Sunburnt
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Akami
Label: ZARŠ Records
Erscheinung: 2017
Wertung: 4/5
Akami ist ein Quartett aus vier Musikern, das seinen Anfang jedoch vor drei Jahren sehr individuell genommen hat, denn sein eigentlicher Initiator war Domen Slovinič. Wer das Geschehen des Klubski Maraton im Jahr 2014 verfolgt hat, wird sich schnell daran erinnern, wie Domens musikalische Visionen damals aussahen. Slovinič a.k.a. Akami ist im Grunde ein D.I.Y.-Typ, und schon auf der Kompilation Klubski Maraton 14 hat er die gewohnten musikalischen Phrasen und Rahmen erfolgreich mit einfallsreichen Klängen aus der Welt der Elektronik aufgebrochen. Aber jetzt ist eine ganze Band dabei. Akami wurde also schon bald zu einem größeren musikalischen Körper. Auch was die Erweiterung des musikalischen Dossiers und Exposés angeht, haben Akami als Quintett nach und nach die klanglichen und stilistischen Grundlagen definiert, die nun das Debüt »Sunburnt« festhält.
Und wenn der Einstieg mit Black Into White in seiner Ansprache überraschend schüchtern ist, sogar sanft, zart, zerebral, durch und durch psychedelisch, wenn nicht gar esoterisch, und die Klangschichten auf entrückten Wellen einer Begegnung mit dem »Extraterrestrischen« dahingleiten (Space Rock wäre eine zu grobe Bezeichnung), wobei sogar einige »Floydismen« wahrnehmbar sind, macht bereits der zweite Track The Sleep darauf aufmerksam, dass die Truppe bestens in der Ära zu Hause ist, die der Grunge auf der Rock-Landkarte hinterlassen hat. Ein kratziger, fett verschmierter Sound tritt in den Vordergrund, da sind die »entfremdeten«, »hohlen« Vocals, und die verträumte Atmosphäre des Albumbeginns verwandelt sich so plötzlich in ein beißendes, aufgebrachtes und fett grungig »verstimmtes« Klangmilieu, das von der Gitarre beherrscht wird. So bleibt es auch im weiteren Verlauf mit Angster, das wieder einen etwas ruhigeren Rhythmus bietet, während ein Chor aus männlich-weiblichen Vokalharmonien in die zentrale Rolle tritt. Die Band kehrt mit Stay zum energetischen Puls des Albumbeginns zurück, das sich in repetitiven Klangschleifen sogar mit Elementen des Post-Rock anfreundet. Die psychedelischen Verzierungen, die eigentlich die Gitarre in das Wogen der Keyboard-Schichten einwebt, sind mit einer kühlen vokalen Starre dosiert, die vom Track Ego übertragen wird.
Das Interessante an Akami ist jedenfalls, dass die Musiker musikalische Klischees aufbrechen und Tonalitäten zusammenfügen, die nicht alltäglich sind. Auf diese Weise erweitern sie ständig den Raum, in dem sich ihnen Lösungen eröffnen, wohin sie eine bestimmte Komposition lenken und wie weit sie diese ausweiten, verzweigen und beleben werden. Wie gesagt, hat die Gruppe es beim Spielen und Aufführen nirgends eilig. Schlicht und einfach: Akami verstehen es, die Erschaffung von Kompositionen »auf lange Sicht« zu genießen, und das resultiert auch in der Schaffung einer Atmosphäre, die immer wieder von psychedelischer, zerebraler Verträumtheit durchdrungen ist.
Ganz besonders Momente des Albums, wie der Track Joker wirken in ihrer Entwicklung völlig unvorhersehbar. Dieser Track ist eine Art »Jam«, beim ersten Anlauf gespielt und auch beim ersten Anlauf im Studio aufgenommen. Nach dem Prinzip eines live gespielten Konzerts im Studio. Tatsächlich wirkt das gesamte Album so, ganz besonders aber ist dieser Moment in der abrasiven Rudimentarität spürbar, die gelegentlich an die Oberfläche kommt, wie es beim instrumentalen Joker der Fall ist. Dieser Track ist ein ausgiebiger Vorbote, der andeutet, dass die Band sich sehr gerne völlig intuitiv in die Weiten musikalischer Räume begibt, dem bloßen Instinkt und Gefühl folgend, wobei es nicht einmal notwendig ist, sich abzusprechen, wie der Track selbst um das Grundmotiv geflochten wird. Das passiert einfach, und die übrigen Bausteine der Akami-Musik schließen sich ihm völlig spontan an, aber in einem festen, chemisch-wahrnehmbaren und kompatiblen Dialog. Der Titeltrack des Albums ist tatsächlich ein Querschnitt all dessen, was zuvor gesagt wurde, und der Track, der das musikalische Dossier der Gruppe Akami am besten und schnellsten enthüllt. Das Album beschließt mit den Dezibeln der fett donnernden Gitarre (sogar Noise-Ansätze sind spürbar) und kraftvollen Snare-Schlägen der Track Live, der in seinem Ausklang wieder so geführt wird, dass er noch einen trip-artigen Moment des Albums liefert.
Akami ist eine Band in Entwicklung. .“Sunburnt“ ist nur ein Punkt dieser Evolution. Die nächste wird Akami in einem neuen Gewand zeigen. Mit »Sunburnt« setzen Akami ihren ersten Schritt in die Musikwelt kraftvoll und äußerst erfolgreich und präsentieren sich als Gruppe mit ungewöhnlichen, sprich unkonventionellen Perspektiven auf die Welt des musikalischen Ausdrucks. Bekannte musikalische Dogmen verschmelzen sie auf ihre ganz eigene Art und lösen sie dabei höchst erfolgreich auf. Live berührt der Inhalt des Albums »Sunburnt« den Zuhörer sicher noch mit beträchtlicher Intensität und Tiefe der Leidenschaft und der Emotionen. Das Album ist also ein äußerst mutiges Werk, mit aller Auszeichnung vollbracht!
Besetzung
Domen Slovinič – Gesang, Gitarre
Brigita Gračner – Gesang, Keyboards
Samo Pavlica „Linč“ – Gitarre
Boštjan Franetič – Bass
Kristjan Buzeti – Schlagzeug
Produktion
Martin Ukmar
Trackliste
1. Black Into White
2. The Sleep
3. Angster
4. Ego
5. Stay
6. Joker
7. Sunburnt
8. Live