Seven Moons
Interpret: Trower, Robin
Label: V-12 Records
Veröffentlichung: 2008
Bewertung: 4/5
Robin Trower und Jack Bruce sind zwei eminente Namen der Rockwelt, die die meisten normalen Sterblichen vor allem aus den Tagen des majestätischen Dröhnens von Procol Harum und Cream kennen. Trower und Bruce sind alte Bekannte, ohne Vorbehalte können wir sogar sagen Freunde, die nach mehr als fünfundzwanzig Jahren und zwei Alben aus den frühen 80ern (BLT und Truce) jetzt mit dem sensationellen Werk Seven Moons zum dritten Mal die Klingen kreuzen. Und wie! Die beiden Altmeister haben es auch beim dritten Mal geschafft, eine außergewöhnliche Mischung aus Blues und Rock zu schmieden, die mit Sicherheit einen der wichtigsten Beiträge zum Bluesrock-Genre des 21. Jahrhunderts darstellt.
Robin Trower und Jack Bruce sind Herren in ehrlich gereiften Jahren und verschwenden deshalb keine Zeit. Das Duo gibt mit dem Opener Seven Moons schnell den Ton an, der bis auf wenige Ausnahmen störrisch der gemeinsame Nenner des Albums bleibt. Die Farbigkeit des Albums baut auf der Kreuzung der wiedererkennbarsten Ausdrucksmittel beider Musiker auf, getrieben bis zum effektiven Maximum. Wie zu erwarten erweist sich Bruces Gesang als eines der Schlüsselelemente des Albums, der trotz der gealterten Rauheit immer noch souverän und überaus hörenswert ist. Es freut uns festzustellen, dass Jack Bruce stimmlich den fest beschlagenen Bluesrock-Walzen vom Typ Lives of Clay noch immer gewachsen ist, die uns ohne Vorwarnung schnell in die Welt des unerbittlichen Bluesy-Rumpelns hineinsaugen. Trower brilliert hier mit vollkommener, oft ungeahnter Steigerungen fähiger Klangkontrolle, die in bestimmten Abschnitten auf die Präsenz der britischen Bluestradition hinweist. Aber keine Panik, sein Spiel strotzt vor Frische und ist voll von genau jenem minimalistischen Zauber, der dem Inhalt den Vorrang gibt. Trower ist auf jeden Fall in Topform, und ähnliche Stimmung weht aus der sensationellen Vorstellung, die Jack Bruce für uns vorbereitet hat. Jacks Bass gräbt souverän tief unter den Linien des Gitarristen, und seine scharf abgehackten Töne runden den Song meisterhaft mit schaurig sehnsüchtigen Gefühlen ab. Noch einen Schritt weiter ins „unbekannte Blau“ wagt sich das Duo mit Come to Me, einem weiteren effektvoll bearbeiteten Bluesrocker, der stark nach Hendrix riecht.
Auch She’s Not the One verdankt Jimis magischen Aromen einiges. Weit entfernt von potenziellem Material für repetitives Radio-Airplay glänzt der Song mit ansteckender Sangbarkeit, die das Grundmotiv locker über vereinfachte Arrangements trägt, bis hin zu Trowers schüchternem Solo am Ende. Einen ähnlichen Weg, aber mit etwas mehr dynamischer Bandbreite, schlägt So Far to Yesterday ein. Mit intensivem Schnüffeln nach den Wurzeln begeistern Perfect Place und das persönliche Bekenntnis mit dem vielsagenden Titel Bad Case of Celebrity. Während Ersteres ein einmaliges Bluesrock-Exemplar ist, das sich wie eine Giftschlange ständig vor unseren Augen windet, führt uns Bad Case of Celebrity in eine verträumte Welt, in der Verzweiflung und Schmerz zu Hause sind! Bruces Stimme packt den Hörer hier schnell bei den Eiern, denn im Stil der größten Blues-Rhetoriker klingt sie unglaublich authentisch. Wenn dann endlich auch Trower Luft ablässt, offenbart sich vor uns schlagartig die ganze übernatürliche Magie dieses Gespanns.
Bei so einem bunten inhaltlich-instrumentalen Angebot der einzelnen Songs, die schon beim ersten Hören mit ihrem außergewöhnlichen Charakter überzeugen, werden die „Unausgegorenen“ Distant Places of the Heart, Just Another Day und I’m Home eigentlich überflüssig, auch wenn man ihnen mangelnde Kreativität keineswegs vorwerfen kann. Die Synergie zweier Riesen der Rockmusik ist auch in ihnen durchgehend präsent, dem Trio fehlt aber leider eine Prise Organik, die den Rest, also den Großteil des Albums, auszeichnet. Genau diese Lebensenergie, die Seven Moons stolz in sich trägt, zeugt davon, dass Robin Trower und Jack Bruce trotz respektabler Jahre noch immer voll auf Zug sind, mit allen Zylindern im Antrieb! Hut ab, ihr alten Herren!
Besetzung
Robin Trower: Gitarre, Gesang
Jack Bruce: Bass, Gesang
Gary Husband: Schlagzeug
Produktion
Robin Trower
Tracklist
1.Seven Moons
2.Lives of Clay
3.Distant Places of the Heart
4.She’s Not the One
5.So Far to Yesterday
6.Just Another Day
7.Perfect Place
8.The Last Door
9.Bad Case of Celebrity
10.Come to Me
11.I’m Home
Spielzeit: 47.53