Tarchon Fist
Künstler: Tarchon Fist
Label: My Graveyard Production
Release: 2008
Bewertung: 3/5
Tarchon Fist sind eine frisch geschlüpfte italienische Heavy-Metal-Band aus Bologna. Sie sind typische Vertreter der italienischen Art, sich dem Heavy Metal auf neumodische Weise zu nähern. Wenn du darin nach überbordendem Pomp und Melodik suchst, technisch kombiniert mit hohem Spieltempo, wirst du hier dein Paradies finden. Die Jungs fahren diesen vorhersehbaren Metal klassisch aufgebauter Riffs, in dem die reine Schullogik der Melodie regiert. Das Ganze riecht stark nach Power Metal, denn die Herren bauen fleißig Double-Bass-Pedale in ihre Songs ein, dazu kommt die süße Melodik dank der Gesangslinien eines leicht rauen, meist mittel bis hoch angesiedelten Gesangs, der sich auch in einer Sleaze-Hard-Rock-Truppe gut machen würde, und obendrauf gibt es schnelles Zupfen über den Riffs als weiteren Faktor, der dem Album noch mehr Melodie verpasst. In Songs wie It’s My World, der nebenbei bemerkt das Album hätte eröffnen sollen statt Metal Detector, der das Muskelspiel von Manowar ziemlich peinlich nachäfft, sowie in den folgenden Bad Man Mania, Ancient Sign Of The Pirates und Eyes Of Wolf zeigen Tarchon Fist, dass sie durchaus interessant sein können.
It’s My World trägt im Pre-Chorus einen Hauch Power-Melodik wie von Stratovarius aus den Neunzigern in sich, und für die melodischen Backing-Vocals im Refrain müssten sich auch manche melodischen Hard Rocker von heute aus Nordeuropa nicht schämen. Aber die Italiener wären eben keine Italiener, wenn sie es nicht übertreiben würden. So ist der Song Football Aces etwas, das sich zu 100% nur der italienischen Nation erschließt und sonst niemandem. Hier haben Tarchon Fist eine Prise Pomp ihrer Blutsbrüder Rhapsody Of Fire in den Kessel geworfen, etwas Pseudo-Machismo à la Manowar und Gesänge, die Queen nachzuahmen versuchen, denn das Ganze erinnert an den Versuch, eine Hymne im Stil von We Are The Champions zu basteln, die man bei Spielen der italienischen Fußballliga (Serie A) verwenden könnte. Dass die Jungs auch gern Def Leppard hören, bestätigt zum Beispiel das Schmuckstück No More Walls, das die Stimmung und die Dynamik des Albums kräftig versaut. Stellen wie die eben erwähnte Kombination aus Metal und Def Leppard oder Football Aces nehmen dem Album den Ernst, denn sie können die Naivität nicht verbergen, die bei italienischen Bands oft typisch ist, wenn sie sich ans Komponieren von Metal machen. Ich darf frech sagen: ans Kopieren. Diesmal oft ziemlich schlecht. Der Schlusstrack Carved With Fire erinnert noch einmal an die engen Verwandtschaftsbande zu Rhapsody Of Fire (die Gesänge im Refrain).
Die Jungs haben es geschafft, dem Album eine ziemlich mutige Produktion zu verpassen. Sie ist lebendig. Die Instrumente sind ausbalanciert, der Gesang steht zentral im Vordergrund, die Basslinie ist straff und melodisch. Zwischen ihnen herrschen geschmackvolle Kontraste.
Tarchon Fist sind technisch sehr ausgefeilte Musiker. Bis auf zwei Schmuckstücke haben sie den Rest des Materials auf dem Album selbst komponiert, und das hält in seinem Fluss erfolgreich den roten Faden. Das Ding ist also gut hörbar. Aber es hat viele Ausdruckslücken. Die erste ist die Gesichtslosigkeit, denn Tarchon Fist schaffen es von Anfang an nicht, ihren eigenen, wiedererkennbaren Sound zu etablieren. Stören tut auch das Slalomfahren zwischen Hard Rock und Heavy Metal, wo der Band einfach nicht gelingt, was heute zum Beispiel neue skandinavische Bands erreichen, die diese Grenze zwischen beiden Genres meisterhaft verwischen. Etwas weniger Verkomplizieren und mehr Elementares würde der Band auf der Suche nach mehr Schlagkraft und Ausdruck bei den Riffs in Zukunft keineswegs schaden. Also möglichst wenig Herumgeschlängel und Ausprobieren verschiedener musikalischer Zutaten und deren Verschmelzen, und dafür gilt es, sich ein einfaches, klares Ziel und eine Entwicklungsvision zu setzen, was sie eigentlich wollen. Auch das Instrumental Doc Hammer sagt absolut nichts aus. „Tarchon Fist“ ist ein typisches Album, dem es chronisch an Atmosphäre und Dynamik fehlt. Vor allem spürt man keine Aggression, keine Schlagkraft, keine Arroganz, was im Metal unverzichtbar ist.
Tarchon Fist verstecken ihre Talente nicht, aber sie müssen ordentlich in die Hände spucken und noch vieles lernen, vor allem die emotionalen Seiten zügeln, die kindliche Naivität ausstrahlen, was oft die Achillesferse italienischer Bands ist, wegen der ihre Werke in flache Seichtheit abrutschen, der leider auch das Debüt der Band, „Tarchon Fist“, nicht entkommen ist.
Besetzung
Luigi „Mr. J.J.“ Sangermano aka „Sange“ – Gesang
Luciano „Lucio“ Tattini – Gitarre
Lucio „Junior“ Martelli aka „Doc Hammer“ – Gitarre
Marco „Wallace“ Pazzini aka „lo Spezz“ – Bass
Andrea „Animal“ Barnabeo – Schlagzeug
Produktion
Tarchon Fist
Trackliste
1. Metal Detector
2. It’s My World
3. Football Aces
4. Bad Man Mania
5. Ancient Sign Of The Pirates
6. Black Gold Fever
7. No More Walls
8. Blessing Rain
9. Eyes Of Wolf
10. Doc Hammer
11. Carved With Fire
12. Tarchonvolt (it’s my world)
Spielzeit: 50.17