Septicflesh und Inquisition im Orto (2018)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Orto bar, Ljubljana
Konzertdatum: 09.01.2018

»No rest for the wicked« sagt das bekannte Sprichwort, und ganz in diesem Sinne empfing der Orto bar schon eine gute Woche nach Neujahr das erste Konzertpaket des neuen Jahres. Nach Ljubljana zurückgekehrt sind nämlich alte Bekannte der slowenischen Konzertbühnen: das kolumbianisch-amerikanische Duo Inquisition und die griechischen Meister des symphonischen Death Metal Septicflesh.

Für die Aufwärmung vor den Hauptacts sorgte diesmal eine ziemlich exotische Besetzung: Odious kommen aus Ägypten und passen stilistisch vor allem zu den Headlinern der Tour. Genau wie Septicflesh spielt die Band aus Alexandria nämlich Death/Black Metal mit ausgeprägten symphonischen Elementen. Die Ägypter servierten dem spärlichen Publikum jede Menge Playback-Anteile, die sich nicht sonderlich gut mit dem ansonsten durchaus ordentlichen Death Metal verbanden – gerettet wurde das Ganze vor allem durch das abwechslungsreiche Schlagzeugspiel. Trotz aller Bemühungen von Sänger Bassem, das Publikum aufzuwecken, fiel er damit nicht auf fruchtbaren Boden; sein ziemlich eintöniger Gesang und das beharrliche Wiederholen von »oi, oi« wurden schnell langweilig. Odious werden auf Basis des Gehörten kaum einen Stammplatz im heimischen Regal finden – wobei man fairerweise sagen muss, dass wir schon weit schlimmere Vorbands erlebt haben.

Dagon und Incubus haben in den vergangenen Jahren bereits Tolmin, Gala hala und Kino Šiška abgearbeitet – diesmal betraten sie erstmals die Bühne der Orto hala und machten mit From Chaos They Came gleich klar, woher sie stammen. Aus der Dunkelheit und dem Chaos. Das Duo schmückte die Bühne mit großen Bannern und füllte damit die Bühnenleere, die sonst ziemlich auffällig gewesen wäre, da vorne lediglich Dagon mit seiner Gitarre steht und sich hin und wieder nur von einem Mikrofon zum anderen bewegt. Inquisition bekam diesmal eine ordentliche Spielzeit zugeteilt, die die beiden gut nutzten und dabei sogar die inzwischen recht durchgekaute Setlist etwas auffrischten, die sich nicht allein auf die letzten drei Alben stützte. Klanglich füllte das Duo nach einem schwächeren Anfang das Klangbild schön mit einem starken, klaren Schlagzeug und einer vernichtenden Gitarre – gehakt hat es aber erneut bei Dagons Gesang, der nun mal einer von der Sorte ist, die man entweder liebt oder hasst. Persönlich geht mir ein Gesang, der zwar aus der Flut des Black-Metal-Gekreisches durchaus heraussticht, dabei aber wie eine böse Version von Popeye klingt, schnell auf die Nerven – weshalb Inquisition selten den Weg in meine heimischen Boxen finden. Die Tortur war trotzdem gelungen, und im Vergleich zu den Headlinern des Abends ohne Frage auch bei weitem die authentischste.

Die griechischen Veteranen Septicflesh kehrten nach gut eineinhalb Jahren zu uns zurück. Im Juli 2016 hatten sie auf den Metaldays das damals aktuelle Album Titan präsentiert, diesmal stellten sie in Ljubljana den neuen Codex Omega vor. Wenn auf den Alben die gesamte symphonische Pomphaftigkeit der Band noch funktioniert, ist es eine ganz andere Sache, das auch live umzusetzen. Ein Großteil des Klangbilds von Septicflesh live besteht daher leider aus einer ausgeprägten und allumfassenden Playback-Spur, die Orchester, Chor und sogar die reinen Vocals ersetzt – das nimmt dem Konzertauftritt einen gehörigen Batzen Authentizität. Septicflesh live bieten deshalb leider nichts sonderlich Umwerfendes. Die schwachen Gitarren verschwinden unter den eingespielten Orchestrierungen, Bass ist praktisch keiner vorhanden, und Seth Siro Antoniuos Gesang ist weit entfernt von der kräftigen Stimme, die wir von den Alben gewohnt sind. Dann legt Spiros natürlich noch einstudierte Posen und langatmige, klischeehafte und alberne Ansagen obendrauf, die nur Teenager überzeugen. Wirklich beeindruckend ist damit eigentlich nur die Vorstellung des exzellenten Schlagzeugers Kerim »Krimh« Lechner (ex-Decapitated). Dem Auftritt von Septicflesh im Orto ist insgesamt zwar nichts Gravierendes vorzuwerfen – er war mehr als solide, energisch und ausgesprochen souverän. Aber er ist gleichzeitig wie Fast Food. In dem Moment sättigt er, fünf Minuten später merkst du, dass du dich falsch satt gefühlt hast, und bereust, dass du dir nicht lieber eine bessere Mahlzeit gegönnt hast.

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