Stoner/Sludge-Sauna im Channel Zero (2014)
Autor: Primož Novak
Ort: Channel Zero / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 02.02.2014
Besucherzahl: 220
Kartenpreis: 20/24€
Sonntage haben sich oft als kritisch für Konzerte erwiesen, weil potenzielle Besucher am nächsten Tag einen Haufen Verpflichtungen haben. Ein zusätzliches Problem bereitete diesmal das Wetter. In bestimmten Teilen Sloweniens wütete Eisregen, der großen Schaden anrichtete. Also noch ein Grund mehr, das Konzert ausfallen zu lassen. Doch die Veranstalter Dirty Skunks hatten diesmal eher das Problem, ob überhaupt alle eine Karte bekommen würden. Slowenien hatte nämlich zum ersten Mal die Stoner-Metal-Sensation Red Fang zu Gast, die die Massen mit ihren komischen Musikvideos begeistert hat. Auf der Tournee begleiteten sie noch die Stoner-Band The Shrine sowie die Sludge-Metaller Lord Dying.
In der angenehm vollen Halle betraten Lord Dying als Erste die Bühne, die aus derselben Stadt wie Red Fang stammen – Oregon. Lord Dying, die ihr Werk unter dem Dach des Labels Relapse verfolgen, das in den letzten Jahren zur wahren Zuflucht für Stoner- und Sludge-Bands geworden ist, präsentierten Songs von ihrem letztjährigen Debüt Summon the Faithless. Das Quartett servierte dem Publikum einen kraftvollen und lauten Sludge Metal mit Einschlägen von Thrash Metal und Hardcore. Es ging hier nicht um lange, ausgedehnte Songs, wie sie im Sludge heute populär sind, sondern eher um knalligere und gelegentlich ziemlich schnelle Stücke, die auch an die Größen Crowbar erinnerten. Lord Dying waren zweifellos eine passende Vorband, leider aber waren sie deutlich zu laut.
Es folgte das kalifornische Trio The Shrine, das im Vergleich zu Lord Dying deutlich leichter wirkte. Auch der Sound selbst war wesentlich erträglicher als bei Lord Dying. Die Gruppe, die das Album Primitive Blast vorstellte, griff hauptsächlich auf Elemente des Stoner Rock zurück, doch auf der anderen Seite machten Elemente des Hard Rock und Punk sie umso angenehmer zum Hören. Auf jeden Fall erfrischend und nicht so düster wie bei den Vorgängern. The Shrine motivierten das Publikum außerdem hervorragend zum Tanzen, was aufgrund des extremen Gedränges in der Halle ziemlich schwierig war.
Red Fang hatten eine ganz konkrete Aufgabe vor sich. Die Begeisterung für Lord Dying und The Shrine war nämlich mehr als solide. Die Hauptband muss dem entsprechend mithalten, und ihnen stand eine Stunde Programm zur Verfügung – was für sich schon eine besondere Herausforderung bedeutete, bedenkt man, dass Stoner ziemlich monoton werden kann, wie sich auch beim letzten Album der Gruppe gezeigt hat, Whales and Leeches.
Red Fang zeigten mit den ersten Songs, dass sie jede Menge Kilometer auf dem Buckel haben. Die Gruppe fühlte sich auf der Bühne wie zu Hause, die Eingespielheit war spürbar, und der Auftritt selbst war energiegeladen. Das Publikum war so zahlreich, dass die Halle aus allen Nähten platzte. Red Fang servierten viele Hits, die unter anderem in Form komischer Musikvideos bekannt geworden waren, während die anderen Songs nicht so sehr zur Geltung kamen. Im Vordergrund standen die lebendigeren, mitreißenderen Stücke, während mit den langsameren nicht übertrieben wurde. Red Fang zeigten einerseits, dass sie Riffs im Stil von Led Zeppelin und Black Sabbath in den Vordergrund stellen, andererseits waren viele schlichte Punk-Einflüsse zu spüren. Man sah der Band an, dass sie Spaß hatte. Der linke Gitarrist, der mit seinem Look an einen abgemagerten Bedanec erinnert, wackelte die ganze Zeit mit dem Kopf, während der rechte Gitarrist neben dem Bassisten noch zusätzliche Vocals beisteuerte. In einer Stunde präsentierten Red Fang mehr als solide eine Auswahl ihrer Diskografie, den größten Jubel ernteten sie jedoch bei Hits wie Wires und Prehistoric Dog. Bei letzterem sprang der Bassist im Stil von Punk-Rock-Bands ins Publikum, wofür er später erklärte, dass er das eigentlich nicht macht, ihn aber die schiere Begeisterung über dieses Konzert dazu gebracht hatte.
Red Fang, The Shrine und Lord Dying haben mit einem ausverkauften Konzert im Channel Zero an einem regnerischen und vereisten Sonntag bewiesen, dass die Stoner- und Sludge-Metal-Szene in Slowenien gar nicht so übersehen wird, wie es so manche halb leeren Konzerte in dieser Szene zuvor vermuten ließen.
Setliste
RED FANG:
1. Hank is dead
2. Voices of the dead
3. Doen
4. Throw up
5. No hope
6. Dirt wizard
7. Sharks
8. 1516
9. Into the eye
10. Malverde
11. Crows in swine
12. Blood like cream
13. Wires
14. Prehistoric Dog
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