Scott Henderson – Hendrix-Blues-Fan (2007)
Ort: Bluesiana Rock Caffe / Velden am Woerthersee / Österreich
Konzertdatum: 30.03.2007
Besucherzahl: 150
Ticketpreis: 25.00€ / 28.00€
Das Scott-Henderson-Powertrio servierte seine ersten Töne, wie gesagt, auf die Minute genau 45 Minuten nach dem offiziellen Konzertbeginn. Vorher durften wir Seine Eminenz noch beobachten, wie er in ausgelatschtem T-Shirt, „karottenfarbenen“ Jeans und Nike-Sneakern – kein bisschen nach Star aussehend – höchstpersönlich die Anlage einschaltete und uns, damit sie auf Betriebstemperatur kommt, weiteren 10 Minuten Tagträumerei überließ. Mit dem Auftritt selbst begann dann eine ganz andere Geschichte. Scotts Powertrio besteht neben dem Herrn selbst aus Bassist JOHN HUMPHREY und dem jungen, aber längst etablierten Drummer ALAN HERTZ. Die Musik klingt trotz Trio richtig voll, die Jungs füllen dank ihrer Eingespieltheit und Virtuosität den Raum und deine Ohren bis in den letzten Winkel. Bei einem Blues-Trio würde man erwarten, dass die Melodie über die Harmonie dominiert, beim Henderson-Trio ist es genau umgekehrt. Auch wenn Scott von sich immer behauptet, eher Blues-Rock-Musiker zu sein, hinterlässt seine Musik einen anderen Fingerabdruck – Jazz-Wurzeln und jazzige Griffe sind entscheidend für seine Spielweise und sein Songwriting. Sogenanntes „Easy Listening“ fällt hier auf ganzer Linie flach, und entsprechend ist auch das Publikum, das seine Shows besucht. Wer Scott vielleicht zum ersten Mal oder zufällig erlebt, wäre von seinem Auftritt nur halb zufrieden, aber wenn man weiß, was einen erwartet, ist das eine ganz andere Geschichte.
Die Jungs teilten ihren Gig in zwei Teile: Der erste dauerte etwas mehr als eine Stunde, der zweite den Rest bis zu zweieinhalb Stunden. Dazwischen gab es nach ihren Worten eine kleine Pause, die sich aber auf 30 Minuten zog – auch die haben wir erfolgreich überstanden. Scott lässt beim Spielen klar erkennen, mit wem er sich in seiner langen Karriere alles so richtig eingelassen hat. In seinem „Gezocke“ lassen sich so die Griffe von Chick Corea, Joe Zawinul, Geiger Jean-Luc Ponty und noch einigen mehr erkennen.
Auch wenn Scott ein lupenreiner Jazzer sein kann, war der Auftritt diesmal stilistisch doch bluesig eingefärbt, am nächsten an der Musik, die er durch die Zusammenarbeit mit Bassist Gary Willis und der berühmten Formation Tribal Tech entwickelt hat. Mit ihr nahm er 9 Alben auf und feilte so ordentlich an seinem charakteristischen Sound und Spielstil, der ihm unter anderem schon mehrfach den schmeichelhaften Titel „Jazz-Gitarrist des Jahres…“ eingebracht hat. Daneben beweist er sich auf der Bühne auch als guter Mentor, was man an seiner Körpersprache und seinen Winken an die anderen beiden Bandmitglieder ablesen kann. Scott hat in letzter Zeit auch Lehrmaterial veröffentlicht, nämlich die DVDs „Jazz Fusion Improvisation“ und „Melodic Phrasing“ sowie das Buch „Jazz Guitar Chord System“. Wenn wir seine Größe mal ausblenden und uns John und Allan, den anderen beiden, widmen, würde man sie wegen des eher oberflächlichen Begleitspiels leicht unterschätzen und falsch einschätzen. Das Bild dreht sich aber komplett in den kurzen, aber knackigen Solo-Einlagen, die Scott ihnen im zweiten Teil des Auftritts zugesteht. Offenbar ist das Monopol des Chefs in der Band doch zu stark und das freie Atmen des Duos spartanisch zugemessen. Der Großteil der Scott Henderson Blues Band bleibt damit Scotts eigenem Ausleben und musikalischem Ausdruck vorbehalten, auch wenn die meisten Power-Blues-Trios an einem ähnlichen Syndrom leiden. Genau dasselbe Bild erlebten wir vor knapp einem Monat, als Eric Sardinas den Thron der Bluesiana bestieg.
Der Auftritt war im Nu vorbei, und erst nach dem Konzertende kapierten wir, auf was für eine atmosphärische Musikreise uns Scott in diesen guten zwei Stunden mitgenommen hatte. Ein Meister ist eben ein Meister, und das wissen offenbar auch die paar noch unbestechlichen Kritiker der Musikwelt zu schätzen, die Scott auf den Thron gehoben haben, der ihm in der Welt der Musik heute zu Recht zusteht. Wir hoffen nur, dass Scott mal wieder in die Bluesiana zurückkehrt, denn wir werden auf jeden Fall wieder da sein.
Text und Fotos: Thomas Breznik
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