Steve Lukather bei unseren Nachbarn! (2009)

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Autor: Jernej Vene

Ort: Zagreb
Datum des Interviews: 16.04.2009

Die Legende der modernen Gitarre, Steve Lukather, ehemaliges Mitglied der erfolgreichen Band Toto, besuchte Zagreb. Wie er die Stellung der Musik in der Gesellschaft sieht, welche Einstellung er zur Arbeit hat und einige Anekdoten über die Instant-Musikproduktion verriet er den beiden gitarrenbegeisterten Rockline-Redakteuren!

Rockline: Du hast angeblich gerade ein paar freie Tage.

Lukather: Stimmt, zum ersten Mal seit zwei Monaten hab ich zwei freie Tage. Mein Sohn Trevor ist nach Zagreb eingeflogen, er wird mit mir auftreten.

Rockline: Wenn du auf deine erfüllten Kindheitsträume zurückblickst: Was braucht ein Musiker, um aufzufallen, angesichts der vielen guten Musiker in den USA?

Lukather: Schwere Frage. Ich bin in Los Angeles aufgewachsen, das geografisch ideal liegt für jeden, der was mit Musik machen will. Ich hatte den Vorteil, dass ich schon mit fünfzehn ein paar einflussreiche Leute kennengelernt hab, darunter die Familie Porcaro und David Paich (Keyboarder bei Toto). Wir fingen an, zusammen zu spielen. Eigentlich spiele ich schon seit ich sieben bin. Als wir uns kennengelernt haben, war das ein echter Wendepunkt für mich. Die Sache wurde ernst, wir haben viel Zeit ins Üben investiert. Auf der Highschool waren wir schon ziemlich gut, ich wurde richtig fokussiert aufs Spielen. Über Jeff Porcaro (Schlagzeuger von Toto) und David Paich bekam ich ein paar tolle Gelegenheiten, lernte viele Studio-Musiker kennen, die mich für bestimmte Sessions empfohlen haben. Ich hab viel geübt, ein bisschen natürliches Talent hab ich auch, und die Leute hatten gern was mit mir zu tun – ich glaube, die gesamte Persönlichkeit hat schon ziemlich viel mit meiner musikalischen Laufbahn zu tun. Dann kam die Lawine ins Rollen. Mit neunzehn kriegte ich einen Job bei Sänger Boz Scaggs, genau als wir Toto gründeten, das eigentlich eine Weiterentwicklung unserer Highschool-Band war. Dann kamen die ersten Anrufe für Gastbeiträge auf Platten anderer Musiker. Ich hab auf ein paar sehr erfolgreichen Alben gespielt. Ich hatte riesiges Glück; es gibt viele Musiker, die woanders geboren wurden und nie die Chance zum Durchbruch hatten, und die sind vielleicht besser als ich. Heute gibt es so unglaublich viele gute Musiker, ich kann kaum Schritt halten. Ende  der Siebziger gab’s nicht so viele gute Musiker, zumindest keine ernsthaften. Alle wollten in einer Rockband sein, aber die wenigsten haben sich der Musik wirklich hingegeben. Das ist der Unterschied zwischen einem Rockstar und einem Musiker. Ich glaube, ich gehöre zur Kategorie Musiker.

Rockline: Wie waren die Reaktionen auf das aktuelle Album Ever Changing Times?

Lukather: Heutzutage muss man realistisch sein, weil die Musikindustrie auseinanderfällt. Labels sterben. Große Labels haben früher zweitausend Leute beschäftigt, heute sind es zwanzig. Das passiert überall auf der Welt. Die Plattenverkäufe gehen zurück – auf jeden verkauften Tonträger kommen hundert, die Leute aus dem Internet runterladen. Das Musikgeschäft findet auf Konzerten statt. Seit ich wieder live spiele, läuft es gut für mich. Ich befinde mich in einer Übergangsphase nach dem Abgang aus Toto. Nach all den Jahren ist das nicht mehr die Band, die sie mal war. Solo-Alben mach ich schon seit zwanzig Jahren, das waren immer Nebenprojekte. Ever Changing Times ist aber eine Erfolgsgeschichte, in die ich letztes Jahr eingestiegen bin. Wir hatten eine erfolgreiche, ausverkaufte Tour. Letztes Jahr haben wir auf großen Sommerfestivals gespielt, unter anderem mit ZZ Top, wir waren in den Niederlanden. Unser Schnitt liegt bei 1000 bis 1200 Besuchern pro Abend – dabei bleibe ich realistisch, wir spielen ja keine Hits wie Rosanna, Africa und Hold The Line. Davon distanziere ich mich bewusst; wenn ich das wollte, wäre ich in der Band geblieben, verstehst du?

