Teutonischer Terror über Zagreb (2012)

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Autor: Urban Bolta
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Zagreb / Pogon Jedinstvo / Kroatien
Konzertdatum: 24.10.2012
Besucherzahl: 550

Als Accept Anfang 2010 ihr Comeback ohne Udo Dirkschneider ankündigten, hätte sich wohl niemand vorstellen können, wie ernst es den Jungs mit der Sache war! Ihr Rückkehr-Album »Blood of the Nations« räumte reihenweise die Auszeichnungen als bestes Heavy-Metal-Album des Jahres ab, und die gute Form der deutschen Veteranen bestätigte in diesem Frühjahr auch noch ihr Nachfolger »Stalingrad«.

Seit der Veröffentlichung des Comeback-Albums sind Accept auch live ständig auf Achse. Auf eine Tournee folgt die nächste, im Sommer geht’s von Festivalbühne zu Festivalbühne – ohne Pause und ohne Gnade! Während ihre ersten Europa-Termine mit dem neuen Sänger Mark Tornillo an der Spitze noch auf die traditionell metalaffinen Märkte (Deutschland, Großbritannien, Skandinavien) ausgerichtet waren und für slowenische Fans damit (fast) unerreichbar blieben, brachte sie das Festival Metalcamp letztes Jahr erstmals zu uns. Für noch mehr Begeisterung sorgte dann die Herbst-»Staingrad«-Tournee, die Ende Oktober auch im Ljubljaner Kino Šiška Station machte. Noch vor dem richtigen kleinen Metal-Fest in Ljubljana zog’s Rockline aber auch nach Zagreb, wo Accept einen Tag zuvor gespielt hatten.

Eigentlich hätten Accept im Klub Boogaloo auftreten sollen, aber diese beliebte Zagreber Konzertlocation hat derzeit keine Betriebsgenehmigung, weshalb die meisten ihrer Konzerte in die Halle Pogon Jedinstvo verlegt werden. Der Klub mit ungefähr derselben Kapazität wie unsere Cvetličarna liegt im Komplex der kleinen Zagreber »Metelkova« neben dem Klub Močvara am linken Ufer der Save.

Noch vor den Deutschen bespielten Hollow Haze die Bühne, eine italienische Band mit bereits einem Jahrzehnt auf dem Buckel. Das Halleninnere schaffte das kalte Herbstwetter jedenfalls besser zu füllen als die klischeehafte Ausrichtung der Vorgruppe – die Italiener servierten nämlich nichts erschütternd Neues, und ihr übertriebenes Liebäugeln mit dem Muster der deutschen Power-Metal-Schule à la Primal Fear (vor allem in den Refrains) war schon fast zum Lachen.

Dann war es Zeit für die Genießer! Schon bei den ersten Takten des Eröffnungssongs des Abends, Hang, Drawn and Quariered, war klar: Der Sound wird großartig! Die längliche Form des Klubs bringt gute akustische Voraussetzungen mit sich, die das Team am Mischpult zu nutzen wusste und die richtige Balance zwischen Hoffmanns und Franks Gitarren sowie natürlich der Rhythmussektion fand. Eine fantastische Ansage für die nächsten zwei Stunden also!

Die erste Konzerthälfte stellten Accept ganz in den Dienst des neuen Albums – zwischen die immergrünen Klassiker aus den Achtzigern mischten sie 4 neue Stücke, darunter den Brachial-Stampfer Hellfire, das epische Kriegsepos Stalingrad und das atmosphärisch äußerst ausdrucksstarke Shadow Soldiers.

Das Quintett auf der Bühne war auch diesmal bestens gelaunt! Das gegenseitige Lächeln untereinander und zur Crowd hin zeugte von ausgelassener Stimmung und einem Drang zum Beweisen, der gut zwei Jahre nach dem Comeback noch immer deutlich spürbar war! Das Gitarren-Trio Frank / Baltes / Hoffmann rückte bei den Refrains in der Regel zusammen und lieferte dem sympathischen Tornillo kräftige Background-Vocal-Unterstützung. Aber Achtung! Aufmerksamen Augen dürfte nicht entgangen sein, dass Rhythmusgitarrist Herman Frank körperlich ziemlich am Limit wirkte, der unter seiner Mütze sein ergrauendes Haupthaar verbarg und bei den Refrains mitunter nur ans Mikrofon trat, dort aber stumm blieb. Verglichen mit dem Bühnenspektakel des Trios Tornillo / Baltes / Hoffmann, die überall herumwirbelten, hat das Alter eben doch am stärksten an Frank genagt – der brav auf der linken Bühnenseite seinen Pflichten nachkam, für mehr fehlte ihm schlicht die Kraft.

Auch Accept strecken die Laufzeit ihrer Konzerte mit instrumentalen Einlagen, aber das gelingt ihnen weitaus feinsinniger als vielen Bands ähnlichen Schlags, allen voran Helloween… In der Konzertmitte feierte der erste Gitarrist der Band seinen großen Solo-Auftritt: der kahlköpfige Wolf Hoffmann. Mit einem ausgiebigen instrumentalen Intermezzo streckten Baltes und Hoffmann außerdem den Klassiker Princess of the Dawn (genauso wie schon auf der »Blood of the Nations«-Tournee). Stark hielt sich auch Frontmann Mark Tornillo! Der Mann, der beim Accept-Comeback aus der Anonymität auftauchte und sich unaufhörlichen Vergleichen mit seinem Vorgänger Udo stellen musste, machte sich vor zwei Jahren bescheiden daran, sich zu beweisen, und hat seitdem die Herzen jedes einzelnen Accept-Fans für sich gewonnen! Auch in Zagreb machte er die Accept-Festung mit kreischenden Linien, die er aus den tiefsten Tiefen seiner Kehle holte, schlicht uneinnehmbar! Als Abschluss des regulären Sets feuerten dann noch zwei kompromisslose Riff-Brocken aus zwei verschiedenen Generationen: Pandemic und Fast as a Shark.

Die Zugabe war dieselbe wie schon auf den vorangegangenen Touren: die marschierende Hymne Metal Heart, ihre wohl beste Schöpfung der neuen Ära Teutonic Terror und als »grande finale« noch Balls to the Wall, bei dem die ganze Halle bis zum Mischpult und noch weiter ihre Lieblinge von der Bühne mit erhobenen Händen in der Luft verabschiedete! Der zweistündige Auftritt bestätigte, dass die alten Herren, die einst mitgeholfen haben, den Begriff Heavy Metal zu definieren, nach wie vor so manche jüngere Band locker in die Tasche stecken – auch wenn man sich selbst spürbarere Änderungen im gespielten Repertoire gewünscht hätte. Hand auf’s Herz: Abgesehen von den Songs des aktuellen Albums »Stalingrad« gab es auf der Setlist keine Änderungen, über die sich all jene, die Accept schon auf vorigen Touren erwischt hatten, mehr als gefreut hätten.

Setlist

1. Hung, Drawn and Quartered
2. Hellfire
3. Restless and Wild
4. Losers and Winners
5. Stalingrad
6. Breaker
7. Bucket Full of Hate
8. Monsterman
9. Shadow Soldiers
10. Guitar Solo (Wolf Hoffmann)
11. Neon Nights
12. Bulletproof
13. Aiming High
14. Princess of the Dawn
15. Up to the Limit
16. No Shelter
17. Pandemic
18. Fast as a Shark
—Zugabe—
19. Metal Heart
20. Teutonic Terror
21. Balls to the Wall
22. Bound to Fail (taped outro)

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