage einholten – denn der launische Schlagzeuger hat sich mit Smolski und Wagner nicht gerade im Guten getrennt. Magnus Karlsson ist unglaublich. Ein professioneller Legionär, »Mädchen für alles«. Der Mann hat unzählige Alben für verschiedene Künstler geschrieben und ist auf einer ganzen Reihe von Studioalben in Erscheinung getreten. Mike Terrana gilt als einer der renommiertesten Schlagzeuger im Heavy-Metal-Universum und hat bis heute auf stattlichen über 100 Alben verschiedener Künstler mitgewirkt. Ronnie Romero ist von den Dreien das am wenigsten bekannte Gesicht. Der Mann, der bei Lords of Black singt, hat seinen Namen und seinen Ruf kürzlich als Sänger der wiederbelebten Rainbow ausgebaut, die von einem der größten und einflussreichsten Gitarristen der Rock’n’Roll-Geschichte angeführt werden: Richie Blackmore. Blackmore wusste schon, warum er Ronnie in sein Team geholt hat – der ist nämlich mehr als nur ein ausgezeichneter Sänger.
Wie man es auch dreht und wendet: »The Ferrymen« ist von Kopf bis Fuß das Album von Magnus Karlsson. Diesmal hatte der Mann völlig freie Hand, da er wusste, dass er dabei von zwei Musikern begleitet wird, die buchstäblich alles singen und trommeln können. Also ließ er beim Komponieren und Arrangieren seiner Kreativität freien Lauf. Deshalb ist das Album »The Ferrymen«, grob gesagt, so etwas wie ein Querschnitt seiner gesamten kreativen Laufbahn. In den verschiedenen Songs hörst du die unterschiedlichen Arrangements-Kniffe, die Magnus bereits auf seinen früheren Werken mehr als erfolgreich eingesetzt hat. Mal zieht dabei ein Song, eine Gitarrenphrase oder eine Harmonie hin zu seinem Solo-Opus, mal zu den Werken, die die Musik des Duos Allen/Lande charakterisieren, mal zu Starbreaker, oder zu den Soloalben von Magnum-Sänger Bob Catley. Auf der anderen Seite verbirgt das Album seine Metal-Aggressivität nicht. Die Riffs erinnern mehr als einmal an das heutige Primal Fear. Die Parallelen sind nicht schwer herauszuhören, denn Karlsson ist auch Mitautor der Songs auf den letzten paar Alben der deutschen Powermetaller aus Esslingen. Der Mann spielt mit teuflischer Leidenschaft und Geschwindigkeit, wenn er will. Dabei ist er unglaublich präzise und besitzt außerordentliche Kontrolle über sein Instrument. Er weiß, was es heißt, teuflisch durch Riffs zu pflügen, und hat bei Primal Fear auch gelernt, beim Spiel von Riffs und Soli das Plektrum seitlich zu drehen, um dabei den charakteristischen »kratzenden« Ton herauszuholen, wie er zuhauf zu hören ist, wenn Naumann und Beyrodt gemeinsam die Gitarren schwingen.
Aber »The Ferrymen« ist zum Glück eine andere Geschichte. Musikalisch distanziert es sich von all diesen Vergleichen und geht seinen eigenen Weg. Neben Karlssons typischer Arrangierweise – womit ich neben den Riffs und Soli meine, die natürlich von der klassischen skandinavischen Neoklassizismus-Schule stammen – gibt es hier die typischen Synthesizer bzw. Keyboards, die man mit den neueren Alben des melodischen (Hard) Rock der letzten fünfzehn bis zwanzig Jahre in Verbindung bringen kann. Terrana auf der einen und Romero auf der anderen Seite sind das entscheidende Zünglein an der Waage, das jene besondere musikalische Raffinesse und Würze hinzufügt, die diesem Album eine Note des Besonderen, des Andersartigen verleiht. Das ist jene Note, die man als Note der Anziehungskraft bezeichnen kann. Das Album besitzt eine unglaubliche Musikalität und kontrastiert dabei stark mit dem kanonenhaften, alles niederwalzenden Auftritt von Mike Terrana, der zwar nicht mehr so wild ist wie zu seiner Zeit bei Rage, aber dabei einen hervorragenden »groove«-Moment einpflanzt. »The Ferrymen« ist eine Art bis aufs Äußerste zugespitztes melodisches Hard-Rock-Album, das ständig auf dem Rand des Heavy-Metal-»Vampirisierens« balanciert. Die elf Songs zusammen sind eine gelungen abwechslungsreiche Dosis ansprechenden musikalischen Charakters, der uns gut bekannt ist, der zugleich aber aufwühlt und anzieht, weil er jenes Quäntchen Andersartigkeit trägt, das das Interesse all jener wecken wird, die Magnus Karlssons Werke im melodischen Hard Rock schätzen und genauso aufmerksam verfolgen, was Primal Fear in den letzten zehn Jahren so treibt. Romero ist als Vokalist schlicht außergewöhnlich. Die Klangfarbe seiner Stimme hat etwas samtig Kehliges, und der Mann entwickelt eine hohe Dosis an autoritärer Explosivität. In allen Lagen. Das ist natürlich die Schule von Ronnie James Dio. Eine außergewöhnliche Vorstellung.
Kurzum: Das ist kein Album der musikalischen Revolution, aber es ist mehr als nur ein verdammt gutes melodisches Hard-Rock-Album, mit extrem aufgedrehter, lautstarker Gitarrenspannung, das schamlos mit den Elementen des Heavy Metal liebäugelt. Gleichzeitig ultra-melodisch ansteckend und genau richtig anders. Genau das, was das Trio damit eigentlich erreichen wollte.
The Ferrymen – Eyes on the Sky (offizielles Video):
Besetzung
Ronnie Romero – Gesang
Magnus Karlsson – Gitarre, Bass, Keyboards
Mike Terrana – Schlagzeug
Produktion
Magnus Karlsson
Tracklist
1. End Of The Roa
2. Ferryman
3. Fool You All
4. Still Standing Up
5. Cry Wolf
6. One Heart
7. Darkest Hour
8. How The Story Ends
9. Enter Your Dream
10. Eyes On The Sky
11. Eternal Night
12. Welcome To My Show