Rockline: Da du gerade den Song Rosanna erwähnst (den größten Hit von Toto), kannst du uns das Geheimnis erklären: Ist das wirklich ein Song über die Schauspielerin Rosanna Arquette?

Lukather: Damals (1981) haben wir uns öfter gesehen, David Paich hat den Song geschrieben, und Steve Porcaro (Keyboarder von Toto) ist mit ihr gegangen. Vielleicht hat er nur den Namen benutzt, ich bin nicht sicher, ob der Song wirklich für sie bestimmt war. Soweit ich weiß, hasst Rosanna Arquette den Song. Ein bisschen seltsam, dabei hat der Song zu ihrem Ruhm beigetragen. Dadurch ist sie bekannter geworden als durch alles andere, was sie in ihrem Leben gemacht hat. Die Leute sagen, sowohl Rosanna als auch Your Eyes von Peter Gabriel handeln von ihr…. Wie auch immer, ich hab seit Jahrzehnten nicht mehr mit ihr gesprochen, aber ich hab mal ein paar ziemlich hässliche Aussagen gelesen, die sie über Toto gemacht hat, und die haben uns ganz schön getroffen. Wir dachten nur: „Wir wollen ihr doch nichts Schlechtes, und dann sowas….“

Rockline: Welche Qualitäten muss ein guter Rocksong deiner Meinung nach haben?

Lukather: Puh, ich weiß nicht,… Mein Sohn Trevor ist ein guter Songwriter, ich helfe ihm bei seinem Erstlingswerk. Unser Nachbar Steve Perry  (ehemaliger Sänger von Journey) schreibt mit ihm Songs und produziert seine Vocals. Schön, dass er sich um die Jungen kümmert, dafür bin ich ihm dankbar. Trevor ist nicht leicht zufriedenzustellen, er sucht seinen Platz in der Musik, geht ein bisschen in meine Fußstapfen und nimmt als Studio-Musiker auf. Er ist gut, ich bin stolz auf ihn. Der Songaufbau ist eine Sache, die Melodie eine andere. Wenn du dir Thrash anschaust, zum Beispiel Slipknot, die ich mag…. da ist das anders. Bei denen geht’s um ein ganzes Genre, um einen ganzen Lebensstil. Ich mag vielfältige Musik, ich höre Pop, Heavy, Country, viel Bebop, Jazz, alten R ’n‘ B. Ich mag alle Stile, ich hab offene Ohren. Wenn ich eine schöne Melodie höre, werd ich sofort aufmerksam. Genauso mit einem guten Text. Mit der Zeit ändert sich die Wahrnehmung. Als Jugendlicher schreibst du über Autos, Mädels und Partys. Wenn du älter bist…. mein aktuelles Album Ever Changing Times handelt von Veränderungen. Ich bin fünfzig geworden, ich hab eine kleine Tochter, ich hab die alte Band verlassen, ein paar Freunde sind gestorben. Ich schaue zurück und nach vorn. Die Welt ist gerade richtig am A….. Ich hoffe, dass sich das bald zum Besseren wendet.

Rockline: Auf welchen Song bist du am stolzesten, welcher hat die Magie, wenn sich eine gute Melodie und ein toller Text vereinen?

