Soundtracks
Autor: Rok Klemše
Künstler: Condemnatio Cristi
Label: On Parole Productions
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 45:00
Wertung: 3/5
Black Metal hatte schon immer zwei Extreme: das eine extrem brutal, düster, roh und primitiv, das andere manchmal fast schon übertrieben pompös, symphonisch und orchestral. Selten sind Bands, denen es gelungen ist, diese zwei scheinbar unvereinbaren Extreme vollständig zu vereinen – der späte Emperor, Dimmu Borgir aus der mittleren Schaffensphase, Carach Angren und unsere Dekadent (!) – und etwas Ähnliches versucht auf ihrem neuen Album die Ljubljanaer Band Condemnatio Cristi zu erreichen, die zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Debüts Incest mit dem Album Soundtracks zurückkommt.
Bereits der Albumtitel weist logischerweise auf die Richtung hin, die die Band eingeschlagen hat und die tief in der Filmmusik verwurzelt sein soll. Mir war nicht ganz klar, wie das klingen sollte – und genau so klingt das Album dann auch. Wie ein Schizophrener, dessen zahlreiche Persönlichkeiten nichts voneinander wissen, breitet die Band auf der Platte ein breites Genre-Spektrum aus. Den Kern von Soundtracks bildet dabei das Duo aus Black Metal und orchestraler Filmmusik, die sich aber leider fast vollständig gegenseitig ausschließen und als eigenständige Genre-Einheiten wirken. Die Platte ist nämlich vor allem durch eine ausgeprägte Zweiteilung geprägt: auf der einen Seite ausschließlich Black-Metal-Songs und auf der anderen Seite ausschließlich »Soundtrack«-Stücke, die die Rolle einer Art Verbindungsbrücke übernehmen sollen.
Doch das Ganze funktioniert als solches überhaupt nicht so, wie es sollte, denn Soundtracks klingt verworren, zerfahren und inkohärent, und zur Gesamtwirkung trägt auch das Vermischen zahlreicher Genres in den »Metal«-Songs kaum bei. Condemnatio Cristi können nämlich innerhalb weniger Minuten etwas Black Metal, etwas Death Metal, dreckigen Rock ’n‘ Roll im Motörhead-Stil (Black Water Part 2), Thrash Metal, Gothic Metal – letzterer besonders ausgeprägt im Titeltrack (vor allem durch die Kombination aus tiefem Männergesang und zartem Frauengesang) –, Heavy-Metal-Soli (Deathmarch) und sogar orientalisch klingende Elemente (Japan) aneinanderreihen und durchmischen. Klingt das verwirrend? Absolut. Die ohnehin schon viel zu breite Genre-Bandbreite versuchen konzeptuell zusammenhängende filmische Ausflüge zu verbinden, die jeder für sich sehr solide klingen und ihren Platz auf einer richtigen, ernsthaften Filmmusikplatte leicht finden würden, doch gelingt es ihnen gerade wegen der übermäßigen Vielfalt der musikalischen Exkursionen durch Soundtracks nicht, den richtigen roten Faden zu finden.
Wenn die Metal-Seite des Albums auch nicht gerade die höchsten Standards erreicht, so muss man die orchestralen Stücke loben, die kraftvoll und überzeugend und gleichzeitig gefühlvoll genug sind, dass man ihre filmische Umsetzung gerne sehen würde – die nach dem Gehörten vor allem die Kraft der Natur und wunderschöne Landschaftsbilder darstellen würde. Vielleicht wäre es auch deshalb besser, wenn Condemnatio Cristi in Zukunft nur eine musikalische Richtung wählen, bei ihr bleiben und sie weiterentwickeln würden. Sinnvoll wäre es auch, nur einen einzigen Produzentennamen zu wählen, denn auf der Platte ist deutlich hörbar, wer was gemacht hat. Angesichts des ohnehin schon (zu) vielfältigen musikalischen Gesamtbilds des Albums fällt das noch viel stärker auf. Trotzdem: Gönn dir ruhig einen Schluck CC. Der beste Whisky, den du je probiert hast, wird er nicht sein, aber er läuft dir problemlos die Kehle runter, auch wenn er ein bisschen brennt.
Besetzung
Denis Mauko – Gesang, Gitarre
Gal Vogrič – Gitarre
Jan Kregar – Bass
Samo Peterka – Keyboards
Tine Horvat – Schlagzeug
Produktion
Condemnation Cristi, Žiga Zmazek & Jan Švigelj, Robert Ristič & Damir Grginič
Trackliste
1. Dreamside Trancing
2. Black Water Part 1
3. Cross For the Masses
4. The Opening
5. Deathmarch
6. Eastern Stepp
7. Japan
8. Soundtrack
9. I Have Seen the Otherworld
10. Black Water Part 2
11. Frontline Symphony
12. Oceans And Land