The Devil Rides Out

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Frank, Herman
Label: AFM Records
Erschienen: 2016
Laufzeit: 52:05
Bewertung: 4.5/5

Herman Frank ist ein anerkannter und geschätzter deutscher Gitarrist. Mit goldenen Buchstaben längst ins Metal-Buch eingeschrieben, denn seine Gitarre hallt auf den markantesten Alben des Diskografie-Opus der deutschen Metal-Giganten Accept nach. Zugleich ist Herman Frank als Anführer der kultigen deutschen Heavy-Metal-Festung Victory bekannt. Herman Frank kehrt also mit seinem insgesamt dritten eigenständigen Studioalbum »The Devil Rides Out« zurück. Er brauchte vier Jahre, um dem Vorgänger »Right in the Guts« (2012) zu folgen. In diesem Zeitraum entschied sich Herman Frank, Accept zu verlassen. Tatsächlich verließen er und Schlagzeuger Stefan Schwarzmann Accept zur selben Zeit, und dieses Duo veröffentlichte später gemeinsam mit Destruction-Chef Marcel Schirmer „Schmier“ unter dem Projekt Panzer ein hervorragendes Album.

Herman Frank ist, wie er selbst in einem Interview sagte, befreit von allen kreativen Fesseln, die ihn an Accept gebunden hatten. Bekanntlich musste er dort durchgehend in einer untergeordneten Position funktionieren. Nicht nur, dass er keine kompositorischen Ideen einbringen durfte – Hoffmann erlaubte ihm bei Accept-Konzerten, wenn überhaupt, höchstens an einer einzigen Stelle zu solieren. Herman Frank ist nämlich kein bisschen schlechterer Gitarrist, sondern steht Wolf Hoffmann vollkommen ebenbürtig gegenüber. Das werden alle Kenner des Diskografie-Opus der Band Victory sowie natürlich von Hermans beiden vorherigen eigenständigen Studioalben bestätigen können.

Für das neue Album hat Herman Frank den zuverlässigen amerikanischen Sänger Rick Altzi, seines Zeichens auch Mitglied von Masterplan, im Team behalten und als Bassisten den erfahrenen Michael Müller von den deutschen Hardrockern Jaded Heart verpflichtet. Den Schlagzeughocker übernahm diesmal einer der besten deutschen Schlagzeuger, der gerade ohne festes Engagement war: Andre Hilgers (ex-Rage). Vor uns liegt also ein Album, das ein giftiges Quartett zusammengestellt hat, angeführt vom Hauptkapitän – Herman Frank natürlich.

Und das neue Album? Pure Poesie eines uralt-oldschooligen Zugangs zu den Inhalten des Heavy Metal reinster teutonischer Herkunft. Deutscher geht es nämlich nicht. Bis auf die Knochen. Wenn dir Accept und Victory gefallen, gehört dir das Album »The Devil Rides Out« eigentlich schon, bevor du überhaupt danach greifst.

Das Material darauf kennt nur einen Gang. Den höchsten. Den sechsten. In der Energie und im Spiel auf volle Kraft gibt es keinerlei Nachlassen, und das Album lässt dich nicht zu Atem kommen. Zugleich schwingt durch die direkten und einem geradezu ins Gesicht tretenden Riffs eine gehörige Dosis hochmusikalischer Würze, wo Altzi stets außerordentlich eingängige Vokallinien herausholt, die in das Wesen der Atmosphären genau den richtigen Moment Bombast säen. Bei den etwas langsameren Stücken (Stone Cold) wächst dieser Moment der Musikalität natürlich noch weiter an.

Ansonsten steht das Gros des Albums praktisch durchgehend auf dem extremen Hämmern der Doppelbassdrum-Pedale, über die sich kompromisslose Gitarrenriffs wälzen, die beim Einwirken außergewöhnlicher rhythmischer Kinetik in vollem Glanz erstrahlen!  Vom ersten bis zum letzten. Kein qualitativer Einbruch dazwischen. Das Album umfasst zwölf Songs, und alle sind in ihren Aussagen gleichwertig. Kompositorisch ebenbürtig. Frank implementiert Einleitungs- und Ausgangsteile mit zusätzlichen atmosphärischen Harmonien auf den Gitarren; in den »mid eight«-Passagen explodiert er in vollem Umfang und hält sich in den harmonisch abgestimmten solistischen Abenteuern keinen Augenblick zurück. Sämtliche Songs sind detailliert ausgearbeitet, und wo immer der Kerl Platz für ein Gitarren-Ornament findet, das das giftige Riffing befeuert, setzt er es geschickt daneben – und der Song gewinnt dadurch an Ausdruckscharakter. Frank ist ein unglaublich erfahrener Komponist, und diesmal hat er an seiner Seite ein außergewöhnliches Team gefunden, das alle Inhalte dieses hervorragenden Werks perfekt ergänzt.

Deine Favoriten wirst du selbst herausfinden – besonders reißen aber „auf Anhieb“ das eröffnende Runnig Back sowie Balhog Zone, No Tears In Heaven, Thunder of Madness, das ausgeflippte und besonders aufgepeitschte Dead Or Alive und das nicht minder aufreizende I Want It All mit, das das Album am Ende abschließt. Das ist ein Album der alten Metal-Schule, wie sie nur die Generation des Metal-Pioniergeists schafft, zu der auch der abgebrühte Herman Frank gehört. »The Devil Rides Out« ist von den drei veröffentlichten Studioalben Herman Franks bis heute das konsistenteste, fokussierteste sowie ideen- und arrangementtechnisch ausgefeilteste Werk. Es strotzt an jeder Stelle vor überzeugender Wirkung. Auch das im mittleren Tempo verwurzelte Licence To Kill besitzt eine Prise düsterer Galgenatmosphäre und Okkultem, und wieder reißt einen der hervorragende Refraingesang mit, während der Song selbst an die besten kreativen Momente der Accept-Karriere anknüpft.

»The Devil Rides Out« ist der Kandidat des laufenden Jahres für das beste europäische Album der old-school-Heavy-Metal-Tradition, geschmiedet nach den Grundapostolaten der rechtgläubigen deutschen Metal-Bibel. Ohne Wenn und Aber! Er ist nämlich ein schärferes Album, wenn du ihn mit den letzten drei Accept-Alben vergleichst, und Frank beißt auf ihm in den Kompositionen unnachgiebig zu, als ginge es um Leben und Tod. Mit einem Wort. Brillanz!  

Herman Frank – Balhog Zone (offizielles Video):

Besetzung

Rick Altzi – Gesang
Herman Frank – Gitarre
Michael Müller – Bassgitarre
Andre Hilgers – Schlagzeug

Produktion

Charlie Bauerfiend

Trackliste

01. Running Back
02. Shout
03. Can’t Take It
04. No Tears In Heaven
05. Ballhog Zone
06. Run Boy Run
07. Thunder Of Madness
08. License To Kill
09. Stone Cold
10. Dead Or Alive
11. Run For Cover
12. I Want It All

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