Taiwan-Japan Tour EP

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Künstler: Baseball
Veröffentlichung: 2006

Die australische Band Baseball besteht aus Mitgliedern, die neben dieser Band in den unterschiedlichsten Besetzungen spielen, und genauso ist auch die Musik, die Thick Passage (Gesang, Violine), Monika Fikerle (Bass, Gesang), Evelyn Morris (Schlagzeug, Gesang) sowie Ben Butcher an Gitarre und Gesang gekonnt zusammenzimmern, extrem vielfältigen Einflüssen ausgesetzt.
So gibt es auf dieser kurzen, aber knackigen Scheibe namens Taiwan – Japan Tour EP irre abwechslungsreiche und vehemente Musik zu hören, die kaum Grenzen kennt, getragen von den halb wahnsinnigen, dämonischen Schreien von Thick Passage und seiner Bipolarität, die Monika Fikerle verkörpert.

Im Opener „She Makes Cookies“, der mit glühenden Drums und manischer Gitarre loslegt, wirkt es, als würde sich Thicks Gemütszustand gleich nach dem zweiten Refrain heftig verändern und irgendeine Macht (oder sind es die Kekse?) katapultiert ihn vom Frontmann einer Garagenband direkt zum Vorsingen für den zweiten Sänger von Sterbend! Er klingt wie ein schwer verletztes Tier oder wie jemand, der den Geist von Screaming Jay Hawkins höchstpersönlich zu seiner Teeparty locken wollte, begleitet von Black Francis aus der Zeit von Surfer Rose. Gleich danach kommt „Where We All End Up“, das die ganze Sache ziemlich umkrempelt: Monika am Gesang, der klingt, als wäre er irgendwann in den Achtzigern aufgenommen worden, drumherum eine Soundwand aus hysterischen Basslinien und regelrecht sägender Violine plus E-Gitarre, aber das alles natürlich nur für kurze Zeit. Thick Passage meldet sich zurück mit „Hospitality Song“, wo er mit Psychobilly-Gesang über ein „Schwein am Feuer“ tief in musikalische Gewässer abtaucht, in denen irgendein Riff von Queens Of The Stone Age und die kreischende Wut von David Yow von Jesus Lizard versunken sind. Danach erfinden sie ihr Klangbild noch einmal komplett neu, denn schon das nächste Stück, „The Enemy Has Many Forms“, rückt die Gitarre mit diesem typischen Surf-„Twang“ in den Vordergrund, der als Soundtrack für so manchen Film übers Leben auf der Straße taugen würde, im Wohnwagen, wo die Hauptfiguren die Welt vom Grund des Glases aus betrachten, im ständigen Qualm halb ausgedrückter Zigaretten, die auf einem staubigen Teppich liegen. Im Herzen tragen sie aber die Sehnsucht nach echter Liebe: „…and a ring on her finger!“, wie Thick zum Schluss singt. Damit sind Baseball schon fast am Ende, übrig bleibt nur noch „Soft Boy Factory“, das mit der sich wiederholenden Phrase „Hard man. Tough guy. Soft boy“ etwas epischer wirkt, aber eben nur wirkt, und obwohl man zwischendurch meint, das Ganze würde in „(Ghost) Riders In The Sky“ in der Version von Dick Dale kippen, passiert auch das nie. Baseball deuten nur kurz an, wohin man in so einem kleinen Songformat überall gehen kann, das sie ausgesprochen gut nutzen.
Zehn richtig intensive Minuten Musik, die die Lust auf ein echtes Album in etwas längerem Format nur noch mehr anheizen. Das Warten kann beginnen, aber bitte nicht zu lange!

Besetzung

Thick Passage: Gesang, Violine
Monika Fikerle: Bass,Gesang
Evelyn Morris: Schlagzeug, Gesang
Ben Butcher: Gitarre, Gesang

Tracklist

01. She Makes Cookies
02. Where We All End Up
03. The Hospitality Song (Ode To Good Will)
04. The Enemy Has Many Forms
05. Soft Boy Factory

Spielzeit: 10:32

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