Tečem skozi čas
Interpret: Mežek, Aleksander
Label: Eye Witness Records
Veröffentlichung: 2007
Das 20. Studioalbum einer lebenden Legende der slowenischen Singer-Songwriter-Musik! Da gibt’s nichts zu meckern, mein aufrichtiger Respekt. Sašo kommt diesmal mit einem leicht entspannten Pop-Rock-Album daher, natürlich auf dem unverzichtbaren akustischen Gitarrenfundament, ohne blinde und unlogische Umwege. Alles fließt federleicht durch die Gehörgänge. Hier herrscht die absolute Unterordnung unter natürliche Klänge, minus Piano! Also Gitarren mit natürlich begleitendem Klang, den Mežeks einzigartige Stimme unwiderstehlich anreichert, aufwertet und an sich bindet – eine Stimme von immer aufregendem Timbre, auch im weltweiten Maßstab gesehen, die ihm schon die Türen zur Welt und zu einer reichen Musikkarriere geöffnet hat, mit der sich nur wenige slowenische Künstler schmücken können.
Der Kerl hat diesmal nur einen einzigen Kompagnon ins Studio geholt, der praktisch alle Instrumente eingespielt hat. Das ist der Engländer Dave Goodes, der sich sein Brot unter anderem auch als Live-Gitarrist des deutschen Synth-/Elektro-Pop-Trios Alphaville verdient (erinnert ihr euch noch an deren Mega-Hits aus den Achtzigern: Sounds Like A Melody, Big In Japan, Forever Young?). Mežek ist diesmal nicht der alleinige Autor der Verse, die er sich auf die Zunge legt, sondern hat bei dieser Gelegenheit Beiträge eines Weggefährten vertont, mit dem er schon früher zusammengearbeitet hat: des slowenischen „Wunderkinds“, oder eben jenes Bubs, an dessen Mitbesitz sich jede slowenische Mama freuen würde, des feinfühligen Fotografen, Dichters und zugleich furchtlosen Skispringers Jan Tomazin. Offensichtlich funktioniert die Verbindung Mežek–Tomazin sehr treffend, und die gilt es in jeder Hinsicht auszunutzen, solange die Chemie stimmt.
Mežek kehrt mit dem neuen Album nach Hause zurück. Durch die Verse blickt er auf seinen zurückgelegten Weg zurück, auf die völlige Versöhnung und Beruhigung mit allem, was ihn umgibt, umgeben hat, umgeben wird, auf den Genuss, in der eigenen Haut zu stecken, im Hier und Jetzt. Wieder ist er zu Hause gelandet. Die Ereignisse im Film des Lebens reihen sich aneinander. Eins nach dem anderen, jedes hat seinen Sinn und Zweck. Wo eins endet, beginnt das nächste. In sich abgeschlossene Ganzheiten, aber zusammengeheftet wie die Glieder einer Kette, die sich durchs Leben zieht. Geblieben sind nur noch Erinnerungen. In den Versen wird der Sinn des Annehmens und Verzeihens betont. Die Gefühle sind durchweg positiv-verspielt aneinandergereiht, mit einem Restchen jugendlicher Naivität, doch unglaublich, wie dabei im Gesamtergebnis der Stimmungen das Gefühl eines feierlichen Abschieds so stark hervorsticht.
