Stuck On Nothing

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Künstler: Free Energy
Label: EMI Records
Veröffentlichung: 2010
Laufzeit: 44:15
Bewertung: 2.5/5

Free Energy? Im 21. Jahrhundert kann das nur eine Kreuzung aus dem klassischen Rock-Fundament von Cheap Trick und der Jimmy Eat World-Logik des Rock-Verständnisses sein. Das vergnügungslustige Quintett, das vom „Rocken und Rollen“ gepackt wurde, stammt diesmal aus Philadelphia (Bundesstaat Pennsylvania, USA). Wenn man die eröffnende Kuhglocke hört, die das Album und den ersten (Titel-)Song einläutet, hält man kurz inne beim hintergründig-schelmischen Humor, den die Briten The Darkness einst so überzeugend aus sich herausgepresst haben. Doch der weitere Verlauf des Songs lässt jede Hoffnung auf Ähnliches schnell fahren.

Free Energy sind überschwänglich schwatzhafte Stare, die ihre Mutter nicht vor allzu langer Zeit zur Welt gebracht hat. Sie sind sorglos aufgewachsen, den Arsch voll McDonald’s-Burger und allem, was ein Kind in der Wachstumsphase begehrt, während es sich durch die Jahre der „Teenagerschaft“ bis zum Eintritt in die „Erwachsenenwelt“ kämpft. So sind die Texte der nackten Gleichgültigkeit eher naiv als witzig, albern – geschweige denn frech, arrogant oder (Gott bewahre) intellektuell provokativ. Die Musik ist in Dur angelegt und rockig orientiert. In den Leitmotiven sind die zuckersüß klebrigen, harmonisch-vokalen Melodiebögen, die noch aus der Zeit der The Beach Boys geerbt wurden, kaum zu überhören.  Ja. Die Sache liegt gar nicht weit von der Tatsache entfernt, dass es alle lieben werden, die leicht orientierten Gitarren-Pop hören. Auch wenn Free Energy inhaltlich dem Schöpfen aus dem Erbe des klassischen Rock verpflichtet sind.

Die Produktion ist hervorragend und zeigt eigentlich deutlich mehr Einfallsreichtum, als die Band selbst zusammenzubringen imstande wäre. Die abgetragenen Rock-Windeln versuchen die Jungs in ein Produktionskostüm aus Arrangements zu hüllen, die auf die Integration von Bläsern und Streichern setzen. Das gelingt tatsächlich bis zu einem gewissen Grad, den Ausdrucksgehalt der Kompositionen zu vertiefen und die Aufmerksamkeit von der klischeehaft trivialen und erlebnisarmen Verwendung abgekauter Riffs abzulenken. Auf der anderen Seite steht wieder der kindliche Gesang, der versucht, ein Gefühl rebellischer Spötterei mit einem irgendwie punkigen Akzent zu erzwingen – was aber das schwächere Glied der Band bleibt.

Trotzdem gelingt es dem Quintett stellenweise, die Waage zugunsten einer überzeugenderen Rock-Predigt zu kippen, die sich auf das Erbe klassischer Künstler beruft. Solche Songs sind Bad Stuff oder Two Hearts. Sie besitzen eine Annäherung an den Akzent der Gesangsmelodien, die in den Erinnerungen an das musikalische Werk von Thin Lizzy wühlen.

Das Debüt verbirgt seine recht popige Produktion nicht, trotz dem erwähnten „Rocken und Rollen“. Erleben kannst du auch den typischen Rock’n’Roll-Riff, geführt über einem Rhythmus, den der archaische Trick des Händeklatschens vertieft. Bei all der optimistischen Ausrichtung der fröhlichen Melodie wirkt das Pop-Element in einer solchen Produktion noch selbstbewusster (Light Love).

Egal wie sehr man auch nach Hohlheit im Debüt der Band sucht – als Trost bleibt die Tatsache, dass es hier nicht um das Gejammer „emotional erschreckter“ MTV-Cockerspaniels und die wenig überzeugende Verbindung von Punk mit der fröhlichen Natur des menschlichen Geistes geht (guten Morgen an alle Green Day-Klone), sondern um die Verbindung von Optimismus mit den Grundlagen des klassischen Rock, was miteinander deutlich souveräner und überzeugender kommuniziert. Das war so, ist so und wird so bleiben. Daher ist das Hervorziehen von Klischees aus der Mottenkiste an diesem Punkt (zumindest gelegentlich) gerechtfertigt. Die Leitlinien zwischen dem Rolling Stones-Lausbubentum und der Free Energy-Kindlichkeit zu suchen, wäre trotz allem eine Überschreitung der Grenzen des guten Geschmacks und eine Übertreibung, aber der „Party-Moment“, der triviale Ausdruck, die Rock-Direktheit, der man die „Frechheit“ der unsterblichen Rock-Größen abzieht, ist für das verarmte Ausdrucksangebot kommerzieller Künstler im Jahr 2010 im Fall von Free Energy leichter zu rechtfertigen. Nicht zuletzt ist vor allem der Albumabschluss Wild Wind sehr überzeugend, der bei einem gemächlichen Rhythmus und der wirkungsvollen Integration altschulmäßig klingender Elton John-Keyboards „Stuck On Nothing“ zu einem würdevollen Abschluss bringt, obwohl er einen Pop-Nachgeschmack hinterlässt. Vergiss bei Free Energy aber alles, was nach der Explosivität einer Band wie Airbourne riecht. Leider.

Die Frage ist, wohin es der Band gelingen wird, sich künftig zu entwickeln. Richtung härtere Klänge, oder werden sie sich noch mehr Puder mit Backpulver und anderen Süßungsmitteln auferlegen. Eines ist unbestreitbar. Trotz der sorgfältig kontrollierten Produktion, die „Suck On Nothing“ trägt, verbergen die Jungs nicht, dass sie qualitativ hochwertige Musiker sind, die die wahre rocktümliche Kraft des Geistes und Wesens von Free Energy erst auf Konzertbühnen entfachen. Die Ausrichtung für die Zukunft bleibt aber ein Rätsel. Das Beharren in den Gewässern des Debüts wird bei zukünftigen Veröffentlichungen schnell zur Selbstwiederholung und zum Verlust jeglicher Ausdruckskredibilität führen.

Besetzung

Paul Sprangers – Gesang
Geoff Bucknam – Gitarre
Evan Wells – Gitarre
Scott Wells – Bassgitarre
Nick Shuminsky – Schlagzeug

Produktion

James Murphy

Trackliste

1. Free Energy (4:42)
2. Dream City (3:21)
3. Bang Pop (3:41)
4. All I Know (4:23)
5. Bad Stuff (5:44)
6. Dark Trance (5:17)
7. Young Hearts (2:43)
8. Light Love (3:46)
9. Hope Child (4:24)
10.Wild Winds (6:26)

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