Sick
Künstler: Duff McKagan's Loaded
Label: Century Media
Erscheinungsjahr: 2009
Laufzeit: 49.50
Wertung: 2/5
Duff McKagan’s Loaded sind kürzlich wieder mit einem Album frischer Blüten aufgetaucht, die im Grunde genommen lediglich eine blasse Erweiterung des schon zigfach gehörten Punk-Instrumentariums darstellen. Sick ist eine Platte voller oberflächlich zusammengewürfelter musikalischer Einflüsse, die den guten Mann an diesem oder jenem Punkt seines Lebensweges zur oft allzu hastigen Ejakulation getrieben haben. Erwartungsgemäß mangelt es dem Album nicht an ungezähmten Punk-Rock-Neigungen, die zu einem auf den ersten Blick enormen Zerstörungspotenzial angehäuft wurden – das allerdings keinerlei nennenswerte Wirkung hat!
Tief in Duffs Unterbewusstsein glimmt vor allem die Bewunderung für Punk und die damit verbundenen archaischen Strömungen, die den guten Mann schon seit den frühen Guns N‘ Roses-Tagen ordentlich durchschütteln. Wie man es auch dreht und wendet – Punk war und wird für immer eines der Schlüsselelemente von Duffs schwerfälliger Ausdruckstechnik bleiben. Daher rührt auch das Liebäugeln mit dem Temperament der großen Idole The Stoogies, das auf Sick praktisch von den ersten kompromisslosen Schlägen des gleichnamigen Openers an zu spüren ist. Der rote Faden des Albums ist das auf die eine oder andere Weise nachempfundene Erleben der in ferner Vergangenheit ausgelösten Punk-Revolten. Und wenn überhaupt etwas, dann mangelt es Sick gewiss nicht an Nostalgie. The Slide hat höchstwahrscheinlich absichtlich die psychophysischen Defekte des The Damned-Klassikers New Rose geerbt, No More dagegen wirkt, als hätte es sich nur unbeholfen aus irgendeinem besonders rauen Fear-Machwerk herausgemausert. Duffs Truppe wirft uns im eng gesteckten Rahmen des bekannten Konzepts auch einige nicht gerade überzeugend ausgeführte Versuche hin, mit melodisch anspruchsvolleren Motiven zu kokettieren, wobei IOU und Mothers Day schnell verpuffen. Abgesehen davon, dass Duff der Rolle eines produktiven Musikers mit klar gesteckten Zielen und einer Vision noch lange nicht gewachsen ist, liegt sein Problem neben all den anderen Attributen des absurden jugendlichen Randalierens auch im Gesang. Da er selbst nie wirklich zur Kategorie der Musiker mit beneidenswertem stimmlichem Manövriergeschick gehörte und obendrein seine Stimme auch im Jahr 2009 jedes konkreteren charakterlichen Gehalts beraubt bleibt, bereitet ihm das Trällern auf klassisch schwer rockenden Motiven nicht unerhebliche Kopfschmerzen – zumindest in Sachen Überzeugungskraft. Die Versuche eines reiferen und etwas durchdachteren Schaffens, um das sich die geistlose Reihe von Missgeburten Blind Date Girl, No Shame und Wasted Heart bemüht, stutzen so die ohnehin schon karge Palette nennenswerter Momente, über die Sick verfügt.
Wenn in eurem schmucken Körperchen kein unbezähmbares Verlangen nach dem Konsum von quasi-punkmäßigem Lärm glimmt, dann werdet ihr Sick ohne nennenswerte psychosomatische Erschütterungen übersehen, selbst wenn ihr zur Kategorie der unverbesserlichen Verehrer der Familie der „Pistolen und Rosen“ gehört. So ist das eben – auf einen radikalen Wandel der Denkweise, mit der sich die kreative Sprache des 45-jährigen McKagan wenigstens ein wenig erweitern würde, lässt sich offensichtlich noch nicht so einfach setzen. Auf jeden Fall hätte Duff McKagan den Überschuss an freier Zeit, der dem guten Mann unter dem Deckmantel der Suche nach einem neuen, gefügigeren Velvet Revolver-Sänger geboten wird, auf irgendeine produktivere Weise verheizen können!
Besetzung
Duff McKagan: Gesang, Gitarre
Mike Squires: Gitarre
Jeff Rouse: Bass
Geoff Reading: Schlagzeug, Backgroundgesang
Produktion
Duff McKagan
Trackliste
1. Sick
2. Sleaze Factory
3. Flatline
4. IOU
5. The Slide
6. Translucent
7. Mothers Day
8. I See Through You
9. Forgive Me
10. No Shame
11. Blind Date Girl
12. Wasted Heart
13. No More