Superhuman

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: NoAir
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 41:03
Wertung: 4/5

Die Küsten-Indie-Rocker der »dunklen Ausblicke« Noair kehren drei Jahre nach dem Release ihres Studioerstlings »Existential« mit dem Nachfolger »Superhuman« zurück. Mit dem Debüt haben die Jungs großen Ehrgeiz signalisiert, zeigten sich dabei aber noch etwas schüchtern – mit einer Prise anfänglicher Naivität in den Arrangements. Doch der Nachfolger »Superhuman« wirkt spürbar reifer und ausgereifter und liefert eine absolute Weiterentwicklung von allem, was »Existential« zu bieten hatte – und damit auch einen der stärksten musikalischen Releases des Jahres in der slowenischen Alternativrock-Szene insgesamt.

Die Band hat sich in den letzten drei Jahren in jeder Hinsicht weiterentwickelt. Unter den Jungs ist die Chemie weiter gewachsen, das Team hat sich in Sachen grundlegender musikalischer Ausrichtung gedanklich vollständig vereint – und diese geschlossene Fokussierung der Gruppe hat dementsprechend ein starkes Studioergebnis hervorgebracht, auf das die Besetzung richtig stolz sein kann, denn es öffnet ihnen auch die Türen für Auftritte im Ausland weit auf.  Auch wenn dem nicht so ist: Alle Züge auf dem neuen Album wirken, als wären sie mit spielerischer Leichtigkeit ausgeführt worden.

Kommen wir zum Inhalt. Ein knackiges Upgrade des Produktionsbilds, bei dem das kontrastreiche Füllen des verfügbaren Klangspektrums glänzt – das Album atmet dadurch lebendig, dreidimensional und dynamisch, neben den üblichen Tricks moderner Sound-Ästhetik. Die Gitarren sind zwar rockig laut, behalten aber jenen Jangle-Nachhall, der farbenfroh mit hallenden »echo reverbs« affektiert ist – was eine verfeinerte künstlerische Kontur der klar spürbaren Tendenz der Gruppe  zeichnet, beim Produkt nach klanglich-atmosphärischer Fesselkraft zu suchen.  Die Band ist auf dem neuen Album in ihrer Souveränität gewachsen – sowohl kompositorisch als auch in der Ausführung. Das bestätigt eine Reihe von Kompositionen, die allesamt enorm qualitätvoll und ausgereift sind und jede für sich einen in sich abgeschlossenen, fertig ausgearbeiteten Charakter trägt. Die Band ist deutlich überlegter und mit einem merklich höheren Maß an perfektionistischem Ehrgeiz an die Fertigstellung der Album-Tracks herangegangen.  Das gilt insbesondere für die Gitarrenarbeit, die neben ihrer sonstigen scharf einschneidenden Phrasierungsästhetik den verfügbaren Raum für das Hinzufügen von affizierten (synthetisierten) Klangpastellen sehr geschickt nutzt – was das atmosphärische Drama-Theater des Albums vertieft. Im Fall des Noair-Artismus ist das  jene wahrnehmbare »Schwärze«, die nun noch schwärzer betont und dargeboten wird.

Die Band trägt einige wahrnehmbare Parallelen zum »post-punk revival«-Moment des Rock’n’Roll. Besonders beim Rhythmus und dem Sound der führenden Gitarrenphrasen drängen sich Assoziationen zu Bands wie Franz Ferdinand, Mando Diao und auch White Stripes auf – zugleich deutet der experimentelle Charakter des Albums darauf hin, dass die Jungs auch mit der Inspiration durch das klangästhetische Forschen aufgewachsen sein müssen, das Radiohead in ihrem Artismus schon immer betrieben haben. Den Höhepunkt des Experimentierens mit Sound und Stil erreicht das Album »Superhuman« genau in seinem Finale mit dem längsten Track des Albums Canvas For Thoughts, mit einem ausgedehnten instrumentalen Ausklang, wo sich der Song zu einem malerischen »Konzert«-Jam entwickelt. Ein Song wie Clockwork Dance ist ein Beispiel für die extrem ausgefeilte Ästhetik des raffinierten Komponierens, bei dem sich einige abrupte Stimmungsumbrüche innerhalb des Songs offenbaren – Folge der Beweglichkeit  der motivischen Abfolge im Song. Dieser Song verlangt alles andere als eine triviale Kompositionsethik, spricht den Hörer dabei aber völlig unpretentiös, »freundlich« und im Glanz großer Musikalität an – was nur ein Beweis der spürbaren künstlerischen Reifung ist,  die die Gruppe in den letzten drei Jahren durchgemacht hat. Definitiv einer der stärksten Tracks des Albums »Superhuman«. Die Band hat auch das Konzept des raffinierten Ansatzes sehr gut verinnerlicht. Das zeigt sich zum Beispiel im Song zweier entschiedener atmosphärischer Kontraste, der durch ein Wechselspiel zwischen ruhigen Passagen – wo filigrane Sanftheit gefordert ist – und solchen geprägt wird, die intensiver mit rockigen Dezibeln des Gitarrenphrasing aufgeladen sind (der Song Colours).  

Was den Gesang betrifft, hat Maks Bambič auf dem neuen Album entschieden Fortschritte gemacht. Seine Gesangslinien sind in der gewählten Melodik der Leitmelodien deutlich fokussierter, mit beträchtlicher Souveränität und einer farbigen Ästhetik des Heraufbeschwörens von Emotionen und Leidenschaft ausgeführt. Im Grunde ist Maks mit seinem stimmlichen Fortschritt der entscheidende Faktor, der wesentlich zur erheblichen Aufwertung des Gesamtinhalts dieses Produkts beiträgt – besonders im Vergleich mit dem Studioerstling. Der Fortschritt des Sängers zeigt sich auch im optimalen Umgang mit der englischen Sprache in den Versen, wo er auch die Versmetrik sehr geschickt handhabt.

Ein außerordentlich schönes und inhaltlich detailreich poliertes Indie-Rock-Album, auf dem sich Noair als souveräne musikalische Entität mit klarem Fokus und musikalischer Vision präsentieren. Auf diesem Album hat die Gruppe ihren eigenen Artismus definiert, der ein hochintelligentes Produkt liefert, vollgepackt mit filigransten Klangnuancen geschmackvollen Experimentierens, das nie in Exzesse von Schrulligkeit verfällt – was die Kompaktheit der Kompositionen zerstören könnte. Im Gegenteil. Noair wissen genau, wo diese Grenzlinie verläuft. »Superhuman« ist ein Album voller intelligenten Indie-Rocks, mit dem die Gruppe ihre Fanbasis sicher ausbauen wird – der prägnant bekenntnishafte Inhalt mancher Album-Tracks kann dabei auch bei unabhängigen Radiosendern anklopfen.

Besetzung

Maks Bembič – Gesang, Gitarre
Jaša Hedžet Jajo – Bass
Aleksander Družina – Gitarre
Gregor Brajkovič – Schlagzeug

Produktion

Robi Bulešič

Tracklist

1. Holly G.
2. Colours
3. Patterns
4. Switcher
5. Piece of Chess
6. From a Near Distance
7. Clockwork Dance
8. Canvas For Thoughts

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