Lukather: Oh, da reden wir von ein paar hundert Songs… Das ist wirklich schwer. Normalerweise bin ich auf das fokussiert, was ich gerade mache. Toto hab ich hinter mir gelassen, aber mit wirklich guten Gefühlen. Mit den Jungs sind wir Freunde, mit David Paich schreibe ich gerade einen Song für das neue Album von George Benson. Es geht überhaupt nicht darum, dass wir uns nicht mögen, wir sind nur nicht mehr als Toto zusammen. Das echte Toto gibt’s nicht mehr: Mike Porcaro (Bass) kann nicht mehr spielen, weil er Probleme mit  den Muskeln hat, Steve Porcaro ist schon seit Jahren kein Mitglied mehr, David Paich ist nicht dabei… Vom ersten bis zum letzten Konzert war nur ich dabei. Ich fand es nicht richtig, unter diesem Namen weiterzumachen und Geld auf Kosten des alten Ruhms zu verdienen. Musik ist nicht nur ein Weg, Geld zu verdienen, sie ist eine Kunstform, was manche vergessen. Sie ist ein Geschäft, das müssen wir uns bewusst sein, ich lebe davon, aber die Maschinerie wurde zu groß. Bei Toto standen fünfundvierzig Leute auf der Gehaltsliste: Beleuchter, Tontechniker und so weiter. Wir hätten Millionen von Dollar verdienen können, aber am Ende des Abends, wenn du alle Rechnungen bezahlt hast, fragst du dich: „Was bleibt mir übrig?“ Ich verdiene etwa genauso viel als Solist, unterstützt von befreundeten Musikern, ohne den ganzen Anhang. Wir spielen in kleineren Locations, auch die Kosten sind geringer. Ich bin nicht Madonna, ich brauche keine Pyrotechnik und Tänzer, weil die Leute ins Konzert kommen, um zuzuhören, wie ich spiele. Ich bin ein ehrlicher Musiker, ich täusche niemanden, wir haben kein Pro Tools, keine Samples, keine voraufgenommenen Stimmen, alles ist echt. Wie in den Sechzigern oder Siebzigern. Darauf bin ich stolz. Es gibt viele Musiker, bei denen man das nie erwarten würde, dass sie backstage alle möglichen Hilfsmittel bereit haben. Man wäre geschockt, wenn man das sehen würde….. Hauptstimmen, Hintergrundstimmen, zusätzliche Instrumentalparts. Beim Konzert bist du begeistert: „Schau an, das klingt genauso wie auf der Platte.“ Klar, es ist möglich, dass es so ist, aber es muss nicht sein. Die Leute hören die Details. Meine Mutter zum Beispiel… Sie kennt sich nicht mit Musik aus, aber wenn sie was hört, sagt sie: „Ham die da auch den Computer benutzt…. klingt so….?“ Man kann sie nicht übertölpeln. Wenn du auf ein Britney Spears-Konzert gehst, weißt du, dass du keine beeindruckenden Stimmen hören wirst, aber du erlebst einen Zirkus. Alle wissen, dass sie nicht singen kann. Das Unglück ist, dass solche Leute Stadien ausverkaufen, während echte Musiker in kleinen Clubs spielen müssen. Teenagermusik ist halt so, nichts Schlechtes darüber, aber ihre Karrieren werden nicht ewig dauern.

Rockline: Glaubst du, dass die Menschen mit weniger qualitätsvoller Musik zufrieden sind?

