Starchild
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Starchild
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 60:30
Bewertung: 4.5/5
Starchild ist eine neue Heavy-Metal-Band aus Deutschland, die aus einem Kern außerordentlich erfahrener musikalischer Talente besteht, angeführt vom großartigen Sandro Giampietro, einem exzellenten Gitarristen, Sänger und »Songschreiber«. Vielleicht ein weniger bekannter Name für diejenigen, die die deutsche Heavy-Metal- und Power-Metal-Szene verfolgen, aber keineswegs unbedeutend. Sandro ist Mitautor des Materials der Soloalben des ehemaligen Helloween-Sängers Michael Kiske, für den er auch die Gitarren einspielte, außerdem war er am kreativen Prozess beider Unisonic-Alben beteiligt und wirkte am Projekt Place Vendome mit. Sandro hat für die Formation von Starchild das bewährte Rhythmusgespann zweier exzellenter deutscher Musiker gewählt. Den Bass bedient der echte Szene-Veteran Jens Becker (Grave Digger, ex-Running Wild), mit dem Sandro im Projekt Zillion zusammenarbeitete, und am Schlagzeug stieß Michael Ehre zu Starchild, der ansonsten der neue Drummer der Hamburger Power-Metal-Veteranen Gamma Ray ist. Als Tüpfelchen aufs »i« holten die Jungs noch eine russische Musikerin ins Boot, die auf den Künstlernamen Esmeralda hört und die elektrische Violine beisteuerte.
Und das Ergebnis? Die 13 Songs des gleichnamigen Debüts der Band beweisen, dass sie über einen längeren Zeitraum entstanden sind. Die Tracks sind brillant ausgefeilt und mit raffiniertem Detailreichtum. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die Höhepunkte sind in packende Refrainmelodien gekleidet, die atmosphärische Entwicklung steigert sich stufenweise durch Strophe und Refrain und wirkt ausgesprochen wirkungsvoll. Die Songs sind gewürzt mit der hochgradigen Kompatibilität saftiger Gitarrensoli und Überleitungspassagen, in denen die Band im allgemein kompakten Gerüst der Songs mehrfach effektiv die Stimmungslagen dreht. Sandros Gesang ist eine Art Operetten-Ableitung von Bruce Dickinson. Genau dieses Element funkelt auf dem Album mehrfach mit einer solchen Intensität (besonders in den Refrainmelodien), dass die Momente des Albums »Starchild« sich sogar der Solokarriere von Bruce Dickinson zur Zeit des Albums »Accident of Birth« (1997) annähern. Willst du ein Beispiel? Hör dir die überragenden Refrains der Songs Thief of a Crown, Eyes of a History oder Morningstar an. Neben den Einflüssen von Iron Maiden und Bruce Dickinson (Solo) weist das Album auch Einflüsse von Judas Priest auf, denen die deutsche Metal-Schule stets großzügig zugetan war (Reaching the Land). In solchen Momenten beginnen Starchild, in Richtung deutscher Bands à la Unisonic, Gamma Ray und sogar Iron Savior zu tendieren. Nach alter deutscher Metal-Schule riecht es besonders intensiv im Song Visions, der im Refrain-Abschluss an den Refrain-Abschluss des Gamma-Ray-Songs Dethrone Tyranny erinnert. In das Paket typischer Songs der deutschen Metal-Schule gehört definitiv auch der abschließende Marsch, der auf dem ultra-torpedierenden Doppelbass-Pedal von Underwaterworld basiert.
Starchild haben unterm Strich eine düstere Produktion. Sie sind dunkel, was zusammen mit der gezackten Energie des gesamten eingesetzten Instrumentariums ein exzellentes, klassisch geschnittenes Heavy-Metal-Album ergibt, das von den Pionierwerken von Judas Priest und Iron Maiden inspiriert ist. Sandros kommandierender Gesang wirkt theatralisch und ist durchgehend auf dominanter Lauer. »Starchild« ist ein Album, das nicht einen Moment lang der Gefahr verfällt, in melodische Kindergarten-Gefälligkeit à la Edguy abzurutschen, sondern sich lieber an die Entwicklung von Songs in Moll hält, was gelegentlich in einer besonders theatralisch düsteren Atmosphäre resultiert (Atalya).
»Starchild« tragen ein giftig ausgearbeitetes Gespür für exzellente Strukturierung der Middle-Eight-Passagen. In den Mittelteilen zeigt die Band ihre kleinen Meisterwerke großer Talente, da die Bausteine der Musik ein außerordentliches gegenseitiges Gespür entwickeln, wobei die Band durchgehend der Prägnanz und Kompaktheit des Arrangementgefüges der Songs treu bleibt. Das Gefühl für Musikalität ist auf diesem Album optimal vermittelt!
Auch wenn Starchild keine musikalische Revolution bringen, stellen sie der Szene eine Band vor, die man keinesfalls in die Schublade des Revivalismus stecken kann, sondern die direkt neben die bekanntesten Vertreter der deutschen Heavy-Metal-Schule der Achtziger gehört. Also. Wenn du Fan von Gamma Ray bist, vor allem der Kiske-Ära Helloween, Unisonic und Iron Savior, und dabei noch besonders die Fantasiewelt liebst, von der sich das einzige Mitglied aller vier genannten Bands, Kai Hansen, inspirieren lässt, dann wirst du in Starchild eine neue Band finden, die du unbedingt auf deine Liste der Heavy-Metal-Favoriten setzen musst. Das Debüt hat also 13 Songs und einen Einstieg geliefert. Kein einziger von ihnen verschwendet Spielzeit. Alle tragen eine außerordentlich ausgearbeitete Form, die packende Charisma der Leitmotive, die trotz der engen Genredefinition, der Starchild angehören, ein außerordentlich abwechslungsreiches Album aneinanderreihen, das von exzellenten Kombinationen eingängiger hochoktaniger Gitarrenriffs, pompöser Hymnik und hoch vibrantiger Stimmungen förmlich platzt. Das Album ist in einen vollblütigen melodischen Extrakt gekleidet, unter dem brillanten »dirigentischen« Taktstock von Sandro Giampietro, der bei seiner Entstehung tatsächlich an alles gedacht hat.
Besetzung
Sandro Giampietro – Gesang, Gitarre
Jens Becker – Bassgitarre
Michael Ehré – Schlagzeug
Esmeralda – elektrische Violine
GASTMUSIKER:
Michael Kiske – Gesangsduette
iHelge Schneider – Orgel
Produktion
Sandro Giampietro
Trackliste
01. Starchild Theme
02. Starchild
03. It’s My Race
04. Still My Planet
05. Eyes of History
06. Thief of the Crown
07. Reaching the Land
08. Black and White Forever
09. Morningstar
10. Forever
11. Visions
12. Runner
13. Atalya
14. Underwaterworld