The Eternal Idol

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Autor: Peter Podbrežnik

Interpret: Black Sabbath
Label: Vertigo Records
Erschienen: 1987
Laufzeit: 42:42
Wertung: 4/5

»The Eternal Idol« gehört zur Kategorie der meist übersehenen Black Sabbath-Alben – was allerdings für die meisten ihrer Werke mit dem hervorragenden Sänger Tony Martin gilt, der den legendären Gitarristen Tony Iommi und seine Mannen schon mehrfach gerettet hat, als sie sich Mitte der Achtziger und später, Anfang der Neunziger, mitten in einer kreativen und existenziellen Krise befanden. Nach der missglückten »Seventh Star«-Tournee (1986), bei der der namhafte Sänger Glenn Hughes (ex-Trapeze, Deep Purple) kläglich das Weite gesucht hatte, wollte Iommi die neuen Black Sabbath rund um den amerikanischen Sänger Ray Gillen, Bassist Dave Spitz, Schlagzeuger Eric Singer und Keyboarder Geoff Nicholls aufbauen. Gillen, mit dem sie einige Demos für das neue Studioprojekt »The Eternal Idol« aufnahmen, und Spitz hielten es nicht lange in der Band.

Ersetzt wurden sie durch Tony Martin, der mit seinem Gesangsansatz, der ein wenig an das ehemalige Mitglied, den legendären Ronnie James Dio, erinnerte, eine ausgezeichnete Wahl war, sowie durch den ‚alten Fuchs‘ Bob Daisley (ex-Widowmaker, Rainbow, Ozzy Osbourne, Uriah Heep, Gary Moore), der Iommi auch beim Schreiben einiger neuer Kompositionen half. Trotzdem leistete Iommi sich einen unverzeihlichen Fehler, als er die Credits für die eingespielten Basslinien im Booklet Spitz zuschrieb, der schon lange kein Bandmitglied mehr war – was gewiss der Hauptgrund dafür ist, dass Daisley, offiziell wegen seiner Verpflichtungen gegenüber Gary Moore, kein Teil der neuen Black Sabbath mehr sein wollte, als die Zeit für die »The Eternal Idol«-Tournee gekommen war. Auch Eric Singer hatte sich noch vor der Albumveröffentlichung aus dem Staub gemacht, sodass einige Schlagzeugparts mit dem alten Bekannten Bev Bevan (ELO) eingespielt wurden, der erneut als Live-Schlagzeuger für die Tournee einsprang.

Obwohl Iommis Band schon während der Aufnahmen auseinanderfiel, wurde »The Eternal Idol« am Ende deutlich besser als unter den beschriebenen Umständen – als das Material mit Gillen komplett neu eingespielt werden musste – zu erwarten gewesen wäre. Tony Martin brachte mit seiner vokalen Charisma und Autorität, die sich hervorragend mit den mystischen und enigmatischen Texten verband, einen erstklassigen Gesangspathos und Einsatz mit, wie er seit dem Ende der Dio-Ära vermisst wurde, und er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass »The Eternal Idol« Black Sabbath wieder auf den richtigen Weg brachte. Martin brachte eine erfrischende Energie mit, die die neuen Black Sabbath dringend brauchten, und war dabei mit vollem Herzen bei der Sache.

Besonderes Lob verdient auch Keyboarder Nicholls, dessen Synthesizer noch stärker in den Vordergrund traten als auf »Seventh Star« und den einzelnen Kompositionen einen noch größeren Stempel von Mystik und Epik aufdrückten. Das lässt sich bereits beim eröffnenden Energiekatalysator »The Shining« hören, für den Black Sabbath ein Promo-Video drehten und der sich teilweise vom gleichnamigen Schauerroman des berühmten Schriftstellers Stephen King inspirieren ließ, aber auch vom gleichnamigen Film mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Dem geheimnisvollen Intro, in dem die Kombination aus Iommis wiedererkennbaren Gitarrenphrasen und mystischen Keyboard-Teppichen begeistert, folgt ein Übergang in die druckvolle Sektion mit kompromisslosen Passagen und einem Höhepunkt im epischen Refrain. Dieser vertieft die geheimnisvolle, düstere und zugleich mächtige Atmosphäre, die die besten Kompositionen der Martin-Ära von Black Sabbath auszeichnete.

