Surfing To The Moon
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Vibesonic Jam
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: 2015
Laufzeit: 42:22
Wertung: 4/5
Das Instrumentaltrio Vibesonic Jam aus Ptuj meldet sich nach sechs Jahren zurück – mit dem Nachfolger ihres Studioserstlings »Egotrip«, der 2009 erschien! Das Debüt war eine willkommene Bereicherung der slowenischen Musikszene. Vibesonic Jam haben damit gezeigt, dass die Musikwelt einen weiteren musikalischen Eigenbrötler hervorgebracht hat, dem Trends herzlich egal sind und der Musik strikt so macht, wie er sie fühlt und wahrnimmt. Auf seine ganz eigene Art.
Die Besetzung bleibt unverändert. Trio also. Ein Trio erfahrener Herren. Auf dem Album »Surfunig To The Moon« bleibt das Trio nach wie vor vollständig instrumental. Da Vibesonic Jam schon auf dem Debüt bewiesen haben, dass sie in keine Genreschublade zu »stecken« sind, bewahrt ihr Nachfolger eine »sympathische« Fragmentiertheit, die genau das liefert, worauf schon der Bandname hindeutet. Eine volle und in vielerlei Hinsicht geradezu ursprüngliche Dosis Improvisation. Da der Sound extrem lebendig, sprich organisch klingt (man hört deutlich eine »Garage«-Komponente), wurde dieses Album mit Sicherheit größtenteils in einem Stück eingespielt (auf Anhieb, nach dem Vorbild eines kleinen Studiokonzerts), und nachträgliches Zusammenkleben in der Postproduktion gab es kaum. Während das Gitarrenriff auch auf dem neuen Album eine satt-massive Klangwand im Hintergrund aufrechthält, öffnet sich im Vordergrund enormer Raum für Melodie – um die sich häufig die lebhafte und bewegliche Basslinie von Bernard Pintar kümmert. Die Band testet pro Song mehrere rhythmische Wendungen aus, was der Musik ein Gefühl von Spontaneität und »Trip-Haftigkeit« verleiht und das Element der »Überraschung« festigt. Neben den programmierten Gitarren-Loops greift Zlatko immer wieder auf Mikrofonie zurück, mit der er die Klanglandschaft kontrastreich aufwertet und einzelne Stimmungsbilder dramatisiert.
Die »Genrewendepunkte« harmonieren schön miteinander – lass dich überraschen, lass dich von der Musik verführen. Insgesamt schaffen Vibesonic Jam ihre ganz persönliche Visitenkarte im alternativen instrumentalen Rock-Groove, und angesichts der Wiederholung einiger Leitmotive durch die Songs sowie einer »träumerischen Trippigkeit«, die dich in eine eigentümliche Welt entführen kann, wenn du dich ihr erfolgreich hingibst, liebäugeln sie auf dem Album »Suring To The Moon« auch ernsthafter mit Elementen des sogenannten Post-Rock. Das Hören des neuen Albums ruft auch diesmal Gefühle von Psychedelik hervor, ebenso wie »Space Rock«-Unbekümmertheit (der Albumtitel passt da mehr als gut).
Die Songtitel sind nicht einfach »aus der Luft gegriffen«. Die Band versucht, den Charakter jedes Songs einzufangen, ihn zum Leben zu erwecken und den Hörer so durch sieben Geschichten, sieben eigenständige Einheiten, zu führen. Deshalb sind die Stimmungsunterschiede zwischen diesen Geschichten klar erkennbar. Schon der Opener Peacock Dance dreht sich lebhaft im Einklang einer wilden, zeitweise geradezu im »Wahn« brodelnden rhythmischen Kinetik, und dabei ist es nicht schwer, sich einen verrückten Pfau vorzustellen, der unter seiner Testosteron-Last »leidet«. Der zugänglichste Song des Albums ist Holidays, der sich »faul« entfaltet und ein Gefühl von Behagen erzeugt, durch das sich auch eine Prise mediterranes Lüftchen schleicht. Da die Slowenen durch die Jahrhunderte auf die eine oder andere Weise mit der Balkanhalbinsel verbunden sind, was sich auch im Musikschaffen niederschlägt, überrascht es nicht, dass die Band einen Song auf das Album genommen hat, bei dem ihre musikalische Haltung deutlich nach »Balkan« riecht. Selbstverständlich gehörig verstärkt mit dem gitarrenstarken, echten Vibesonic Jam »Krawall«! Daher trägt er auch den mehr als passenden Namen (Balcanoiser).
Ihr sucht die ideale Kombi zweier Bands für eine Mini-Tour durch Slowenien? Dubzilla und Vibesonic Jam! »Surfing To The Moon« ist, wie gesagt, ein angenehm lockeres Album, das sich trotz seiner vielen Ausflüge in die Welt der Improvisation schnell ins Ohr schleicht. Obwohl Vibesonic Jam in expressiver Hinsicht Lichtjahre von Bands wie Hidria Spacefolk, Kingston Wall, Quantum Fantay oder Ozric Tentacles entfernt sind, könnten Fans dieser Bands sie durchaus schnell »adoptieren« und in ihr bevorzugtes musikalisches Repertoire aufnehmen.
Besetzung
Milan Murko – Schlagzeug, Rhythmusmaschine
Zlatko Kuret – Gitarre, Gitarren-Loops
Bernard Pintar – Bassgitarre, Synth, PC
Produktion
Vibesonic Jam
Trackliste
1. Peacock Dance
2. Noisy Wind
3. Angel’s Dream
4. Water Drop Rainbow
5. Holidays
6. Balcanoiser
7. Tumbleweed