The Best Off…

0 7

Künstler: Laufer
Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 1994
Laufzeit: 48:32
Bewertung: 5/5

Die Neuauflage des Studiodebüts der Rijekaer Rocker Laufer, die wir zunächst als Wiederveröffentlichung der Vinyl-Platte „The Best Off…“ erlebt haben, hat bei Dallas Records nun auch eine Neuauflage als CD bekommen. Aber das ist keine gewöhnliche Veröffentlichung. Es handelt sich um ein sattes Dreierpaket. Auf der ersten CD ist das Album „The Best Off…“ vollständig enthalten, zur zweiten CD kommt ein akustischer Konzertmitschnitt namens „Unnplugged In Radio Rijeka“ dazu, und der dritte Tonträger ist gleichzeitig auch ein Bildträger, also eine DVD, die einen chronologisch-retrospektiven Einblick in das kurzlebige, aber üppig blühende Laufer-Phänomen bietet!

Laufer ist noch eine außergewöhnliche Band, die aus dem Fundament des Rijekaer New Wave hervorgegangen ist und in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre auf der Bühne erschien. Bis 1990 hatte sie bereits Material für ein Debütalbum aufgenommen. Die Sache zog sich bis 1994 hin. Der Krieg, der in der ersten Hälfte der neunziger Jahre auf dem Balkan wütete, hat dazu sicher seinen Teil beigetragen.

Was hat die Musik von Laufer also geprägt, dass man von einem weiteren Überflieger der kroatischen Rock-Szene dieser Zeit sprechen kann? Das Aufkommen des „Grunge“ hilft, die meisten adäquaten Antworten auf diese Frage zu finden. Laufer ist eine ausgesprochen düstere Rockband. Sie spielten einen rohen, unverklärten Rock mit den krachenden Gitarren absichtlich „überverzerrter Crunch“-Konturen, ohne dabei an echter lawinenartiger Rock-Energie zu sparen (Ljubav kao heroin). Die massive und kaum zu durchdringende Klangwand des wütenden Riffings erreichten sie auch mit einer aggressiven halbakustischen Klangschicht, besonders wenn sie beim Solieren oder bei Riffs den Klang mehrfach durch entschlossenen Einsatz des Wah-Wah-Effekts „verschmierten“ (z.B. die abschließende Solo-Passage von Funkomatic mit dem Einschub von Hendrix‘ Voodoo Chile).

Was Laufer davor bewahrte, in der immer lauter und klarer aufwallenden „Grunge“-Welle, die bis 1994 bereits ihren Höhepunkt erlebt hatte, unterzugehen, war natürlich der ansteckende, sehnsüchtige, autoritative und hochmelodische Gesang von Sänger Damir Urban, der mit seinem Gespür für vokale Arrangements und der richtigen Platzierung von Gesangsimprovisations-Eskapaden dem künstlerischen Ausdruckscharakter der Band Laufer auf unverwechselbare Weise dauerhaft einen ganz eigenen Platz in der Rock-Szene gesichert hat. Vielleicht zeigt gerade das Stück Dio tebe am schönsten die modernen Tendenzen der Gruppe in jener Zeit und die klare Kompatibilität von Urbans Gesang, wo er den Effekt einer gegenseitigen Verschmelzung der Laufer-Klang-Bausteine erzielt,  der im Ausgang einige stimmungsmäßige Merkmale der Auflösung des Songs Black (Pearl Jam) teilt.

Das Flirten mit Funk ist offensichtlich. Das taten damals vehement Bands wie Faith No More, Living Colour oder Red Hot Chilli Peppers, aber was in den Songs Funkomatic, Sve je laž oder Lopov Jack steckt, ist ein Ansatz zur Funk-Integration im Rock, wie ihn nur Laufer kennen. Für die damalige Zeit gesucht, erfrischend und ausdrucksstark. Und was vielleicht am wichtigsten ist: im Einklang mit dem Niveau des großen Rock-Rads, das damals (wie noch heute) die anglo-amerikanische Rock-Industrie antrieb. Die einzigartige Verbindung des Funks einer sprühenden und lebhaften Rhythmussektion, der ungezügelten Riffing-Rock-Aggression einer rohen Grunge-Fahrt und Urbans vokaler Erotomanie kommt am intensivsten, erfolgreichsten und wirkungsvollsten im Song Između neba i mora zur Geltung. Das Stück Jedini što zna ist die bestmögliche Kombination aus der melodischen Ansteckungskraft von Urbans sinnlichem Gesang und den damals attraktiven Rock-Mitteln. Der Song ist verhängnisvoll, dunkel, dramatisch, mit einem Refraingesang, wie man ihn aus den besten Zeiten einer Band wie EKV kannte, eingekleidet in modernes „Grunge“-Make-up!

