The Dead Vegas

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Künstler: Underwater Sleeping Society
Label: Kool Thing Records
Erscheinungsjahr: 2008
Laufzeit: 48:17
Bewertung: 4/5

Da dieses Album die Jahreszahl 2008 trägt, wir es aber erst jetzt in der Redaktion erhalten haben (besser spät als nie), lohnt es sich, vor Augen zu haben, dass das Album zu einer Zeit erschien, als die Nachfrage nach Indie-Rock einen wahren Boom erlebte. Zwei Jahre später spürt man das nicht mehr so intensiv, auch die Zahl solcher Veröffentlichungen ist zurückgegangen. Also lasst uns zwei Jahre zurückgehen und ins Herz der Indie-Rock-Musik eintauchen.

Underwater Sleeping Society sind eine finnische Band, die 1999 in der Stadt Riihimäellä gegründet wurde. Allein der Name der Gruppe ist eine wahre Offenbarung ihrer musikalischen Persönlichkeit. Die Musik ist größtenteils verträumter Natur. Also mittelschnell orientierte Rhythmen. Ein ausgezeichnetes Einschlafmittel. Im positiven Sinne. Die Musik von Underwater Sleeping Society wirkt beruhigend, nicht langweilig.

Die Band zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein bildhaftes, reiches Geflecht aus Klangebenen aufbaut, das von den einzelnen Bausteinen ihrer Musik verkörpert wird. Das gilt insbesondere für die Integration der Keyboards, die sich auf viele Tricks der goldenen Siebziger stützt – also Retro-Impulse. Sounds nahe dem Mellotron, motivische Anklänge an klassisches Klavier, natürlich klingende Akkorde, die die Gitarre entlockt. Das mittlere Tempo ist das Lieblingstempo der Band. Das Schlagzeug klingt völlig natürlich, lebendig. Das Besen-Spiel auf den Becken unterstreicht manchmal zusätzlich dieses Gefühl eines vollkommen authentischen und natürlich verpackten Klangbilds der Band. In all das fügt sich der verträumte, leicht „abwesende“ Gesang wunderbar ein, wie er sich für  „verschlafene Typen“, wie es diese Finnen definitiv sind, auch gehört. Der Gesang wirkt jedenfalls leicht angehaucht, entspannt, locker und geschmeidig. Das Pathos ist darin offensichtlich eine bewusst gesuchte Tugend und ein unverzichtbares Kennzeichen des äußeren Erscheinungsbilds der Musik der Band. Dieser Charakter des Gesangs stört in keiner Weise. Man muss sich nur daran gewöhnen. Seinen Beigeschmack von Pathos kleiden die Jungs geschickt in den satirischen Charakter ihrer Texte. Und beleben das Ganze auch mit mehrstimmigen Harmonien.

Bei alledem kommt dem angeborenen Gespür für starke und überzeugende Leitmotive, die von den Hauptmotiven verkörpert werden, eine entscheidende Rolle zu. Die Band scheut sich keineswegs, in die Songs auch Bläserarrangements einzubauen (Antique – Trompete, in Saw You At My Funeral und dem eingängigen Painting The Dead – Flöte). Auf der anderen Seite finden sich einige potenzielle Songs, die man problemlos mehrmals täglich auf massentauglichen Radiosendern oder sogar auf MTV drehen könnte (Accidents, der Refrain von Trapdoors). Die Band ergänzt den Klanginhalt des Albums oft geschmackvoll mit Streicherarrangements.

Die verträumte Atmosphäre wird hervorragend durch die melodischen Basslinien belebt. Der Bass ist durchgehend bereit, melodisch geformte und dynamische Läufe einzuwerfen, die der Musik der Band den nötigen Kontrast verleihen, das Klangbild erweitern und seine Tiefe unterstreichen. Einige Basslinien erinnern an die Anleihen der Band beim Werk der Post-Punk-Bands der späten Achtziger, die diese Bewegung prägten, wie Joy Division, Cure oder No Order. Überträgt man das in die neue Zeit, lassen sich – bedingt durch den hypnotischen Effekt, den die Rhythmussektion vorgibt,  (stimmungsenergetische) Parallelen zu einer Band wie Interpol ziehen (der Song Trapdoors). Bei den Melodiegrundzügen kommt man am Erbe von The Beatles nicht vorbei, was ohnehin die Basis jedes echten Indie-Rock ist. Die Ähnlichkeiten mit The National, Doves oder Editors sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Auf dem Album ist Body Blues der Song, der mit einem Griff die gesamte Essenz des musikalischen Konzepts von Underwater Sleeping Society einfängt. In ihm vereinen sich an einem Ort genau alle Qualitäten des Arrangierens der Band, und die gesamte kreative Energie der Besetzung kulminiert in diesem Song in einem optimalen Brennpunkt der Selbstverstärkung. In einem solchen Moment ist es schwer zu sagen, dass man am Song noch irgendetwas besser machen könnte oder dass er irgendeiner Korrektur bedürfte.

Angesichts der Tatsache, dass alle Songs in ihren Leitmotiven untereinander ausreichend verschieden sind und dabei gleichzeitig den roten Faden der musikalischen Aussage der Band bewahren, ist das Album „The Dead Vegas“ ein Werk, das im vorhersehbaren genretypischen Rahmen der Indie-Rock-Musik diese Grenzen erfolgreich aufweicht und ihnen den dringend nötigen Intellekt und kreative Geistreichheit hinzufügt. Daher kann ich ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen behaupten, dass es sich um eine hervorragende musikalische Leistung handelt und eine der besseren Platten, die im Jahr 2008 auf dem Gebiet des Indie-Rock erschienen sind. Die Skandinavier haben nun mal ein angeborenes Gespür für ausgereifte Melodieharmonien, tragen Beklemmung und Traurigkeit im Herzen, die überzeugende musikalische Werke erzeugt. Sie sind aufrichtig genug, um diese Aufrichtigkeit zu zeigen. Deshalb ist „The Dead Vegas“ ein sehr überzeugendes und qualitativ hochwertiges Musikprodukt, das ich allen, die echte musikalische „Unabhängigkeit“ suchen, wärmstens empfehle. Es bestätigt, dass Underwater Sleeping Society ihre unverwechselbare musikalische Sprache gefunden haben, die auch in Zukunft mit Sicherheit begeistern wird.

Besetzung

Okko Nieminen – Gesang, Gitarre
Tomi Tiittanen – Gitarre
Jussi Hietala – Bassgitarre
Sampo Fagerlund – Schlagzeug
Olli Waris – Keyboards
Matti Olavi Töyli – Percussion, Horn

GASTMUSIKER:
Hanna Kaasalainen – Violine
Emmi Kaasalainen – Viola
Katariina Kumpulainen – Cello
Tuomas Eriksson – Posaune
Maija Hietala – Flöte
Samuli Peltoniemi – Trompete

Produktion

Underwater Sleeping Society, Jukka Putkinen & Henri „Hippo“ Ohvo

Trackliste

1. Saw You At My Funeral
2. Hurry Or Worry
3. Trapdoors
4. Body Blues
5. Painting The Dead
6. Counting Stars
7. Antique
8. Accidents
9. Golem
10. This Might Have Happened…
11. The End Us Just A Dawn

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