Sašo ist wieder am stärksten in den Ausdrucksarrangements, die in 10 Songs eingefangen sind, mit unterschiedlichen Grundmotiven und der vorhersehbaren Schablone des Wechselspiels aus Pre-Chorus und Refrain. Mežek ist ein erfahrener alter Hase und weiß ganz genau, wie man die Sache serviert. Die Angst vor Dur mit drei Akkorden, gefangen in einer abgedroschenen, unzählige Male durchgekauten Formation, ist unnötig, der Kerl slalomt wieder gekonnt und geschickt zwischen hellen, lebensfrohen Momenten und Punkten versteckter Sehnsucht, die beweisen, dass Mežek seine Reifeprüfung in Sachen Ernsthaftigkeit des musikalischen Ausdrucks schon vor langer Zeit erfolgreich bestanden hat – einer Ernsthaftigkeit, die den Hörer im Handumdrehen überzeugt und zu ihrem Verbündeten macht. Das Album startet mit dem Song Polet I. Wenn ich mal scherzen darf – aber unglaublich, ich kann einfach nicht aus meiner Haut als verstockter Rocker! Als ich das Album zum ersten Mal auflege, habe ich das Gefühl, das Intro von Bostons Evergreen More Than A Feeling zu hören. Polet I. ist ein gelungener, druckvollerer Opener, die Flügel der Dynamik schaffen die Drums, großartig ist der Kontrast zwischen Mežeks gewohnt engelsrein klarer Stimme und dem kräftigen Puls der natürlich klingenden Begleitung. Diese Chemie bleibt auch in Polet II. erhalten, mit einer ausgesprochen gelungenen Kombination aus stimmiger, atmosphärischer Steigerung vom Pre-Chorus in den Refrain, sanft, aber treffend „angespitzt“ durch bluesige Solo-Einwürfe von Goodes an der Gitarre. Mežek bleibt unvermindert fasziniert von der Vegetationsperiode der Flora im Folgenden (Song Prepih), wo er wieder voller Hingabe das Blühen der Wiesen beschreibt. Aber im Ernst, Prepih haut den Hörer effektiv um und fällt ihm dann über die Ohren her, mit einem „englischen“ (!) Grundmotiv auf der Gitarre, das eigentlich die Rolle des Refrains zwischen Mežeks Versen übernimmt und so einen Hauch Dramatik hineinbringt. Schlau und gelungen! Der Rhythmus ist ein meisterhaftes bluesiges Prickeln, das eine brillante Wendung in der Dynamik des Albums bringt. Im nächsten Song im Country-Beat, Kamnita ograja, geizt Goodes nicht mit punktuell gesetzten „Soundscapes“ im Hintergrund des Klangbilds. Besonders reizvolle und ausdrucksstark überzeugende (herausragende) Momente der Platte sind das sehnsuchtsvolle Tečem skozi čas, wo Mežek mit seiner Stimme besonders intensiv aufleuchtet, und Na dlani mesta (nur mit nackter akustischer Gitarrenbegleitung gefahren). Der abschließende, boogie-unterlegte Konc wirkt ein bisschen abortiv und überflüssig, aber es sei ihm halb verziehen, denn er macht aus seinen scherzhaften Absichten keinen Hehl. Zum Glück dauert dieser Scherz weniger als drei Minuten.
Weil Mežek mit von der Partie ist, sind natürlich alle Songs von einer Stimme außergewöhnlichen Formats gekrönt, also einem einzigartigen Merkmal, das hier nicht fehlen darf und weswegen wir Mežek überhaupt hören und schätzen. Dank dieser natürlichen Gabe kann sich der Mann auch in heiklen Momenten immer gelungen „herauswinden“. Und trotzdem merkt man Mežek die Jahre an. Die Stimme hat nicht mehr die Frische von früher, im Lauf der Jahre ist sie etwas tiefer intoniert geworden. Am meisten sticht das in den tiefsten Lagen ins Ohr, wo die Stimme besonders dünn wird, die Melodie ist dort nicht optimal ausgenutzt, in der Folge entstehen Löcher in der Erfülltheit des spektralen Klangbilds, und die Gesangslinien werden punktuell überschattet oder von einem unerwünscht monotonen Klang überdeckt, weshalb auch die Dynamik des Albums etwas nachlässt. Vielleicht würde in Zukunft eine Umstimmung um mindestens einen Halbton nach oben nicht schaden.
Ansonsten: Hut ab. Die Arrangement-Ideen sind höchst verführerisch, die Songs bunt gemischt, was unbedingt nötig ist, um die einschichtig verankerte Produktion und das schlichte Klangbild aufzubrechen, das auf dem Zusammenspiel von Drums, Bassgitarre, Gitarre und Gesang aufgebaut ist und sich durch 40 Minuten Album zieht. Ein enorm hörbares und intelligentes Album, ohne ein Quäntchen potenzieller Glukose-Lawinen, die Sodbrennen verursachen würden – wovon es im slowenischen Klima unter den neumodischen slowenischen „Wannabie“-„Künstlern“ sonst nur so wimmelt. Aleksander Mežek bewahrt auch mit „Tečem skozi čas“ den Charme seines einzigartigen musikalischen Ausdrucks. Das ist ein Album kurz bemessener Bewegungen, meisterhaft zu einem Ganzen verwoben, das völlig entspanntes Hören bringt, empfehlenswert für den CD-Player in jeder Stimmungslage und das beweist, dass wir von Aleksander Mežek auch weiterhin viel lernen können. Respekt.
Besetzung
Aleksander Mežek – Gesang
Dave Goodes – E-Gitarre, akustische Gitarre, Bassgitarre, Schlagzeug
Produktion
Aleksander Mežek & Dave Goodes
Trackliste
1. Polet I.
2. Polet II.
3. Prepih
4. Utrip
5. Kamnita ograja
6. Tečem skozi čas
7. Žarek
8. Najina pesem
9. Na dlani mesta
10. Konc
Albumlänge: 41.28