The Dreamcatcher

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Stone Orange
Label: Street Symphonies Records
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 38:49
Wertung: 4/5

Stone Orange, slowenische Hard Rocker, melden sich nach sechs langen dürren Jahren seit ihrem Debüt »Nori mlin« endlich mit einem neuen vollwertigen Studioalbum zurück. Die Band hat von Anfang an echtes Durchbruchspotenzial gezeigt, vor allem dank ihrer treibenden Kraft – dem charismatischen Frontmann und Sänger-Gitarristen Marko Erjavec. Weiß der Teufel, was dazu geführt hat, dass man so lange auf das zweite Album warten musste und warum die Band auf der Szene nicht aktiver in Erscheinung tritt.

Wie man es auch dreht und wendet – die Jungs sind das neue Album unglaublich reif angegangen. Sie haben sich mit jedem Detail auseinandergesetzt und daran gefeilt, bis sie das Gefühl hatten, wirklich glaubwürdig dazustehen.  Sechs Jahre zwischen zwei Studioalben sind keine kleine Zeitspanne, doch die Jungs sind in dieser Zeit als Musiker gereift und ihre Vision von dem, was sie wollen, ist klar geworden. Das erste Neue ist, dass die Songs diesmal durchgehend auf Englisch gesungen werden, was ihrem musikalischen Stil und ihrem ausdrucksstarken musikalischen Charakter sehr zugute kommt. Dieser schöpft aus dem Fundus der Hard-Rock-Schule der späten Achtziger und frühen Neunziger, als Bands wie Bonfire, Hardline, Ratt, … weltweit ihren Aufschwung erlebten. Wenn wir haarspaltend sein wollen: Stone Orange klingt in seinen Nuancen eher nach der mitteleuropäischen Hard-Rock-Tradition – angeführt von Bands wie Bonfire, Frontline, Casanova, Jaded Heart, China, usw… – als nach dem skandinavischen, britischen oder amerikanischen Stil.

Die Band hat Vid Zgonc als neuen Schlagzeuger in ihre Reihen aufgenommen, der zur noch größeren rhythmischen Kompaktheit und Energie der erneuerten Stone Orange beigetragen hat, was sich natürlich auch im Material des neuen Albums widerspiegelt. Auch die Produktion ist auf dem neuen Album deutlich verbessert und modernisiert. Sie hat das richtige Maß an Lebendigkeit eingefangen, und die Klangbausteine sind im Klangbild ausgewogen kontrastiert. Marko hat sich als Sänger weiterentwickelt und die Vocals für das neue Album außergewöhnlich souverän und mit kraftvoller Autorität eingespielt. Er wirkt entschlossen, selbstbewusst, hingegeben, und bringt gleichzeitig jenes geforderte Element der Dunkelheit ein, das den dramatischen Charakter der Songs vertieft – besonders ausgeprägt in den Songs, in denen die Hauptgitarrenphrase und die Melodie aus dem Moll heraus entwickelt werden (Pride And Pain, Scare Me, Whites Of Their Eyes). Die Stimme ist in der Kraft gewachsen, die sie in die Melodie einbringt, und wirkt dabei mitreißend und leidenschaftlich. Die Verse sind metrisch jedenfalls sehr gut in die Melodien eingepasst. Einige Songs tragen Parallelen zum Glam-Metal-Groove der zweiten Hälfte der Achtziger. So sind es  der Opener Broken Man im »party time«-Modus, Lovetron in der zweiten Albumhälfte, und besonders wirkungsvoll glänzt in dieser Hinsicht Rockin‘ & Rollin‘. Zwischen Strophe und Refrain ist in der Regel auch ein Pre-Chorus eingefügt, als wirkungsvolles Element der schrittweisen Stimmungssteigerung, die ihren Höhepunkt in den Refrainmelodien erreicht. Dabei untermalt die Band den Leadgesang im Vergleich zum Vorgänger nun wesentlich wirkungsvoller mit harmonischen Backing-Gesängen, was die Stimmung innerhalb der Refrainmelodien effektiv vertieft.

Größtenteils präsentiert das Album einen schön abgerundeten, musterhaft definierten Hard-Rock-Körper aus neun Songs, der nach dem hervorragenden Whites Of Their Eyes sinnvoll mit dem mystisch versonnenen Instrumental Frozen Sky seinen Abschluss findet. Der letzte Song des Albums, The Age Of Stars, ist bewusst ans Ende gesetzt, da er in akustische Arrangements gekleidet ist und sich dadurch leicht vom sonst stilistisch einheitlich wirkenden Rest des Albums abhebt. Dafür funkelt darin Markos Stimme auf besondere Weise und in einem etwas anderen Licht, denn in diesem Song ist vor allem seine sinnliche Seite der vokalen Interpretation (im Ausdruck von Emotionen) betont.