Lukather: Ja, vor allem jungen Leuten ist das egal. Die sind multitaskingfähig: SMS schreiben, TV gucken, am Computer tippen, die Musik läuft nebenbei. Sie hören keine ganzen Alben, auf ihren iPods haben sie die Songs in zufälliger Reihenfolge. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist kurz. Als ich jung war, war der Kauf eines neuen Albums ein Ereignis. Mit Freunden saßen wir im Zimmer und haben die Platte gehört, die Liner Notes und Texte gelesen. Beim Hören waren wir still und haben die Musik aufgesogen. Danach haben wir diskutiert, nochmal gehört und uns eine Meinung gebildet. Heute nehmen sie alles im Handumdrehen auf, alles ist McDonalds-Variante, sofort…. niemand will mehr wirklich arbeiten. Und jeder will in einer Sekunde Rockstar sein. Es gibt ein Meer von Zitaten, eines liegt mir besonders am Herzen: „10.000 Stunden Übung braucht man, um ein richtiger Musiker zu werden.“ Viele investieren 100 Minuten, lernen ein paar Akkorde, stylen sich die Frisur und gehen auf die Bühne. Dort spielen sie drei, vier Akkorde, und wenn sie Glück haben, schreiben sie einen Song mit einer eingängigen Melodie und sind für zwei oder drei Jahre Stars. Dann ist das vorbei. Wenn sie nicht gut genug sind, um echte Musiker zu sein, suchen sie sich einen anderen Job. Es ist möglich, dass sie dabei gar nichts verdienen wegen bescheuerter Label-Verträge. Die Labels besitzen ihr Leben, die Urheberrechte, den Merchandise-Verkauf bei Konzerten, ihnen bleibt nur Kleingeld. Mein Sohn hat Freunde, die in so einem Zimmer wie diesem wohnen (4 x 4 Meter) und ein dreifach platiniertes Album eingerahmt an der Wand haben. Sie haben kein Geld, haben nichts verdient, waren aber für ein paar Jahre Rockstars. Das ist wirklich traurig, aber dahin ist die Musikindustrie gekommen. Jetzt brauchen wir Labels kaum noch, wenn du genug Fans hast, kannst du alles selbst machen. Du kannst ein Zehntel von dem verkaufen, was du früher verkauft hast, und zehnmal mehr verdienen als damals. Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels. Die Last der Mittelmäßigkeit ist schwer und die Leute wollen etwas anderes hören. Metal-Musiker sind ihrer Arbeitsweise tief verpflichtet, sie investieren viel ins Spielen, widmen dem Üben viel Zeit. Die durchschnittlichen Alternativ-Typen hingegen sind mehr oder weniger mies. Natürlich gibt es Ausnahmen.

Rockline: Hat sich die Musikindustrie wirklich auch darin verändert, dass die Jüngeren nicht mehr so viel üben?

Lukather: Nicht wirklich. Wie ich schon sagte, mein Sohn hängt mit jungen Musikern rum, die engagiert sind, üben und sich was dabei denken. Das reicht ihnen. Trevor hat mit siebzehn mit Lindsay Lohan gespielt. Sie hat playback gesungen, die Band spielte live. Sie war arrogant, ist ein Tabloid-Produkt und nicht übermäßig talentiert. Einmal hat sie während einer AOL-Übertragung das Mikrofon nach ihm geworfen, weil er nicht exakt so spielte wie auf der Platte aufgenommen. Na ja, damals war er noch ein Kind, das 2500 Dollar pro Woche verdient hat, mehr als sein Lehrer. Deswegen hat er auch die Schule abgebrochen. Ich wusste eh, dass er kein Arzt wird, ha, ha..

Rockline: Kann die Gitarre eine Revolution in der Unterhaltungsmusik auslösen?

Lukather: Das passiert gerade jetzt. Das einzige Problem, das ich sehe, als älterer, erfahrener Musiker, ist, dass Musiker alle Tricks lernen, bevor sie die Grundlagen beherrschen. Auf der letzten Frankfurter Messe wollte ich mich nach einer Stunde umbringen. Alle haben blitzschnelle Läufe gespielt, was vier Minuten lang interessant ist, danach hab ich ihnen gesagt: „Könnt ihr jetzt mal Musik spielen? Könnt ihr begleiten, Rhythmus spielen, synchron zum Schlagzeuger spielen, eine musikalische Idee weiterentwickeln?“ Am Anfang sind sie wirklich interessant, aber…. in jeder Stadt gibt’s tausend Jungs, die genauso gut spielen wie die, die ich dort gehört habe. Aber was machen sie mit der Technik allein? Man muss einen Song schreiben, ihn ausarbeiten und den Leuten vermitteln. Technisch sind sie wirklich unglaublich überzeugend, aber es fehlt was. Als hätte man einen Kuchen ohne Zuckerguss. Die ersten paar Bissen sind prima, danach …igitt… genug.

