The 5th

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Vendetta
Label: Massacre Records
Erscheinung: 2017
Laufzeit: 39:31
Wertung: 2.5/5

Vendetta, die deutschen teutonischen Metaller, kehren – mit ihrem Debüt aus dem fernen Jahr 1987 und dessen Nachfolger, der als eine Art Klassiker jenes etwas verborgenen oder sagen wir »unterirdischen« Zweigs des europäischen Thrash Metal gilt, der die Überlegenheit der großen Drei (Destruction, Kreator, Sodom) anerkennen musste, also mit ihrem Kultalbum »Brain Damage« aus dem Jahr 1988 – mit dem bedeutungsvoll betitelten fünften Studioalbum »The 5th« zurück. Das Cover, das keine sonderlich neue oder besonders schlaue Erfindung ist – offensichtlich zeigt es eine »Mr. Hyde«-Version Ludwig van Beethovens, der die schwärzeste Fortsetzung seiner fünften Sinfonie schreibt und dichtet, wobei auch Assoziationen zum Cover der Exodus-Platte »Tempo of The Damned« aufkommen –, wirkt auf den ersten Blick genau so, wie es soll. Du weißt: Wenn du das Album auflegst, springt der Geist der alten Schule daraus hervor, mit reliquienhaften und rustikalen Aussichten, die nostalgisch auch an die Herzen älterer Fans der traditionellen europäischen Thrash-Metal-Erstschule klopfen sollen.

Vendetta müssen, als eine der mitprägenden Kräfte des teutonischen Roh-Thrash, auch nach ihrer Reunion und dem neuen Album – dem ersten nach 23 Jahren; die Rede ist vom Album Hate, nach dem Nachfolger »Feed the Extermination« und nun nach dem neuen »The 5th« –, weiterhin die Überlegenheit ihrer Zeitgenossen anerkennen, die von weit breiterem Ruhm sind und mit ihren neuen Veröffentlichungen den Achtziger-Jahre-Opus rechtfertigen, mit dem sie sich in großen Lettern in die Welt des Thrash Metal eingeschrieben haben. Vendetta spielen heute deutlich anders als in den Achtzigern. Alle, die auf eine messerscharfe, bis auf die Knochen aufgezahnte und wild aufgewühlte teutonische Thrash-Metal-Platte warten, müssen diesmal »zu sanfteren Takten tanzen«, die vergeblich die besten Karrieremomente von Kreator, Sodom oder Destruction herausfordern werden. In dieser Hinsicht wird euch »The 5th« bei weitem nicht begeistern.

»The 5th« ist, was Riffs und Musik angeht, ein mehr als vorbildlich abwechslungsreiches Album. Für das, was der durchschnittliche Thrash-Metal-Fan will und erwartet, allerdings zu abwechslungsreich. Das Eröffnungsstück  Fragile entwickelt sich nach einem fast anderthalb Minuten langen Intro in eine Richtung, die sich in ihrer Wirkung leichter mit Megadeth, sogar mit dem frühen Metallica vergleichen lässt als mit irgendetwas, das aus den extrem aufgezahnten Grundlagen europäischer Thrash-Metal-Wut stammt. Die Nummer wird durch einen (ausdrucksstarken) äußerst interessanten Gitarren-Riff ausbalanciert, den die Band in den rhythmischen Wechseln des Songs geschickt einzusetzen weiß. Ein beeindruckender Auftakt, der die Hoffnung weckt, dass danach vollblütige teutonische Bedrohlichkeit und Wut folgen.

Interessanterweise ist es nach dem Ausrutscher des Liebäugelns mit dem Kreator-Prinzip bei Let ‚er Rip (dorthin kehrt das Album auch später zurück, z.B. bei Agency of Liberty) erst das dritte Stück der Reihe nach – Deadly Sin –, beziehungsweise dessen eröffnender Gitarren-Riff, das jenes echte Gefühl von »Primitivismus beziehungsweise Ursprung« echter Thrash-Metal-Aggression weckt, das auf diesem Album so sehr fehlt. Gegen Ende des Albums ruft dieses Gefühl auch das beeindruckende Religion Is a Killer wieder wach. Erst hier lässt sich nämlich eine Verbindung zum kreativen Schaffen der Band finden, das auf ihrem unvergesslichen Album »Brain Damage« festgehalten wurde – assoziativ schleichen sich dabei flüchtig auch die dänischen Artillery ein.  Obwohl das Album versucht, aggressiv zu beißen, ist, wie gesagt,  die teutonische Thrash-Metal-Aggression auf den neuen Alben der Zeitgenossen der Band weitaus überzeugender, invasiver und eingängiger.

Obwohl Vendetta heute Musik reifer angehen als in den Achtzigern und es daher nicht fair wäre, von ihnen ein Klon-Album von »Brain Damage« zu verlangen, wird dieses Album ausschließlich an die Herzen von Retro-Nostalgikern klopfen, während die neue Generation von Metal-Fans zu Alben anderer Bands greifen wird, die in ihrer Ausdrucksweise weit mehr Extremes und Brutalität der zeitgenössischen Genre-Errungenschaften im Metal bieten!

»The 5th« ist im Grunde ein durch und durch solides Album – aber hört es bloß nicht mit den Augen eines Puristen, der ausschließlich die ursprüngliche Bissigkeit teutonischer Thrash-Metal-Aggression sucht.

Vendetta – Religion Is A Killer (offizieller Audio):

 

Besetzung

Mario Vogel – Gesang
Frank Heller – Gitarre
Michael Opfermann – Gitarre
Klaus „Heiner“ Ullrich – Bassgitarre, Rhythmusgitarre
Thomas „Lubber“ Krämer – Schlagzeug 

Produktion

Vendetta & Dominik Bertelt

Tracklist

1. Fragile
2. Let ‚er Rip
3. Deadly Sin
4. Agency Of Liberty 
5. The Search
6. The Prophecy 
7. Shame On You 
8. Religion Is A Killer 
9. Nevermind

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