Solid
Interpret: Reece / Kronlund
Label: AOR Heaven Records
Veröffentlichung: 2011
Laufzeit: 41:01
Bewertung: 3.5/5
Erinnert sich noch jemand an das Album „Eat The Heat“? Das war 1989. Klar. Ein Accept-Album. Aber was ich hier in den Händen halte, ist das Album eines Zweier-Projekts! Des großartigen amerikanischen Sängers David Reece und des Produzenten, Komponisten, Arrangers und Multi-Instrumentalisten Martin Kronlund (Gypsy Rose, Dogface). Die gemeinsame Arbeit bei Gypsy Rose am Album „Another World“ (2008) hat die beiden Musiker einander nähergebracht. Kronlund, der Gypsy Rose bereits 1981 gegründet hatte, half später auch bei David Reeeces Solo-Studiowerk „Universal Language“ (2009) mit – und offenbar war die Zeit reif, gemeinsam unter ihrem eigenständigen Projekt Reece/Kronlund ein Album mit dem Titel „Solid“ fertigzustellen.
David Reece ist in der Rockwelt kein Unbekannter – er treibt sich dort schon seit geraumer Zeit herum und sang zum Beispiel auf dem Debüt der Band Dare Force aus dem Jahr 1984. Nachdem Accept ihn aus der Band geworfen hatten, gründete er Anfang der Neunziger Bangalore Choir, die im vergangenen Jahr ebenfalls ihr Comeback-Album „Cadence“ (2010) veröffentlichte.
Offenbar wird Reece von Album zu Album besser. Natürlich ist es enorm wichtig, dass sich die beiden schon lange kennen und dass dieses Duo offensichtlich bestens harmoniert, wenn es darum geht, all die musikalischen Ideen des Klangkosmos auf Band zu bannen. Eigentlich sollte man das heutzutage besser „auf MP3-Dateien“ nennen.
Man spürt, dass Kronlund aus der klassischen schwedischen Schule des Hard Rock stammt, die vom Erbe der Bands Rainbow, Deep Purple, Thin Lizzy,… geprägt wurde. Die Arrangements auf „Solid“ kommen auch diesmal nicht um diese Einflüsse und Parallelen herum. Am direktesten wird das im Track Edge Of Heaven deutlich.
Reece reift wie ein guter alter Wein. Durch „Solid“ hindurch ist er beim Entfalten von Gefühlen und beim Vortragen seiner Texte so lebendig wie möglich. Sein Gesang erinnert in den rauen Passagen sofort daran, warum er einst als Accept-Sänger ausgewählt wurde – gleichzeitig kann er mit klarem Gesang ansetzen und so die melodische Reichweite der Songs freilegen und erweitern.
Kronlund war in der Rolle des Produzenten schon immer dafür bekannt, dass ihn die Gitarren im Sound am meisten fasziniert haben. Auch diese Produktion macht keinen Hehl daraus, dass Martin dem Gitarrenriff etwas mehr Raum gegeben und ihn ins Zentrum der Begleitung von Reecess Gesang gestellt hat. Das wundert kaum, denn Kronlund ist in erster Linie Gitarrist. Die Keyboards treten diesmal in den Hintergrund und fungieren als Füllmaterial. Daher sind sie diesmal kein ausschlaggebender Faktor, der um jeden Preis die dynamischen Stimmungswechsel beeinflussen müsste. Der Hauptakteur der Stimmungsverläufe ist Reecess farbenreich gestalteter Gesang, verstärkt durch mehrstimmige Vokalharmonien. Die Keyboards treten erst in der Halbballade Could This Be Madness in den Vordergrund, wo sie vor allem in den Strophen mit warmem Orgelklang den „frierenden“, aber gefühlvollen Gesang von Reece wärmen. Diese Stimmungen wiederholen sich auch in den zwei darauffolgenden halbballadesken Liebesdramen I Remember und I Would. Reece greift gelegentlich so zum rauen Gesangsstil, dass er unwillkürlich an die legendäre Stimme von Nicky Moore (Samson) erinnert. Das kommt vor allem im treibenden Angriffsstück Animals And Cannibas zum Vorschein. Wenn ich schon kurz bei der „Moore era“ von Samson war – es fällt auch auf, dass Reece bestens zurechtkommt, wenn Kronlund ein bluesiges Arrangement in die Hard-Rock-Schablone wirft. Diesen Ansatz verkörpert Magic Pudding gegen Ende des Albums besonders gelungen.
Zehn Songs können eine hohe Kohärenz und ein qualitativ gleichwertiges Arrangement-Niveau vorweisen, mit atmosphärischen Höhepunkten in mitreißenden Refrainmelodien. Melodic Rock auf skandinavische Art also! Pompös gewürzt, aber gleichzeitig riffmäßig ordentlich aufgedreht! Die Pomposität sticht besonders im bombastischen Albumauftakt mit der Reihenfolge My Angel Wears White und Samurai hervor, wächst noch weiter im düsteren Paint The Mirror Black und gipfelt im hochatmosphärischen, unheilschwangeren Marsch The Dead Shall Walk The Earth am Ende des Albums.
„Solid“ ist ein Album, auf dem Kronlund das bewegliche Potenzial der Gesangscharakteristika von David Reece hervorragend eingebunden und ausgeschöpft hat. Es ist ein atmosphärisches Melodic-Rock-Album, das auf betonten Gitarrenphrasen in der Produktion aufbaut und das über seine Spielzeit hinweg von einem Gefühl düsteren Bühnendramas getragen wird. Wer die Veröffentlichungen von Gypy Rose, Dogface und auch Bangalore Choir kennt, wird vom beschriebenen „Format“ auch beim Abspielen von „Solid“ im CD-Player nicht allzu weit entfernt liegen. Es handelt sich nämlich um das bisher reifste Studiowerk des Duos David Reece und Martin Kronlund.
Besetzung
David Reece – Gesang
Martin Kronlund – Gitarre, Bassgitarre
Hans in’t Zandt – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Tommy Denander – Gitarre
Andy Susemihl – Gitarre
Christian Tolle – Gitarre
Rikard Quist – Keyboards
Produktion
Martin Kronlund
Trackliste
1. My Angel Wears White
2. Samurai
3. Could This Be Madness
4. Animals And Cannibals
5. Remember You
6. Paint The Mirror Black
7. I Would
8. Edge Of Heaven
9. Magic Puddin‘
10. The Dead Shall Walk The Earth