Urbans angeborenes Talent und Gespür für die Erschaffung einer verhängnisvoll-atmosphärischen Dramastimmung kommen neben Songs wie Svijet za nas, Između neba i mora, Jedini što zna am wirkungsvollsten im immergrünen Klassiker Moja voda zur Geltung. Letzterer erhält die Auszeichnung als Rock-Hit des Jahres Nr. 1 auf Radio Velika Gorica. Die Gruppe hatte ausgezeichnete Voraussetzungen, um zur führenden Rock-Band Kroatiens zu werden und sich nach kommerziellem Erfolg in die Nähe einer Band wie Parni Valjak zu schreiben. Nah dran, aber ausdrucksmäßig aus einem völlig anderen Teig, mit einer einzigartigen Ausstrahlung und einem völlig anderen Rock-Hintergrund. So haben dann gewissermaßen Bands wie Hladno pivo und Majke diesen Platz in der kroatischen Rock-Szene später eingenommen.

Das Bonusmaterial ist interessant zu genießen und liefert nützliche Informationen. Tatsache ist, dass Urbans Gesang mit akustischer Begleitung noch intensiver und überzeugender wird. Die Alberei rund um Lopov Jack beweist, dass die Gruppe das Spielen dieses Stücks damals bereits bis obenhin satt hatte. Vielleicht hätte der Sound des Unplugged-Materials besser produziert werden können, und gleichzeitig hätte man Laufer auf der DVD etwas ansprechender präsentieren können (wieder hinken Bild und Ton etwas). In diesen Sound würde ich nicht so hineinstechen, wenn nicht bekannt wäre, dass die technologische Entwicklung heute viele, allzu viele Tricks der nachträglichen Aufpolierung und Glättung schlechterer Tonqualität erlaubt. Wie auch immer, auch die DVD ist willkommen – denn so bekommt man auch auf diesem Weg ein Stückchen Bühnenpräsenz dieser einzigartigen Verkörperung namens Laufer!

Das Album ist heute ein Klassiker. Ungeachtet der Tatsache, dass Laufer es nicht geschafft haben, ihren Namen in die Welt zu tragen – denn nach der Veröffentlichung des Albums „Pustinje“ (1994) löste sich die Band bald aufgrund von Unstimmigkeiten auf –, hat diesen unerwarteten Schlag für die kroatische Rock-Szene zumindest Damir Urban abgefedert, der später gewissermaßen logisch das Erbe der Laufer-Hinterlassenschaft im Rahmen seiner Band Urban & 4 übernahm. Das tat er sehr erfolgreich und baute das Laufer-Erbe posthum weiter aus („Žena dijete“). Das Album „The Best Off…“ steht für sich allein als Kultklassiker. Bei seiner Neuauflage hat es erfolgreich eine neue Zeitprobe bestanden, denn es verzaubert mit seiner Unmittelbarkeit ungezügelter und authentischer Rock-Spannung, der Intelligenz der Arrangements und Urbans unverkennbarer und unersetzlicher Vokalinterpretation. Kurzum: ein Album, das in jede Plattensammlung gehört. Ich würde sogar sagen: in die Plattensammlung jedes Haushalts.

Besetzung

Damir Urban – Gesang
Vlado Simčić – Gitarre
Ljubo Silić – Bassgitarre
Alen Tibljaš – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Vedran Križan – Keyboards
Mario Marolt – Saxophon
Mia Žnidarič – Gesang
Veselito Mudrinić – Gitarre
Katice – Chor

Produktion

Vlado Simčić, Bojan Mušćet & Goran Lisica

Trackliste

CD1. „The Best Off…“:
1.Svijet za nas
2.Ljubav kao heroin
3.Funkomatic
4.Dio tebe
5.Lopov Jack
6.Sve je laž
7.Znam, znam, znam
8.Moja voda
9.Jedini što zna
10.Između neba i mora
11.Wild Thing

CD2. „Unplugged In Radio Rijeka“:
1. Između neba i mora
2. Moja voda
3. Svijet za nas
4. Lopov Jack
5. Dio tebe

DVD „Laufer 1993. – 1994.“:
I. Svijet za nas (Musikvideo)
II. Konzertauftritt in Ljubljana, Križanke, festival Dan radosti, 25.05.1993:
1. Sve je laž
2. Svijet za nas
3. Lopov Jack
4. Chidlren Of The Revolution
III. Znam, znam, znam (Studio RTV Slovenija, Sommer 1994)
IV. Promotionsauftritt, klub Kulušić, Zagreb, 10.03.1994:
1. Između neba i mora
2. Svijet za nas
3. Wild Thing
4. Lopov Jack
V. Lopov Jack (Musikvideo, Mai 1993)
VI. Diskographie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies