Sour Grapes

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: House Of Shakira
Label: Melodic Rock Records
Erschienen: 2016
Laufzeit: 45:39
Wertung: 4.5/5

Am 26.08.2016 erschien still und ohne großes Aufheben das insgesamt achte Studioalbum der schwedischen Rocker House of Shakira. „Sour Grapes“ ist damit wieder ein Vertreter der fest verwurzelten und klar abgesteckten musikalischen Vision, der die langlebigen schwedischen Meister des melodischen Rockhandwerks treu folgen – und zwar bereits seit dem Debütalbum »Lint« (1997).

Dies ist insgesamt das dritte Studioalbum von House Of Shakira mit Sänger Andreas Novak, der 2012 zur Band stieß, nachdem er aus der aufgelösten Progressive-Metal-Formation Mind’s Eye gekommen war. Was also »Sour Grapes« mitbringt, ist eigentlich die Fortsetzung der musikalischen Geschichte des drei Jahre älteren Vorgängers »Pay To Play« (2013). Daran besteht kein Zweifel. Interessant ist, dass die Band dabei keine Scheu hat, die Einflüsse von Queen zur Schau zu stellen – der Opener No Way Out lehnt sich sofort an die kompositorischen Rock-Pioniergriffe von Queen an,  was übrigens auch ein Merkmal des Abschlusses des Vorgängeralbums mit dem Song Same Old Story ist. Gewissermaßen sind also Beginn des neuen Albums und Ende des Vorgängers in ihrer Inspiration ausdrucksstärker miteinander verbunden, als man normalerweise erwarten würde.  Erfreulich ist, dass zwischen den beiden Alben drei Jahre vergangen sind und die Ideen, die sich auf dem Album »Sour Grapes« manifestiert haben, wieder frisch genug wirken. Wir sprechen von Frische innerhalb eines Genres, das von vornherein Vorhersehbarkeit mitbringt. Auch diesmal hat die Band die Produktion des Albums selbst in die Hand genommen. Das Material wurde jedoch noch etwas detaillierter bearbeitet als beim Vorgänger. Das spürt man vor allem beim dichteren Sound der Gitarrenriffs, die (mit mehreren aufgenommenen Gitarrenlagen) eine noch massivere Wand über der zentralen Vokallinie des ausdrucksstarken Andreas Novak errichten. Das gilt diesmal sogar für die Harmonisierung der Refrainmelodien mit zusätzlichen Backing-Vocals, die in der Produktion stärker betont klingen, als es beim Vorgänger »Pay to Play« zu spüren war.

Da der Stil der Band festgelegt ist und House of Shakira nicht davon abweichen, ist das Suchen nach Unterschieden zwischen dem Vorgänger »Pay to Play« und »Sour Grapes« eigentlich ein extrem undankbares Unterfangen. Trotzdem lässt sich unterm Strich sagen, dass das neue Werk ein kleines bisschen abwechslungsreicher ist. Der Vorgänger wirkte etwas klassischer hard-rockmäßig – sprich: Er sprach den Hörer direkter und schärfer an. Auf dem neuen Album ist wieder deutlicher die Note der ewigen House-of-Shakira-Begeisterung für die legendären AOR-Pioniere Journey spürbar. Auf dem neuen Album wird mehr ausprobiert. Die Songs My Disaster, Sour Grapes, und vor allem der abschließende On The Edge (einer der schönsten Songs des Albums), tendieren  (ansatzweise) sogar zum Art-Rock-Abenteuer, weshalb das neue Album das Gefühl vermittelt, dass sich House Of Shakira diesmal mehr als je zuvor in ihrer Karriere mit musikalischem Experimentieren angefreundet haben.

Ansonsten kommen House of Shakira auch diesmal wieder mit ein paar unglaublich eingängigen Refrains, die sofort ansteckend wirken. Das sind neben dem Opener-Katalysator No Way Out etwa Trial By Fire oder direkt danach Waste No Time, während Album-Momente wie der Song Nothing Left oder in der zweiten Hälfte Bend of the River mehr Stimmung bieten – also epische Drama-Theater-Momente.  Ebenso herrscht zwischen den Songs im Vergleich zum Vorgänger eine größere inhaltliche Abwechslung und auch ein höheres Maß an Ausprobieren verschiedener rhythmischer Schlüssel, mit denen die Leitmotive unterlegt sind. Gleichzeitig können die neuen Songs mit stärker strukturierten Mid-Eight-Passagen aufwarten.  In diesen regiert wieder Mats mit seiner neuen Serie herrlich inspirierter Gitarren-Soli.

House of Sakira bringen mit dem neuen Album wieder ein außerordentlich hochwertiges Werk, das der Albumkonsistenz zusätzliche Pluspunkte durch den Vokalcharakter von Andreas Novak verleiht. Dieser hat sich auf dem dritten Album völlig gelöst und liefert damit – gemessen an all seinen drei House of Shakira-Alben – den variabelsten Zugang zu seinen Gesangsaufgaben. An manchen Stellen funkelt sogar seine leicht soulige und blues-raue Stimmfarbe, neben der ohnehin großen Anziehungskraft seiner vokalen Dominanz, die durch eine autoritativ saubere, melodisch-vokale Haltung charakterisiert wird. Jenseits der ultra-melodischen Eingängigkeit, bei der House of Shakira auch diesmal in keiner Weise knausern, überrascht die ansonsten rotzige Produktionshaltung der Gitarrenriffs. Die beiden Gitarristen behalten einen fetten und nackten, direkt rockenden Gibson Les Paul-Sound. Gerade der Titelsong gibt sofort einen Einblick in die Grundlage der musikalischen Pointe der Band. Stell dir vor, einer der Gitarristen bringt in den Song ein Riff von Zeppelin’scher Elementarität, und darüber legt der Sänger dann eine Journey-eske melodische Eingängigkeit. So in etwa lässt sich die Geschichte von House of Shakira zusammenfassen. Und das neue Album bietet eine neue, wunderschöne Fortsetzung davon.

House Of Shakira – On the Edge:

Besetzung

Andreas Novak – Gesang
Mats Hallstensson – Gitarre
Anders Lundström – Gitarre
Basse Blyberg – Bassgitarre
Martin Larsson – Schlagzeug 

Produktion

House Of Shakira

Trackliste

01. No Way Out
02. Nothing Left
03. Trial By Fire
04. Waste No Time
05. My Disaster
06. Through It All
07. Bend Of The River
08. Hopeless Case
09. Sour Grapes
10. Stupid Love Song
11. On The Edge 

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