Scary Creatures
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: BrainStorm
Label: AFM Records
Erscheinungsjahr: 2016
Bewertung: 4/5
Das elfte Studioalbum der harten deutschen Power/Thrash-Metal-Krieger Brainstorm aus Heidenheim, betitelt als »Scary Creatures«, setzt die Siegesserie exzellenter Veröffentlichungen der Band aus den letzten Jahren fort. »Scary Creatures« ist die logische Fortsetzung der Geschichte, die auf dem hervorragenden Vorgänger »Firesoul« (2014) erzählt wurde.
Brainstorm sind Schwerarbeiter. Und da sie sich gleichzeitig in einem kreativen Höhenflug befinden, wissen sie, dass man das Eisen schmieden muss, solange es heiß und glühend ist. Daher erscheint das neue Album schon nach gerade mal zwei Jahren, und qualitativ lassen Brainstorm dabei keineswegs nach. Denn auch »Scary Creatures« ist ein unglaublich reifes, ausgefeiltes, im Detail definiertes und deshalb kompakt strahlendes Metal-Album mit den ausgeprägten typischen Elementen, hinter denen der musikalische Fingerabdruck dieser Band steckt. Nicht mehr, nicht weniger. Damit pflegen und vertiefen Brainstorm auf Basis reicher Reifeerfahrungen weiterhin wirkungsvoll ihren unverwechselbaren musikalischen Ausdruck, der sie auf einen besonderen Platz im deutschen und europäischen Power Metal setzt.
Unterm Strich wirkt dieses Album eine Spur musikalischer als »Firesoul« und fühlt sich deshalb vielleicht auch etwas klassischer nach Power Metal an – obwohl die »gethrashten« Gitarrenphrasen, mit denen Brainstorm ihre Ideen schon immer auf eigenwillige Weise bestücken, wieder da sind und das Album damit von vorne bis hinten vollgepackt ist. Die Band hat die Refrainmelodien mit großer Pompösität aufgeladen. Diese hauen nämlich auf Anhieb ausgesprochen bombastisch rein. Unterlegt werden sie jedoch von einer extrem messerscharf geschliffenen Riff-Maschinerie, die auf giftig gezackten Zahnrädern torpedierender rhythmischer Kinetik läuft – durch das gnadenlose Detonieren des Doppelbass-Pedals und durchdringender Basslinien. Daher liefert auch »Scary Creatures« den richtigen Charakter eines Mittelwegs zwischen melodischer Eingängigkeit und rechtgläubiger Metal-Schärfe – einer unnachgiebig treibenden Abgebrühtheit, die keinen Moment nachlässt.
Die mittleren instrumentalen Passagen werden in melodische Modulationen gelenkt, in denen beide Gitarristen erstklassige Soli platzieren und dabei malerische Wechsel zwischen blitzschnell gezupften Arpeggios und gefühlvoll abgestimmten Passagen aneinanderreihen – während die Band beim Arrangieren keinen Moment den außergewöhnlichen Fokus auf die kompositorisch kompatible Verknüpfung der Leitmotive verliert. Dadurch entwickeln die Songs eine außerordentliche Stimmungsgraduierung bis hin zum Crescendo in den Refrains, während sich die Atmosphäre in den Mid-Eights wirkungsvoll schwindelerregend dreht. Das dramatische Theater und der düstere Charakter dieses Albums haben der Band erneut das entscheidende Ass zugespielt. Brainstorm bestätigen ihre Reife auch durch äußerst einfallsreiche orchestrale Einschübe, mit denen sie die Atmosphäre einzelner Songs vertiefen und die Klanglandschaft der neuen Stücke kontrastieren. Dass die beiden Gitarristen einzelne Gitarrenphrasen immer wieder mit höllischer Geschwindigkeit harmonisierter Terz-Ornamentik »zerfetzen«, muss man kaum extra betonen. Die deutsche Schule im Umgang mit Heavy Metal eben!
Eine Besonderheit des Albums ist auch die Einbindung der Kinder der Bandmitglieder selbst, die Chorsequenzen eingesungen haben – so etwa im aufwühlend pompösen We Are. Textlich ist das neue Brainstorm-Album persönlicher und bekenntnishafter ausgerichtet als sein Vorgänger.
Was bleibt am Ende zu sagen? Das Album »Scary Creatures« ist wieder ganz auf alle eingefleischten Brainstorm-Fans und Liebhaber der pursten und überzeugendsten Sphäre des europäischen Power Metal zugeschnitten. In den letzten Jahren lassen sich zwischen den Alben von Brainstorm und Primal Fear so manche kompositorische Parallelen finden – daher ist der Schritt, dass die beiden Bands bereits zum dritten Mal gemeinsam auf Europa-Tour gehen, absolut logisch und mehr als gerechtfertigt.
Besetzung
Andy B. Franck – Gesang
Torsten Ihlenfeld – Gitarre
Milan Loncaric – Gitarre
Antonio Ieva – Bassgitarre
Dieter Bernert – Schlagzeug
Produktion
Achim Köhler
Trackliste
1. The World To See
2. How Much Can You Take
3. We Are
4. Where Angels Dream
5. Scary Creatures
6. Twisted Ways
7. Caressed By The Blackness
8. Scars In Your Eyes
9. Take Me To The Never
10. Sky Among The Clouds