Rockline: Was jetzt, wird’s ein bisschen Pause geben?

Lukather: Wir promoten das aktuelle Album schon das zweite Jahr auf Tour. Ich fahr nach Hause, finish den Mix für Bensons Platte, ich bin zu ein paar neuen Sessions eingeladen. Freunde haben mich überredet, am Rock ’n‘ Roll Fantasy Camp zu unterrichten. Das hab ich jahrelang vermieden, aber sie sagten, das nimmt dir nur ein paar Stunden, gib den Jungen etwas von deinem Wissen weiter. Ich werde etwas runterschalten, ich hab eine kleine Tochter, die mich kaum kennt. Ich glaube, ich bin ihr sprechender Bildschirmschoner. Wenn sie mich auf dem Computer sieht, fängt sie an: „Da, da…“ Kürzlich war Bruce Springsteen auf der Titelseite des New York Post im Zusammenhang mit einem Artikel, in dem über seine Untreue gegenüber seiner Frau berichtet wurde. Wir sehen uns ein bisschen ähnlich, wir haben beide schwarze Haare und einen Bart. Das Kleine hat die Zeitung hochgehalten und angefangen: „Da, da…“, ich hab losgelacht und der Familie erklärt, dass ich meine Frau nicht betrüge… Wirklich, ich werd mich ein bisschen mehr ihr widmen, damit sie was von mir hat. Ich werd die Musik ein bisschen auf die Nebenbahn schieben. Im Sommer komm ich für ein paar Auftritte auf europäische Festivals zurück. Dann kommt langsam das Schreiben neuer Songs dran, und wenn das neue Album aufgenommen ist, wieder auf die Straße…

Rockline: Hast du so etwas im Sinn wie Steve Vai, als er seine Songs mit einem Orchester gespielt hat?

Lukather: Steve ist ein guter Freund von mir. Man hat mich schon gefragt, ob wir mit der Band was mit Orchester aufnehmen würden, aber das Projekt ist noch nicht realisiert. Ich bin offen für so eine Zusammenarbeit. Meine Musik ist nicht so abgefahren wie die von Vai. Seine Musik mag ich, er ist ein Genie. Er ist ein großer Musikwissenschaftler, was ich bewundere. Gleichzeitig ist er auch einer der freundlichsten Menschen. Meine Musik würde in so einem Projekt eher auf einer passenden orchestralen Begleitung basieren. Auf keinen Fall wäre sie so Zappa-mäßig ausgerichtet. Jeder spielt auf seine Weise. Ich mag ihn.

Rockline: Wie übst du und wie viel Zeit widmest du diesen Aktivitäten noch?

Lukather: Auf Tour spiele ich die ganze Zeit, vor dem Auftritt wärme ich mich eine halbe Stunde auf. Ich übe Akkordfolgen, verschiedene Tonleitern, und zu Hause studiere ich Neuigkeiten aus Büchern (Slonimsky: Thesaurus of scales and modes und Ted Greene: Chord chemistry). Normalerweise dauern unsere Auftritte zweieinhalb Stunden, also spiele ich viel. Manchmal greife ich nach langen Touren zwei Wochen lang gar nicht zur Gitarre, um Körper und Seele zu reinigen. Zu Hause trink ich keinen Alkohol, nur Wasser. Und ich schlafe gut. Auf Tour ist das Leben verrückt: Jeder Abend ist Samstagabend. Ich versuche, in Form zu bleiben, für einundfünfzig seh ich gar nicht so schlecht aus… ich müsste eigentlich schon im Rollstuhl sitzen, ha, ha. Jemand, der das nicht gewöhnt ist, würde das nicht schaffen. Wenn ihr immer bei mir wärt und genau dieselben Bewegungen und Gesten machen und all die Strecken zurücklegen würdet, würdet ihr sagen: „Das halt ich nicht aus…..“. Und das mach ich seit fünfunddreißig Jahren.