»Ancient Warrior« ist eine weitere großartige und oft übersehene Komposition mit einem leichten orientalischen Flair dank pentatonischer Tonleitern, wo die Keyboard-Teppiche eine hervorragende Unterstützung für die traditionell glühenden Gitarrenphrasen und Martins leidenschaftlich aufgeladene Gesangsautorität bilden. »Hard Life to Love«, ein Song, der auch heute noch allen Fans von Rainbow und Whitesnake gefallen kann, hat einen etwas schmutzigeren, tighten Hardrock-Ansatz, der bei Black Sabbath überraschend jugendlich klingt, während Singers galoppierende Drums Martins vokalem Feuer eine großartige Grundlage bieten. Einer der eindrucksvollsten Momente auf »The Eternal Idol« ist zweifellos das explosive »Glory Ride«, einer der Höhepunkte der Martin-Ära von Black Sabbath, wo es Iommi und seiner Truppe unter maximalem Einsatz ihrer instrumentalen und vokalen Stärken gelang, einen epischen und mitreißenden Refrain zu schaffen, über den sich auch heute noch alle Fans des klassischen Heavy Metal die Finger lecken können. Dazu gibt’s hier auch eines von Iommis besten »The Eternal Idol«-Soli, die wie immer ein ganz eigenes Kapitel für sich sind.

»Born to Lose« ist auf ein schnelleres Tempo ausgerichtet, dem auch Martins etwas gereizter klingender Gesang angepasst ist, während Iommis Gitarrenvariationen diesen soliden, aber unaufgeregten Hardrock-Song beinahe in eine völlig andere Richtung treiben. Nichollsʼ Intro zu »Nightmare« erinnert an den Beginn eines Horrorfilms, während sich im weiteren Verlauf ein klassischer Hardrocker in ruhigerem Rhythmus entfaltet, der Martins herzlichem Gesang außerordentlich gut steht. Das kurze, mystisch-troubadourhafte Instrumental »Scarlet Pimpernel« basiert auf Iommis Akustikgitarre und Synthesizer-Teppichen und erinnert ein wenig an ähnliche instrumentale Ausflüge aus der ‚goldenen Ära‘ (der ersten Hälfte der Siebziger).

Die Energiebombe »Lost Forever« ist auf ein forciertes Tempo ausgelegt und gehört zu jenen »The Eternal Idol«-Kompositionen, die entscheidend für die ‚Verjüngung‘ des Black Sabbath-Sounds waren. Der Titeltrack ist zugleich das abschließende Stück und erinnert von allen Albumsongs am stärksten an die klassischen ‚doom & gloom‘ Black Sabbath, denn er ist von fatalistischer und düsterer Atmosphäre sowie rollenden Rhythmen durchdrungen, während Martin mit außergewöhnlichem Gespür zwischen subtiler und aufgebrachter Gesangsdarbietung wechselt, durch die er den apokalyptischen Text vermittelt. Kein gerade fröhlicher Albumabschluss – aber was anderes erwartet man von Black Sabbath eigentlich auch nicht.

»The Eternal Idol« stellte für Black Sabbath einen weiteren wichtigen klanglichen Neubeginn und den Beginn der nächsten Evolutionsphase mit beiden Tonys in den Hauptrollen dar. Zugleich kündigte es den Beginn der oft übersehenen Trilogie der Black Sabbath-Alben (»The Eternal Idol«, »Headless Cross und »Tyr«) aus der zweiten Hälfte der Achtziger/Anfang der Neunziger an, bei der jedes folgende Werk eine Weiterentwicklung des Vorgängers darstellte. Martin begann sich auf den folgenden Black Sabbath-Platten auch als Komponist und Texter zu etablieren, obwohl sein Status in der Band ständig gefährdet war, da Iommi in den folgenden Jahren zunehmend darauf aus war, Dio zurück in die Band zu locken, was ihm 1991 (vorübergehend) auch gelang. Danach musste Martin erneut in die undankbare Rolle einer Art ‚Dio-Stellvertreter‘ einspringen, womit er sich seiner bescheidenen Natur wegen aber nicht allzu sehr belastet hat.

Besetzung

Tony Martin – Gesang
Tony Iommi – Gitarre
Bob Daisley – Bass
Eric Singer – Schlagzeug
Geoff Nicholls – Keyboards

GASTMUSIKER:
Bev Bevan – Perkussion

Produktion

Jeff Glixman, Vic Coppersmith-Heaven und Chris Tsangarides

Trackliste

1 The Shining (6:00)
2. Ancient Warrior (5:28)
3. Hard Life to Love (5:00)
4. Glory Ride (4:49)
5. Born to Lose (3:43)
6. „Nightmare (5:19)
7. Scarlet Pimpernel (Instrumental) (2:05)
8. Lost Forever (4:03)
9. Eternal Idol (6:33)

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