The Ferrymen: A New Evil

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 11.10.2019
Produktion: Magnus Karlsson
Spielzeit: 51.36 min
Genre: Heavy Metal / Melodic (Hard) Rock
Wertung: 9.0 / 10


The Ferrymen sind ein weiteres starkes Rock-Trio, das die italienische Plattenfirma Frontiers Music Srl. mit ihrer Tatkraft und ihrem Ehrgeiz im Rahmen einer Reihe von Musikprojekten zusammengestellt hat. Mitte Juni 2017 veröffentlichte dieses Trio sein Studio-Debüt. Angesichts all der Verpflichtungen, die die Mitglieder des Trios anderweitig haben, schien es wenig wahrscheinlich, dass das Projekt The Ferrymen ein weiteres Album überleben würde.

Vor uns liegt also das Album »A New Evil« — für die neue Zeit denkbar bedeutungsschwer betitelt! Hinter dem neuen Album stecken drei messerscharf aufgestellte Musiker und absolute Meister ihres Fachs. Da wäre zunächst der hochgeschätzte Sänger chilenischer Herkunft Ronnie Romero, für den Leo Leoni sofort beide Hände ins Feuer gelegt hätte, wenn er ihn eine Dekade früher kennengelernt hätte — stattdessen singt Ronnie heute zumindest bei Leonis CoreLeoni, wo er eine unglaubliche Durchschlagskraft und eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Gesang des verstorbenen Gotthard-Sängers Steve Lee an den Tag legt. Nicht umsonst wurde Romero ausgewählt, als Richie Blackmore Rainbow wieder zum Leben erweckte. In jeder Hinsicht außergewöhnlich und eine der am klarsten definierten Stimmen in Hard Rock und Heavy Metal seiner Generation. Der zweite Gigant dieses Trios ist Magnus Karlsson (Primal Fear), einer der bekanntesten Studio-Söldner und unglaublich begabten Komponisten überhaupt. Der umtriebige schwedische Musiker, der für extremen Perfektionismus in seinem Handwerk steht, ist obendrein Multi-Instrumentalist und Produzent — und vor allem ein atemberaubender Gitarren-Maschinengewehrschütze. Sein Kompositionsstil ist das Lehrbuch des neo-klassischen Drahtseilakts auf dem scheinbar hauchdünnen Grat zwischen Heavy-Metal-Doktrin (Power Metal) und melodischer Hard-Rock-Eingängigkeit, die auch aus jener Zeit schöpft, als AOR in den Achtzigern die Charts aufmischte. Genau so klingt auch »A New Evil«! Der dritte Hüne dieses Trios ist der aktuelle Vision Divine-Drummer Mike Terrana, dessen Marathon-Karriere so viele Zusammenarbeiten mit unterschiedlichsten Künstlern und Bands verzeichnet, dass man dabei schnell den Überblick verliert. Nennen wir zumindest Axl Rudi Pell, Rage und Tarja Turunen.

Kurz gesagt: Wer alle drei Musiker kennt, weiß, was ihn auf »A New Evil« erwartet. Ja! Elf neue Tracks voller unglaublicher musikalischer Eingängigkeit und mit einem Ansatz von explosiver Wucht. Die durchgehend hochoktanige Energie in der Entwicklung der Kompositionen liefert die gewünschte thematische Vielfalt der Ideen — und es ist schlicht erstaunlich, wie es Karlsson immer wieder gelingt, in dieser Disziplin den Poker-Royal-Flush zu landen. Er handelt zwar mit einer erprobten Kompositionsrezeptur, verpackt, recycelt und serviert sie jedoch jedes Mal so geschickt neu, dass das (so aufgefrischte) Material immer wieder vollblütig wirkt. The Ferrymen lassen sich in dieser Hinsicht als eine Art Karlsson’sche Kompensation für das einstige Allen / Lande-Projekt verstehen. »A New Evil« ist stilistisch dem genannten Projekt sehr ähnlich — erst recht, wenn man Romeros Gesangsbeitrag dazurechnet, der eine gelungene Mischung aus Ronnie James Dio und Jon Bon Jovi darstellt.  Interessant ist, dass Terrana diesmal mit seinem Drumming kein einziges Mal ins Zentrum des Geschehens tritt. Sein Schlagzeugspiel ist recht konventionell (Power-Metal-typisch) und in der Produktion sehr ausgewogen mit den übrigen Bausteinen des Klangbildes.

»A New Evil« ist ein Album, das Fans eingängiger, bombastischer Melodien — aufgepumpt durch eine druckvolle Power-Metal-Produktion von Jacob Hansen (ja, sie klingt ähnlich wie die letzten Alben von Pretty Maids) — mit offenen Armen empfangen werden. Was die hohe Qualität angeht, bei der du keine kompositorischen Füllstücke findest und mit der »A New Evil« die gesamte Spielzeit auf höchstem Niveau durchreitet, handelt es sich um ein ausgesprochen detailreiches und ausgefeiltes Werk. »A New Evil« trägt neben all seiner »zwitschernden, rauschenden« Bombastik auch die nötige Düsternis, einen Hauch von Okkultismus und Unheil — und glücklicherweise keinen einzigen balladesken Kitsch, der die musikalische Substanz (potenziell) belasten würde. Ein Album, das einem den Atem verschlägt. Im Jahr 2019 erfindet es zwar das Rad nicht neu — aber wie gesagt: ein echtes Album nach der »Magnus-Karlsson-Rezeptur«, das das Beste liefert, was man von Magnus erwarten kann. Romero und Terrana sind diesmal die Vollstrecker von Karlssons Ideen, und das ist das entscheidende Element, das dem Album neben Karlssons makellosem kompositorischen Handwerk eine hohe Qualität verleiht und The Ferrymen nicht zuletzt einen ganz eigenen künstlerischen Stempel aufdrückt — vor allem dank des einzigartigen Romero.

Autor: Aleš Pobrežnik

Trackliste:
1. Don’t Stand In My Way
2. Bring Me Home
3. A New Evil
4. The Night People Rise
5. Save Your Prayers
6. Heartbeat
7. Our Own Heroes
8. No Matter How Hard We Fall
9. My Dearest Fear
10. You Against The World
11. All We Got

Besetzung:
Ronnie Romero – Gesang
Magnus Karlsson – Gitarre, Keyboards, Bass
Mike Terrana – Schlagzeug


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