Sweet Trade

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Interpret: Poodles, The
Label: Lionheart Records
Veröffentlichung: 2007
Bewertung: 3.5/5

The Poodles, in ihrer schwedischen Heimat wahnsinnig beliebt, und zwar auch kommerziell gesehen, sind nach gerade mal einem Jahr schon wieder zurück mit einem neuen Album, ihrem zweiten. „Metal Will Stand Tall“ (2006) hat als großartiges Debüt das Fundament für hohe Erwartungen an den Nachfolger gelegt. The Poodles haben sich auf dem Erstling als kompaktes Quartett präsentiert, das genau weiß, was es will und kann, und haben ein ultramelodisches Faltblatt ihres Sounds und Stils vorgelegt, das nichts anderes ist als noch eine Spielart von Hardrock, diesmal aber etwas kommerzieller ausgerichtet, in Richtung Pop-Rock.

Tja, sein Nachfolger „Sweet Trade“ überrascht auf der Stelle. Wer ein neues „Metal Will Stand Tall“ erwartet hat, hat sich ordentlich die Finger verbrannt. Die Produktion ist deutlich härter. Schon der Opener, der Marsch Flesh And Blood, überrascht, denn sein arenatauglicher Marsch ist in der Produktion verdammt viel rauer als auf dem Debüt. Die ersten Assoziationen gehen hier in Richtung mitteleuropäischer melodischer Hardrock à la Gotthard, Pink Cream 69, Fair Warning, Frontline…. Diese Richtung bestätigt im weiteren Verlauf auch Streets Of Fire. Ein pompöser Refrain auf einem eintönig dahintrottenden Up-Tempo-Marschrhythmus, dem aber etwas mehr Halt im Bass fehlt. Der einzige Minuspunkt bei einer sonst hervorragenden Produktion. Aber für The Poodles gibt es keinen Winter! Mit einem außergewöhnlichen Gespür für ausgefeilte Melodien lenken die Jungs die Aufmerksamkeit des Hörers „schlau“ blitzschnell um, sodass der sich gar nicht groß mit „Kleinigkeiten“ auf der Platte herumschlägt, denn Pomp und Ultramelodik machen dich unglaublich schnell süchtig. Bombast und Pomp sind die großen Trümpfe, mit denen die Jungs kühn hantieren. Produktionstechnisch sind The Poodles nah bei Brother Firetribe und Wig Wam (Songs Band Of Brothers, Seven Seas mit opernhafter Queen-Verspieltheit, der ultrapompöse Heaven’s Closing In), aber noch härter. Sie tragen einen Hauch der Schelmerei der viel zu früh begrabenen Hardrock-Clowns The Darkness in sich (Refrain von Thunderball), während sich im Schlusstrack Shine Ansätze der glanzvollen Bon-Jovi-Tage finden lassen. Wenn die Lunge rausgehauen werden muss, klingt Sänger Jakob Samuel in den Extremen seiner stimmlichen Anstrengung (z. B. im Song Kiss Goodbye) in milderer Form wie Axl Rose (Guns N‘ Roses)

The Poodles lassen dem Hörer mit ihrem Arena-Ansatz keine Zeit zum Luftholen. Entweder du bist dabei, oder eben nicht. Nur zwei Optionen! Die Rhythmen sind völlig simpel, die Riffs schneidig, aber mit enormem dynamischem Schwung, in dem genau die richtige Adrenalinhast ausgelöst wird. Alles dreht sich um den zentral platzierten Gesang, der in den rockig beschleunigten Marschnummern richtig explosiv sein kann, in jeder Lage ausgefeilt, wenn er die Melodie aus sich herauszieht, oder verführerisch erotisch mit dem Akzent des „frechen Jungen“, was seinen Reiz vor allem in den „ruhigeren“ Lagen bewahrt, in denen das Riffen nicht so im Vordergrund steht. Die Höhepunkte der Songs sind bombastische Refrains, die die Jungs noch mit zusätzlichen Backing-Vocals und natürlich mit einem Keyboard-Vorhang (im Hintergrund) aufwerten. Reach The Sky ist ein idealer melodischer Ohrwurm, geboren für die Singleauskopplung. The Poodles haben sich von den Pop-Tricks des Debüts entfernt, was davon auf „Sweet Trade“ übrig geblieben ist, steckt im großartigen Without You. Ein Mid-Tempo-Rocker, in dem der Gesang beim Aufbau der Melodie absoluten Vorrang hat, mit einem Refrain von idealer melodischer Perfektion. Ein Stück, das als Komposition perfekt gegossen ist, alles darin klickt makellos.

Aus dem Land von ABBA ist es natürlich selbstverständlich, dass du ein angeborenes Gespür im Blut hast, Songs zu schreiben, die dir sofort unter die Haut gehen und sich unwiderruflich in den Gehirnzentren festsetzen. Und das Besondere an diesem Album ist immer noch, dass es zusätzlich wächst, wenn du mehrmals die „Repeat“-Taste am CD-Player drückst. The Poodles könnten auch eine hervorragende Pop-Rock-Band sein, aber Hardrock boomt, dank einer wiedergeborenen Phalanx junger Bands, die aus dem Norden des alten Kontinents heranstürmen. „Sweet Trade“ ist ein weiteres exzellentes neues Album dieser heißen jungen New-Wave-Hardrock-Truppe, mit gleichwertigen Songs, hoher Qualität, unverwechselbarem Sound und Stil. Schwer zu sagen, ob das Album besser oder schlechter ist als das Debüt. Es ist anders, qualitativ gleichwertig und immer noch 100% The Poodles.

Besetzung

Jakob Samuel – Gesang
Pontus Norgren – Gitarre
Pontus Edberg – Bass
Christian Lunqvist – Schlagzeug

Produktion

Pontus Norgren & The Poodles

Tracklist

1. Flesh And Blood
2. Streets Of Fire
3. Seven Seas
4. Walk The Line
5. Thunderball
6. Reach The Sky
7. We Are One
8. Without You
9. Band Of Brothers
10. Heaven’s Closing In
11. Kiss Goodbye
12. Shine

Spieldauer des Albums: 44.01

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