Seven Lives Many Faces
Künstler: Enigma
Label: Virgin Records
Veröffentlichung: 2008
Michael Cretu und seine Enigma sind schon seit vielen Jahren auf der Szene. Wer erinnert sich nicht an seine Einlagen in Form gregorianischer Choräle und seiner Sängerin und langjährigen Begleiterin Sandra. Genauso sind Hits wie Mea Culpa, Return To Innocence und noch viele mehr in die Annalen der Popmusik eingegangen
Egal was man von Enigma hält, Michael Cretu ist ein äußerst einflussreicher Musiker und hat seine Fühler sogar bis zu einem Namen wie Mike Oldfield ausgestreckt, der selbst als Vorbild für viele andere Künstler bekannt ist. Persönlich schätze ich Enigma, nicht die elektronischen Projekte von Mike Oldfield (bei denen der Einfluss von Enigma bis zu einem gewissen Grad spürbar ist), in diesem Stil nicht besonders. In der elektronischen Musik passierte im Underground noch viel Interessanteres, es gab schon viele Künstler, die Genres besser mischen konnten als Cretu und Oldfield, aber Enigma ist eben ein berühmter Name geworden.
Auf dem Album passiert nichts Umwerfendes. Typische elektronische Rhythmen, diesmal kombiniert mit etwas mehr Klassik als zuvor, und wieder jede Menge Musik aus aller Welt, die sogenannte „world music“. Man könnte sagen, es handelt sich um „chill out“, Ambient-Musik. Das ist keine „schwere“ Elektronik, sondern ziemlich leichtgewichtig und auch für Leute leicht verdaulich, die elektronische Musik im Allgemeinen nicht mögen. Cretu hat wieder einige interessante Gastvokalist:innen, besonders auffällig ist der Beitrag der klaren und schönen Frauenstimmen, die die Enigma-Alben schon von Anfang an schmücken – damals, als Cretus damalige Ehefrau Sandra auf den Alben sang. Auch die Melodien sind wieder typisch eingängig und fließend, aber bei Cretu klingt inzwischen alles so routiniert und herzlos, selbst wenn die Songs emotional aufgeladener sind. Der Typ weiß haargenau, was er tun muss, um die Masse anzuheizen.
Das neue Enigma-Album ist nichts Spektakuläres, aber wieder makellos komponiert und bis ins letzte Detail ausgefeilt. Der Typ ist offensichtlich ein Perfektionist. Das merkt man auch an der extrem sauberen, fast sterilen Produktion. Das Album hat vielleicht wirklich nicht viel Herz (obwohl es einige emotional aufgeladene Melodien enthält), aber ein Musiker dieses Kalibers verdient Aufmerksamkeit und Respekt. Dieses Album ist erwartungsgemäß gut und erwartungsgemäß nichts mehr als das. „Better safe than sorry“, würden die Engländer sagen. Und so spielt das Album eben sehr auf Nummer sicher.
Besetzung
Michael Cretu – alle Instrumente, Vocals, Samples
Gäste: Andru Donalds, Nikita C., Sebastian C., Nanuk, Margarita Roig
Produktion
Michael Cretu
Trackliste
1. Encounters 3:12
2. Seven Lives 4:25
3. Touchness“ 3:35
4. The Same Parents 5:19
5. Fata Morgana 3:23
6. Hell’s Heaven 3:51
7. La Puerta del Cielo 3:28
8. Distorted Love 4:11
9. Je T’aime Till My Dying Day 4:18
10. Déjà Vu 2:56
11. Between Generations 4:30
12. The Language of Sound 4:20