Speak the Same Language?

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Real Things, The
Label: Subkulturni azil
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 37;46
Wertung: 4.5/5

The Real Things sind genau das, was der Name sagt! Nicht mehr, nicht weniger. Eine Faust echter Rock-’n‘-Roll-Dynamit, direkt ins dämliche Gesicht. Die Band entstand bereits vor acht Jahren, wurde aber von einer Phase der Instabilität erfasst — obwohl sie mit ihren Bühnenauftritten effektiv auf ihr musikalisches Potenzial aufmerksam machte. Durch die Besetzung rotierte eine Schar exzellenter Musiker: Gitarrist Matej Makovec (Elektrika), Bassist Andrej Hočevar (Non Stop Band) und Schlagzeuger Matic &Štumberger. Die Band machte sich in den Jahren vor der Albumveröffentlichung mit zahlreichen Clubauftritten bemerkbar, ebenso wie mit der Teilnahme am Klubskem maratonu Radia &Šudent. Darüber hinaus haben die Jungs bereits eine Balkantournee in der Tasche — ihre Eigenkompositionen finden zudem Platz auf Kompilationsalben wie Rokerji pojejo pesnike und Sky Sunlight Saxon.

Ob das nun Schicksal war oder nicht, ob gut oder schlecht — das kann am besten die Band selbst beurteilen. Fakt ist: Das Quartett hat nach schlangenartig langen acht Jahren ein erstklassiges Studiodebüt abgeliefert. Lange Zeit bis zum Album, aber desto länger die Reifephase. In dieser Hinsicht ist das zweifellos nur gut. The Real Things beweisen mit der Aussagekraft ihres Studiodebüts, dass es sich um ein Quartett handelt, dessen Mitglieder voller Erfahrung stecken. Und sofort machen sie auch klar, dass ihre musikalische Vision absolut eindeutig ist!  

Bei The Real Things gibt’s keine große Philosophie. Was du siehst, das kriegst du. Rock ’n‘ Roll mit fettigem, vollblütig greifbarem Sound — dosiert mit einer handfesten Portion Garage-Zähigkeit, einer leichten Dosis dissonanter Haltung — besonders in den mitreißenden und ausgesprochen einnehmenden Vocals von Janez Juh (das Englische fließt ihm fantastisch!) und dem »eingestürzten-Keller«-Gitarrenbrummen, das trotzdem packend verpackt ist. The Real Things erfinden keine musikalische Revolution. Aber die Geschichten, die sie angehen, vertreten sie mit Herzblut und Hingabe! Und das zählt! Im Grunde nur das. Und doch wird Aufrichtigkeit heute immer schwerer auszudrücken. Witze prasseln nur so nieder — kein Wunder, dass wir leben wie die letzten tollwütigen Hunde der »westlichen Zivilisation«, die sich gegenseitig mit verfaulenden, vermodernden Zähnen beißen. Aber The Real Things übertrumpfen das mit größter Leichtigkeit! Banal, aber vollblütig! So wie es das Paradigma des Rock ’n‘ Roll verlangt

Wir Slowenen waren schon immer gut im dilettantischen Kreuzen von Rock ’n‘ Roll und Punk. Wenn man das feste Band der Aussagekraft dieses Albums ein wenig lockert, lässt sich eine halbwegs glaubwürdige Vergleichsbasis in den Werken von Bands wie dem wieder aktiven Hic Et Nunc finden — natürlich mit auf ein Minimum reduzierter Punk-Dosis. Näher liegt die Energie von Dicky B. Hardy; der gelegentliche »Treffer-Psychedelismus« weckt bedingt entfernte Parallelen zu The Frictions und Chris Eckman. Schließlich sind The Real Things auf die eine oder andere Weise mit Hic Et Nunc verbunden,  über Schlagzeuger Luka Krže.

The Real Things aber stehen bei alledem für sich allein. In allem glaubwürdig! Mit einem zähen Rock-’n‘-Roll-Griff, der effektiv die erogenen Zonen reizt, zur totalen Ausschweifung aufruft, den Mittelfinger reckt — und der sich am Ende doch noch seiner Sünden zu schämen weiß.  In der bewiesenen Aufrichtigkeit, die »Speak the Same Language?« erreicht, ist ihnen kaum beizukommen. Im slowenischen Vergnügungspark der Rockmusik erst recht nicht!

Der Opener Raindrops vereint auf eindrucksvolle Weise das Grundparadigma des Rock ’n‘ Roll, dem sinnvoll eine Prise Blues-Rhetorik beigemischt wurde — die Gitarrenphrasen kommen direkt und ungeschliffen, sie beißen struppig unter der Stirn hervor, nackt und unvermittelt. Die Vibration von Iggys The Stooges, ja sogar die des Gitarren-Gurus Keith Richards, ist im Gitarrenklang gar nicht mehr so weit entfernt. Rock ’n‘ Roll wird dosiert mit einer mehr oder weniger spürbaren Portion Punk-Dilettantismus (Dog in the Cathouse), und die Band spart auch nicht am Country-Schalk, den sie meisterhaft in das Rock-’n‘-Roll-Gerüst der Songs einzubauen weiß (Mind in the Gutter). Solange die Band so wuchtige Riffs rausfeuert wie den im bluesstärkeren Bad to the Bone hervorgehobenen, muss man sich um den hohen künstlerischen Anspruch der Gruppe keine Sorgen machen!

Wenn die Steirer ihre harten Rock-Urgesteine Muškat Hamburg haben und die Unterkrainer ihre Staro šulo, dann haben die Ljubljanaer nun The Real Things bekommen. Das Album »Speak The Same Language« ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in all seiner Elementarität auf dem bescheidenen slowenischen Terrain noch immer erstaunlich bunt und feurig sein kann — in seinem wahrheitstreuen Glaubensbekenntnis. Das erfordert natürlich eine grundlegende Voraussetzung: Aufrichtigkeit im Herzen. »Speak the same Language?«« ist eine herausragende Leistung für den slowenischen Rock, der sich mit seiner kühnen Energie und der vollblütig greifbaren Substanz seines Spiels (die Lyrik eingeschlossen) jederzeit neben jede Band ähnlichen musikalischen Handwerks aus den Ländern stellen kann, die den Rock erschaffen haben.

Besetzung

Janez Juh – Gitarre, Gesang
Peter Voljč – Gitarre, Hintergrundgesang
Gregor Dovjak – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Luka Krže – Schlagzeug, Hintergrundgesang

Produktion

The Real Things

Trackliste

1. Raindrops
2. Dog in the Cathouse
3. Eye on the Sun
4. Same Language
5. Low Down Blues
6. Mind in the Gutter
7. Sunny Day
8. Honest Man
9. Bad to the Bone
10. Follow Me
11. Čas ko posedaš

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