Shangri La
Künstler: Bugg, Jake
Label: Island Records
Erscheinungsjahr: 2013
Wertung: 3/5
Mischungen aus “Alt und Neu” funktionieren bei Künstlern der neuen Generation selten wirklich stimmig. Das hat meistens mehrere Gründe. Die Texte – sprich: die Lyrik – passen stilistisch oft nicht zur musikalischen Grundlage des Zeitrahmens, in dem der Künstler schafft. Dieses Element, das neu, frisch und herausfordernd wirken will, verliert meistens die Schlacht um künstlerische Eigenständigkeit, und so landet das Werk auf dem Niveau der Mittelmäßigkeit vieler ähnlicher Versuche, die als bloße Derivate des Originals hängenbleiben. Hin und wieder aber taucht auch ein Künstler der neuen Generation auf, dem die erfolgreiche Verbindung von Lyrik und musikalischem Stil gelingt. Dieser geglückte Balanceakt öffnet ihm die Türen für eine glaubwürdige Festigung seiner künstlerischen Identität auf einem ansonsten gnadenlosen Musikmarkt. Dieser dezimiert täglich eine ganze Reihe ähnlicher Versuche jüngerer Künstler auf das Niveau der grauen Mittelmäßigkeit – wegen mangelnder künstlerischer Eigenständigkeit.
Buggs zweites Studiowerk ist ein Beispiel für das erfolgreiche Zusammenführen beider Prinzipien. Es ist eine angenehme und unprätentiöse Verbindung von quasi-Dylanscher Textkunst im zeitgemäßen Kontext mit einer dem Zeitgeist entsprechenden Klangqualität. Der Qualitätssprung von der ersten zur zweiten Platte ist Produzent Rick Rubin zu verdanken (Red Hot Chilli Peppers, Run D.M.C., Lana Del Rey und viele andere). Das Album läuft angenehm und kohärent, hakt aber ein paarmal wegen Tracks im mittleren Tempo und Balladen.
Quasi-Dylansches Texten und ein starkes Rockabilly-Feeling eröffnen die Platte mit dem Opener There’s a Beast and We All Feed It. Stilistisch zieht es in die frühen Rock-’n’’Roll-Zeiten: schwindelerregend, roh, kompromisslos. Bugg glänzt bei den schnellen und direkten Arrangements. Kingpin, Slumville Sunrise und das post-punkige What Doesn’t Kill You sind die stärksten und geradlinigsten Tracks der Platte – darauf spuckt der junge Brite die Texte mit demselben Feuer raus, das seine Begleitband bei der Ausführung an den Tag legt.
Leider lässt Buggs Direktheit – genau wie die Performance seiner Begleitband – bei den langsameren Tracks nach. Kitchen Table versucht von Anfang an, eine Art Wehmut zu erzeugen, die es aber nie schafft zu dominieren, aufzuleben und den Hörer wirklich mitzureißen. All the Wrong Reasons ist ein ähnlicher Fall, der den bereits erfolgreich aufgebauten roten Faden der Platte jäh unterbricht. Die Texte der Balladenteile leiden vor allem unter der adoleszenten Natur von Buggs Ansichten, die der Musik und der angestrebten Ausführung nicht gewachsen sind. Me & You und A Song About Love sind eine andere Geschichte. Ihre jugendliche Grundnote passt gut zu den Arrangementstrukturen und arbeitet sich erfolgreich durch die weichere Klangbasis. Me & You ist wie gemacht für eine Nachtfahrt über eine halb beleuchtete Schnellstraße.
Shangri La ist, als Frucht einer soliden Zusammenarbeit zwischen dem jungen Bugg und Produzent Rubin, ein willkommener kreativer Glanzpunkt auf einer ansonsten zeitgenössisch (autorisch) verarmten Musikszene. Trotz der Höhen und Tiefen durch das gesamte Album bleibt Jake Bugg souverän, roh und vor allem ehrlich. »Shangri La« hinterlässt ein positives Gefühl – und man kann nur hoffen, dass sein nächstes Studiowerk dem Druck der Kommerzialisierung nicht nachgibt, der im Streben nach besseren Verkaufszahlen zur Aufgabe von Jake Buggs künstlerischer Autonomie führen würde. Diese ist bislang erfolgreich bewahrt und gewinnt mit »Shangri La« an inhaltlicher Schärfe.
Besetzung
Jake Bugg – Gesang, Gitarre, Klavier, Akustikgitarre, Slide-Gitarre
Jason Lader – Bassgitarre
Matt Sweeney – Gitarre
Pete Thomas – Schlagzeug
Produktion
Rick Rubin
Tracklist
1. There’s A Beast And We All Feed It
2. Slumville Sunrise
3. What Doesn’t Kill You
4. Me And You
5. Messed Up Kids
6. A Song About Love
7. All Your Reasons
8. Kingpin
9. Kitchen Table
10. Pine Trees
11. Simple Pleasures
12. Storm Passes Away