Rockline: Wie kam es zum Konzert in Zagreb, nachdem du ein paar Tage Pause nach den Clinics auf der Frankfurter Messe hattest?

Lukather: Schuld daran ist mein großer Freund Drago, der seinen Fünfzigsten feiert. Er hat das ganze Team zu einer privaten Party eingeladen. Er sagte, es wäre schön, noch ein Konzert nach außen zu haben. Ich war noch nie hier, die Leute haben mich noch nicht spielen sehen. Wir haben schon früher darüber gesprochen, aber es hat sich nie ergeben. Hier ist es schön, ich hab auch meinen Freund Bob Bradshaw mitgebracht (Hersteller von Lukathers Effekten, Anm. d. Red.). Trevors Freunde sind mit dem Zug aus Amsterdam gekommen. Drago ist ein freundlicher Gastgeber, er führt uns durch die Stadt, zeigt uns die Sehenswürdigkeiten… Wir essen und trinken gut, die Leute sind sehr freundlich. Mein Sohn kommt gut mit den Mädels klar, sie sind wirklich sehr hübsch. Wenn ich nicht verheiratet wäre, hätte ich ein Problem…

Rockline: Begeistert dich irgendein wirklich guter zeitgenössischer Gitarrist?

Lukather: Uff, das wird schwer. Ich sag’s euch ehrlich…. Da ist Milan Polak, der in Deutschland arbeitet, er ist mein Freund und ich kenne ihn seit Jahren. Er ist eher ein Shredder (Saitenzerfetzer), hat aber Seele. Robbie Mussenbichler wird mit uns in Österreich jammen, ich kenn ihn schon 25 Jahre, also ist er kein Neuling gerade. Alexi Laiho von Children Of Bodom ist gut, beherrscht die Technik ausgezeichnet. Ein junger zorniger Mann, der aus seiner Musik was gemacht hat. Ich kenne die maskierten Jungs von Slipknot, die sind aber auch nicht mehr die Jüngsten. Die Jungs von Radiohead haben einige wirklich schöne musikalische Texturen geschaffen. Ein Neuling hingegen… ein bisschen schwer, den Überblick zu behalten. Eric Johnson ist älter als ich und ein Genie, einer der melodischsten Gitarristen mit einer unverwechselbaren Technik. Die meisten Gitarristen kenne ich aber, sie sind meine Freunde und wir haben zusammen einiges erlebt. Das sind meine Zeitgenossen: Michael Landau, Nuno Bettencourt, natürlich Joe Satriani, dem ich den Preis für sein Lebenswerk auf der Frankfurter Musikmesse überreicht habe. Wir haben vierzehn Auftritte in vier Tagen gespielt.

Rockline: Hast du von Chickenfoot gehört (Mitglieder sind Sammy Hagar, Joe Satriani, Chad Smith und Michael Anthony)?

Lukather: Mein Gitarren-Techniker war früher beim Bassisten Michael Anthony angestellt. Ich kenne alle Jungs gut, mit den Van Halen-Brüdern sind wir seit dreißig Jahren befreundet. Ich kann es kaum erwarten zu hören, was sie aufgenommen haben. Sie stehen sicher unter großem Druck, ich hoffe, dass es ihnen gelingt, weil sie wirklich nette Leute sind. Das Konzept einer Supergroup ist schon erschreckend, die Leute erwarten von dir die neuen Led Zeppelin. Es sind aber nur vier Jungs, die ihre Musik spielen wollen. Man sagt, die Musik ist in Ordnung, aber ich hab’s noch nicht geschafft…

Rockline: Ein paar Songs sind auf ihrer Website…

Lukather: Und wie klingen die?

Rockline: Starkes Schlagzeug, dann Satchs Gitarre und Sammy, der singt wie er kann, also ausgezeichnet…

Lukather: Ok, ich bin sicher, dass das super wird.

Rockline: Danke und viel Erfolg für die Zukunft!

Lukather: Danke euch auch!

 

Übersetzt von: Jernej Vene

 

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