The Divine Conspiracy
Autor: Rok Klemše
Interpret: Epica
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 2007
Als Mitte der Neunziger ein neues Metal-Genre aufkam, Symphonic oder Gothic Metal, wenn du so willst, wuchs seine Popularität rasant an… und geriet wegen der Flut an Bands, die den Genre-Pionieren wie After Forever und Nightwish nacheiferten und sich kaum von ihnen unterschieden, schnell wieder in Vergessenheit. Bis heute gibt es unzählige Bands, die das Konzept der „Beauty and the Beast“-Vocals nach Strich und Faden ausschlachten, und wer aus der Anonymität ausbrechen will, braucht einfach noch etwas mehr. Epica ist das in ihrer kurzen, gerade mal fünfjährigen Karriere mit dem neuen, vierten Studioalbum The Divine Conspiracy auch gelungen.
The Divine Conspiracy ist das beste Album des niederländischen Quintetts bisher! Nach der langen Pause der Genre-Fahnenträger Nightwish (um ehrlich zu sein, haben die mit Dark Passion Play ordentlich Richtung Finsternis ausgeholt… aber das gehört in eine andere Review) hat das ganze Genre auf der Stelle getreten, und Epica verpassen ihm mit der neuen Platte den dringend nötigen Schub und einen kräftigen Tritt in den Hintern. Dieses ganze 75 Minuten lange, epische Meisterwerk führt uns auf einen Pfad voller düsterer Atmosphäre, gotischer Finsternis und bombastischer Symphonik, und das Licht auf dem Weg zünden mächtige, epische Songs voller abwechslungsreicher Tempi an, die von ruhigen, leisen und introspektiven Momenten aufgefangen werden. Trotz der Länge gönnen sich Epica keinen einzigen Moment Langeweile, denn das Ding ist unglaublich abwechslungsreich und dynamisch. Die Nummern sind diesmal deutlich aggressiver und bombastischer, dafür weniger eingängig, und dadurch bleibt die Aufmerksamkeit des Hörers schärfer als bei früheren Epica-Veröffentlichungen. Damit brennt sich das Album natürlich auch länger ins Gedächtnis ein. The Divine Conspiracy ist die aggressivste Platte der Band, diesmal sind die Gitarren in den Vordergrund gerückt und die Keyboards in den Hintergrund, wo sie sich meist um die symphonischen Elemente kümmern. Schnelle Gitarren mit Shred-Riffs mischen die Aggression hervorragend mit einer ordentlichen Portion Melodik. Das Gitarrenduo Jansen und Ad Sluijter sorgt in Songs wie Menace of Vanity, Never Enough oder The Last Embrace dafür, dass das Album gitarrenmäßig schwer und mächtig daherkommt. Strukturell sind die Songs deutlich komplexer, viele Arrangements nähern sich dem Progressive Metal an, was der Musik gewaltig Schwung gibt. Wiederholte Refrains gibt es fast keine, dafür spielen die extremen Vocals von Gitarrist Mark Jansen eine viel größere Rolle: Vom kreischenden Black-Metal-Screaming bis zu tiefen, tierischen Death-Metal-Growls sorgen sie für eine außergewöhnliche Gesangsdynamik, die der Gastgesang von Sander Gommans von After Forever auf Death of a Dream noch weiter aufwertet. Für Aggression auf dem Album sorgt auch der Gastdrummer Arien van Weesenbeek, der jede Menge dynamische Übergänge und Blastbeats beisteuert. Wieder tauchen orientalische Motive auf, die bei Epica ja schon bestens bekannt sind, aber diesmal noch besser in die Musik eingebettet wurden. Im Vordergrund von Epica steht aber zweifellos Simone Simons, von deren Cover man sich kaum losreißen kann. Doch Simone ist bei Epica nicht bloß zum Anschauen da, denn ihr Gesang ist der zentrale Motor der Band. Auf The Divine Conspiracy liefert Simone die beste Performance ihrer Karriere ab und glänzt schlichtweg, egal ob in ruhigen, engelsgleichen oder opernhaft im makellosen Sopran gesungenen Passagen. Simone ist im Moment ohne Zweifel eine der besten weiblichen Stimmen im Metal, was auch die Menge ihrer Gastauftritte beweist – von Kamelot, Primal Fear, Aina bis zum neuen Ayreon-Album. Gerade wenn du nach einer Stunde intensivem Metal denkst, jetzt lassen dich Epica endlich mal durchschnaufen, hauen sie zum Schluss noch das Opus der Platte raus, das 14-minütige Titelstück-Meisterwerk, das unglaublich komplex und gleichzeitig leicht zugänglich ist und schnell ins Ohr geht.
Das Einzige, was man dem neuen Album vorwerfen kann, ist das ausgelutschte Konzept über Gott und religiöse Überzeugungen, aber Epica steigt mit jeder veröffentlichten Platte ein Stufchen höher zum Thron des Symphonic Metal. Epica reift wie ein guter Wein!
Besetzung
Simone Simons – Gesang
Mark Jansen – Gitarre und Gesang
Ad Sluijter – Gitarre
Coen Janssen – Keyboards
Yves Huts – Bass
Ariën van Weesenbeek – Session-Drums
Produktion
Sascha Paeth
Tracklist
1. Indigo (Prologue) 02:05
2. The Obsessive Devotion 07:13
3. Menace of Vanity 04:13
4. Chasing the Dragon 07:40
5. Never Enough 04:47
6. La‘petach Chatat Rovetz (The Final Embrace) 01:46
7. Death of a Dream (The Embrace That Smothers Part VII) 06:03
8. Living a Lie (The Embrace That Smothers – Part VIII) 04:56
9. Fools of Damnation (The Embrace That Smothers – Part IX) 08:42
10. Beyond Belief 05:25
11. Safeguard to Paradise 03:46
12. Sancta Terra 04:57
13. The Divine Conspiracy 13:56