Striker

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Autor: Rok Klemše

Künstler: Striker
Label: SAOL
Erschienen: year_month
Laufzeit: 38:50
Wertung: 3.5/5

Die jungen Heavy-Metal-Jungs von Striker aus Edmonton waren vor knapp zwei Jahren bei uns so gut wie völlig unbekannt. Dann aber bekamen sie in letzter Minute als Ersatz die Chance, auf dem Metaldays 2015 zu spielen – und dank ihres energiegeladenen, druckvollen Auftritts und ihres teuflisch ansteckenden Heavy/Power Metals haben sie ihre Fanbasis mächtig, mächtig ausgebaut. Nicht nur bei uns, sehr wahrscheinlich auch unter vielen ausländischen Festivalbesuchern. Kurz nach dem Metaldays veröffentlichten die Kanadier das überaus erfolgreiche Album Stand In the Fire, und schon nach nur einem Jahr erschien sein Nachfolger, schlicht Striker genannt.

Im Vergleich zum Vorgänger ist er deutlich schlichter – mit noch prägnanter herausgearbeiteten Refrains und kürzeren Songs, die im Schnitt knapp vier Minuten gehen. Die Mischung aus Heavy Metal, Hard Rock, Glam und stellenweise sogar Thrash im Stil von Set the World on Fire von Strikers Landsleuten Annihilator bleibt aber druckvoll und überzeugend. Striker ist ein Album, das auf jegliche Kompliziertheit verzichtet – alle Songs folgen der Strophe-Refrain-Strophe-Formel und sind in dieser Hinsicht ein durch und durch klassisches Heavy-Metal-Album. Was aber nicht zwingend schlecht ist, denn Striker besticht durch jugendlichen Elan, der auf dem Album aus jeder Strophe und jedem Riff herausstrahlt.

Genau in diesen beiden Grundpfeilern des klassischen Heavy Metal brillieren Striker – vor allem dank des überragenden Duos Dan Cleary und Tim Brown. Ersterer besitzt im Genre momentan eine der ausgereiftesten Stimmen überhaupt, die durch eine unglaublich ansteckende Melodik und die Fähigkeit zu erstklassigen Harmonien besticht, welche in den hymnischen Refrains am deutlichsten durchbrechen. Letzterer sorgt für explosive Gitarren-Eskapaden, die von allen Seiten fliegen wie Pyrotechnik in Actionfilmen mit Dolph Lundgren. Cleary erinnert in den schnelleren Thrash-Parts an Joey Belladonna oder Aaron Randall, während er in den cleanen Heavy/Power-Passagen an große Vokalnamen wie Carl Albert denken lässt. So wie Cleary vokal vielseitig ist, so ist das Album genremäßig gemischt: Songs wie Former Glory und Born to Lose klingen wie Judas Priest auf Steroiden, während Shadows in the Light und Rock the Night sogar Erinnerungen an Skid Row und Whitesnake wecken.

Wer erwartet hat, dass Striker ein Stand in the Fire 2 oder City of Gold 2 aufnehmen würden, wird enttäuscht sein – und ich schließe mich dieser Enttäuschung stellenweise selbst an. Striker haben durch die Vereinfachung etwas vom Charme und der Rauheit ihrer Vergangenheit eingebüßt, denn auf dem neuen Album klingt alles ein bisschen zu poliert und radiokompatibel. Völlig überflüssig ist außerdem das abschließende Cover Desire, das im Original von Ozzy Osbourne, Zakk Wylde, Lemmy Kilmister und Randy Castillo geschrieben wurde. Trotzdem bietet das bislang kürzeste Striker-Album auch einige schöne Überraschungen – darunter das abschließende Brett Curse the Dead, das mit seinem Tempo und den Gang-Vocals am stärksten an Stand in the Fire erinnert. Striker bauen offensichtlich, aber ohne sklavisches Kopieren, auf den Fundamenten auf, die Judas Priest, Iron Maiden und Ozzy Osbourne gelegt haben – klingen dabei aber frisch, und trotz einiger Schwächen der neuen Platte bleiben sie eine der heißesten Bands der neuen Heavy-Metal-Welle.

Besetzung

Dan Cleary – Gesang
Tim Brown – Gitarre
William Wallace – Bass
Adam Brown – Schlagzeug

Produktion

Dan Cleary und Fredrik Nordstrom

Tracklist

1. Former Glory
2. Pass Me By
3. Born to Lose
4. Cheating Death
5. Shadows in the Light
6. Rock the Night
7. Over the Top
8. Freedom’s Call
9. Curse of the Dead
10. Desire

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