Schwarze Sleaze-Erotik in Kranj (2015)!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Kranj / Transtation Squat / Slowenien
Konzertdatum: 25.02.2015
Besucherzahl: 60
Eintritt: 10,00€
Die heißen schwedischen Unruhestifter Sister, eine Band, die mit bemerkenswerter Geschicklichkeit das Beste aus dem Vermächtnis von New York Dolls und Guns N‘ Roses herausholt, während ihnen der strahlende King Diamond die Formel für das schwarz-weiße Anmalen der Gesichter verriet, zählen zu den verbissensten Vertretern der „neuen skandinavischen Sleaze-Rock-Welle“ – oder schlicht des Metals. Sister, ein scharf gekleidetes Quartett, in dem man auch die fest eingebundenen Punk-Elemente nicht überhören kann, sind so schwarz wie der schwärzeste Jüngste Tag! Sagen wir: Sister trampeln auf der Spur, die die etwas älteren Murderdolls und Wednesday 13 angelegt haben – doch der schwarze Sleaze, mit dem Sister ihr musikalisches Vokabular ausgestattet haben, platziert sie an einem unverwechselbaren Platz in der Menge der Bands, die (breiter betrachtet) die genannte Bewegung vertreten (Crazzy Lixx, Hardocre Superstar, Chrashidet,…). Den Namen sollte man dabei keinesfalls mit dem legendären Los-Angeles-Duo Blackie Lawless und Nikki Sixx desselben Namens verwechseln, das kurzzeitig in der zweiten Hälfte der Siebziger auf dem Horizont auftauchte, bevor die beiden Musiker getrennte Wege gingen – dem großen Ruhm entgegen.
Den Konzertabend eröffneten die lokalen Größen Ransom Call. Das Quintett, das seine musikalische Doktrin als Ableitung von Hard Rock und Punk definiert, in die auch eine teilweise Inspiration durch die neue Welle des skandinavischen Sleaze Rocks eingewoben ist, war die passende Wahl als Einstieg in den Sturm mit Sister. Die Band präsentierte Material beider Demo-Veröffentlichungen »Creatures on the Loose« und »Lobotomized«, In Schwarz gehüllt, fügt sich die Präsenz von Glam und Kitsch schön ein (ohne dass die Jungs dabei übertreiben), vorbildlich kompaktes und eingespieltes Spiel eines souveränen Auftritts, mit einem spezifischen, rau-düsteren Vokalansatz, an den man sich womöglich etwas mehr Zeit nehmen muss, um ihn sich zu gewöhnen, definiert die Band als slowenische Besonderheit – denn solche Besetzungen sind, wenn sie bei uns überhaupt auftauchen, eher Ausnahme als Regel. Spielzeit gut ausgenutzt und überzeugende Ausführung. Auch das Publikum hielt die Band auf den Beinen, darunter Bekannte, die die Crew lautstark anfeuerten. Eine Band mit der richtigen Dosis Gift – und hoffen wir, dass sie ihre zugespitzte Sleaze-Pose auch in Zukunft wirkungsvoll ausbauen, pflegen und erweitern werden.
Sister ergossen sich über die Bühne wie eine wütende Horde roter Ameisen. Ohne Zügel eroberten sie die Bühne und unterjochten das Publikum sofort. Ihr musikalischer Ansatz, der – im Gegensatz zum Kitsch, der zum obligatorischen Bestandteil der Bühnenpräsenz der Band gehört – genau das Gegenteil bewirkt. Er wirkt völlig entblößt, nackt, aber scharf und fettig durch einen extrem zugespitzten Sound. Schwarze Feuerzungen erfassten die Location im Nu! Das kleine Publikum, bescheidene fünfzig, vielleicht sechzig Köpfe, fraß der Band begierig aus der Hand. Das ist eine Band, die alle Punker und Metaller (aus sämtlichen Subgenre-Sphären) gesehen haben sollten, um zu begreifen, was die wahrhaft süße und authentische Dreckigkeit des schwärzesten musikalischen Untergrunds ist. Sänger Jamie ist mit seinen extremen – ich werde einfach den Ausdruck brutal kreischend benutzen – Vocals, die mehrfach an einen Growl grenzten oder tatsächlich ins Grunzen abglitten, der erste Magnet, der dich sofort packt. Der ausgelassene und ungezügelte Sänger, mit der echten Pose aus Lausbuben-Attitüde und ungezähmtem »cocky« Provozieren, vollführte auf der Bühne wahre Akrobatik, interagierte mit fast jedem Einzelnen im kleinen Publikum und versuchte, aus jedem Zuschauer wirklich jeden Atom an Gegenenergie herauszuholen. Auch die beiden anderen Läufer – Bassist Rikki Riot und Gitarrist Tim Tweak – blieben ihm dabei auf der Bühne nichts schuldig und wechselten die ganze Zeit die Positionen an den Mikrofonen. Die chemische Bindung zwischen den Reaktionen des Publikums und dem aufgeheizten Quartett war außerordentlich – und es ist wirklich schade, dass nicht mindestens doppelt so viele Leute in der Location waren. Die Band stellte das neue Album »Disguised Vultures« (2014) vor, die Setlist füllte sie natürlich auch mit Tracks des Debüts » Hated« (2011), und die Band ließ auch die EP »Deadboys Making Noise« (2009) nicht aus. Und gegen Ende. So erklangen unter anderem vom neuen Album My Enemy, Sick, Disguised Vultures, Arise, und zum absoluten Abschluss das für zwei Runden verlängerte Please Kill Me, Gesellschaft in der Setlist machten ihnen noch Motherfuckers (Like You), Hated, Would You Love A Creature, Spit On Me, To Bad For You, Werewolves On Blackstreet und gegen Ende Crash Bum Bang
Schrapnell in die Stirn! Fantastische Ausführung, Energie, Authentizität! Genau bis zum Kern der musikalischen Aussage, die Sister so leidenschaftlich und engagiert vertreten. Hoffen wir, dass dies nicht ihr erster und letzter Besuch war und dass sie in unsere Gefilde noch einmal zurückkehren.
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