Eigentlich lässt sich nur eine einzige Anmerkung herausheben, und auch die ist flüchtig und unbelastend. Die Band setzt zwei Gitarren ein. Während die Riffs überzeugend geformt sind und souverän das Gerüst der Songs aufbauen, überrascht das Gefühl, dass der Raum für den Sturmangriff solistischer Eskapaden in den instrumentalen  (Mid-Eight-)Teilen zu wenig genutzt wird. Die Implementierung von Gitarren-Ornamenten in den Übergangspassagen ist dabei durchaus wirkungsvoll definiert, was zusätzlich von der großen Sorgfalt der Band beim Schleifen des Endprodukts zeugt.  Angesichts der Tatsache, dass die Besetzung zwei Gitarristen umfasst, würde man eine mehrteilige Aufteilung der Soli erwarten, oder zumindest, dass eine der beiden Gitarren die Funktion anspruchsvollerer Improvisationen entschieden übernimmt. Denn der Standard der Soli in Rock- und Metalmusik hat auf der internationalen Bühne, besonders in der letzten Dekade, seinen Qualitätsmaßstab sprunghaft angehoben. Im Bereich der Ausarbeitung ihrer Soloeinlagen bleiben für Stone Orange in der Zukunft noch beachtliche Reserven, die es mit Einfallsreichtum zu nutzen gilt, um damit die Bildhaftigkeit der eigenen Musik weiter zu steigern.

Ein Album, das von den ansprechenden Parallelen zu den goldenen Achtzigern durchdrungen ist, das gleichzeitig aber durch eine ausgezeichnete, modern klingende Produktion mit lebhafter Dynamik wirkungsvoll in den aktuellen Sound der neuen Zeit eingebettet wird. Leider befürchte ich – wie man es in Slowenien schon gewohnt ist, wenn von der Veröffentlichung eines mehr als ordentlichen Hard-Rock-Albums (egal welcher Künstler) die Rede ist –, dass so ein Album still an der Masse vorbeigehen und damit die Bestätigung und Anerkennung nicht erhalten wird, die es verdient. Ich hoffe von Herzen, dass ich mich irre.

Dennoch bringt »The Dreamcatcher« den felsenfesten Reifefortschritt der Band in der Entwicklung der Komposition und der Definierung ihrer eigenen klanglichen Handschrift mit sich – auch wenn Stone Orange damit das Rad nicht neu erfinden, spürt man die echte Glut, mit der sie im Studio an das neue Material herangehen. »The Dreamcathcer« ist – angesichts der anfänglichen Ambition, aber gleichzeitigen gelegentlichen Naivität des Vorgängers »Nori mlin« – ein Album, auf das Stone Orange zu Recht stolz sein können, und es liefert ihnen die solide Grundlage an künstlerischer Glaubwürdigkeit, auf der sie ihre musikalische Kreativität ungehemmt weiterentwickeln und pflegen können. Es bleibt nur noch die Frage, warum die Band bis heute auf der Szene weniger auffällig geblieben ist. Allein die Ausstrahlung des Sängers Marko ist außergewöhnlich, und ich meine, dass der Typ sich absolut glaubwürdig und souverän auch als Solokünstler behaupten könnte.  »The Dreamcatcher« ist ein Werk, das über dem Durchschnitt der Hard-Rock-Veröffentlichungen slowenischer Künstler des neuen Jahrtausends liegt, das die Qualitätsstandards des slowenischen Hard Rock anhebt und daher jede Aufmerksamkeit der eingefleischten Rock-Enthusiasten verdient. Unnötig zu erwähnen, dass es sich um ein Album handelt, das Stone Orange auch im Ausland Türen öffnen kann!

Besetzung

Marko Erjavec – Gesang, Gitarre, Keyboards auf den Tracks Nr. 3 und 9, Backing Vocals
Tomo Jurca – Gitarre
Davorin Kovačič – Bassgitarre, Backing Vocals
Vid Zgonc – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Matej Mršnik – Akustikgitarre auf Track Nr. 11
Bor Zgonc – Akustikgitarre auf Track Nr. 5, Backing Vocals
Miha Gorše – Keyboards auf den Tracks Nr. 2, 5, 7 und 11
Dejan Radičevič – Keyboards auf den Tracks Nr. 3, 6 und 10
Simon Simčič – Backing Vocals

Produktion

Dejan Radičevič

Tracklist

1. Broken Man
2. I Am (Whatever)
3. Pride And Pain
4. Rockin‘ & Rollin‘
5. it Keeps On Raining
6. Lovetron
7. Scare Me
8. Nobody Cares
9. Whites Of Their Eyes
10. Frozen Sky
11. The Age Of Stars

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