Settle

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Disclosure
Label: Island Records
Erschienen: 03.06.2013
Laufzeit: 61:05
Wertung: 4/5

Disclosure ist ein elektronisches Duo zweier Brüder, die gerade mal volljährig geworden sind. Guy und Edward Lawrence. Das vor drei Jahren gegründete Duo hat also bereits einen Vertrag mit Island Records in der Tasche. Respekt. Die Basis ist zwar Elektronik, doch bedient diese sich in den rhythmischen Schleifen überwiegend post-dub-step-modernistischer Figuren. In England ist es offenbar Mode geworden, in den vergangenen Neunzigern zu stöbern, als Deep House und Dub Step die Szene betraten.

Das Duo ist in diesem Wiederbeleben unglaublich erfolgreich. Es erschafft tatsächlich Musik völlig unbelastet und kommt über Computerprogramme in Kontakt mit Klängen der Vergangenheit, ohne eigentlich zu wissen, dass es die Retro-Klanglichkeit der Collagen nutzt, die es zusammenfügt. Ein interessantes Phänomen, das heute typisch für Bands ist, deren Mitglieder blutjung sind. Zeit zum Stöbern in der Musikgeschichte bleibt da nicht viel – die Eigenheit und künstlerische Greifbarkeit der erschaffenen Substanz kann dir dann eben nur ein Talent bringen, das dir in die Wiege gelegt sein muss. Und Disclosure beweisen schon mit ihrem Debüt, dass sie ein feines Gespür für geschmackvolle Arrangements in sich tragen. Es handelt sich also um eine natürliche Gabe. Und die Brüder Lawrence besitzen diese im Überfluss. Das Gespür für die Mitte zwischen melodisch ansteckender Süße und aufdringlicher motivischer Repetitivität auf der einen Seite und reicher rhythmischer Definiertheit auf der anderen – das Ganze eingehüllt in den Mantel einer spezifischen, wohltuenden, melankolisch verträumten Stimmung, wenn man sich an eingefangenen Atmosphären orientiert – wirkt also typisch britisch.

Das scharfsinnige Schichten instrumentaler Collagen wird ordentlich aufgelockert durch das gelegentliche Hinzufügen lebhafter Vokallinien-Muster, was natürlich der gewünschten Farbgebung der Kompositionen dient und die monotonen Figuren aufbricht, die durch gelegentliche Motivwiederholung entstehen. Das könnte nervig werden, aber Settle umgeht diese Gefahr durchgehend erfolgreich. Und das über eine gute Stunde Musik. Den Vorrang haben Muster weiblicher Gastgesänge, die besonders erfolgreich den gewünschten Kontrast zur klanglichen Manipulation der instrumentalen Untermalung bringen. Dabei muss betont werden, dass das Duo bestimmte Motive äußerst raffiniert mit programmierten Muster-Zusätzen als Ornament dosiert. Unabhängig vom Stück gelingt es ihnen in diesem Element, die Spannung in der jeweiligen Stimmung durch die Entwicklung der Songs zu steigern. Dieser effektive Kontrast wird schon im Anfangsteil erreicht, wenn auf das äußerst aufdringliche und direkte When the Fire Starts To Burn die entspannte, verträumt versunkene, süßliche Soul-Atmosphäre von Latch folgt. Genau dieser Song ist ein Beispiel für exzellentes atmosphärisches Kombinieren von Wärme und jener sanften Bitterkeit der Melancholie, wie sie der Dub Step der Britischen Inseln kennt.

Die instrumentale Kulisse ist minimalistisch, entspannt zusammengewoben, ohne ein Quäntchen Kompliziertheit und den Einsatz grober Klangstrukturen. Sanfte Synthesizer-Schichten erzeugen einen schwebenden Klangteppich-Hintergrund, was dem Produkt einen Hauch transzendentalen Effekts verleiht. Besonders erfolgreich funktioniert das bei der Einfärbung des Stücks White Noise, dem Alune Georges spezifisch süßlich ansteckende Stimme besondere Ausdrucksqualitäten verleiht.

Wie gesagt. Die Wiederholung motivischer Figuren und rhythmischer Kinetik überwiegt nie gegenüber der schwebenden – nahezu transzendentalen – Landschaft der »Synthesizer«-Schichten, und Settle pflegt beim Hörer keine aufdringliche Invasivität, die von einem künstlichen Erfolgswillen angetrieben würde. Deshalb flirtet es mit den Errungenschaften des UK garage-Phänomens und wirkt im Grunde eher alternativ als kommerziell ausgerichtet. Der Erfolg kam ziemlich unerwartet, und die beiden haben ihn nicht gesucht. Sie haben einfach ein Album rausgebracht und die Musik gemacht, wie das Herz es ihnen befahl. Insofern handelt es sich um ein authentisches Produkt und eine willkommene Auffrischung der Szene, wie sie die moderne elektronische Musik kennt. Zugleich deutet dieses Album auf die Möglichkeit einer künftigen Entwicklung dieser Art von Musik der Britischen Inseln hin, die »UK garage« erfolgreich in die Gegenwart überträgt.

Besetzung

Guy Lawrence – Programmierung
Howard Lawrence – Programmierung, Gesang

Produktion

Disclosure

Trackliste

01 Intro
02 When a Fire Starts to Burn
03 Latch [ft. Sam Smith]
04 F for You
05 White Noise [ft. AlunaGeorge]
06 Defeated No More [ft. Ed Mac]
07 Voices [ft. Sasha Keable]
08 Second Chance
09 You & Me [ft. Eliza Doolittle]
10 January [ft. Jamie Woon]
11 Confess to Me [ft. Jessie Ware]
12 Help Me Lose My Mind [ft. London Grammar]

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