Say Hello To Tragedy
Künstler: Caliban
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2009
Laufzeit: 50:02
Wertung: 3.5/5
Caliban, die Deutschen aus Hattingen, sind eine Band, die seit mehr als zehn Jahren auf der Musikszene aktiv ist. Sie gehören zu den wichtigeren Bands, die in der zweiten Hälfte der Neunziger tiefe Spuren im damals erwachenden Metalcore hinterlassen haben. „Say Hello To Tragedy“, ein zugegeben ziemlich blöd betiteltes neues Album, ist die Fortsetzung ihres Werks in der typisch europäischen und unverwechselbaren Manier. Ein klassischer Ansatz also. Mit jeder Menge Melodie.
Caliban schöpfen in ihren Riffs aus einigen Elementen des Thrash Metal der Achtziger, den Bands auf europäischem Boden wie Sodom, Kreator, Destruction geprägt haben. Die Gemeinsamkeiten mit ihren Zeitgenossen Killswitch Engaged sind nicht zu überhören, allein schon wegen Adam Dutkiewicz, der für den Mix des Materials gesorgt hat, wie auch wegen des Stils, der z.B. in einem Song wie End This Sickness die Fans von Killswitch Engaged abholt. Wenn man dem Refrain von Walk Like The Dead lauscht, sind sogar Parallelen zu Korn nicht ausgeschlossen. Ein bisschen sind Caliban auch den Göteborger In Flames verpflichtet, in der Gesamtschau aber funkeln durch diese Mischung der genannten Einflüsse der unverwechselbare Ansatz der Band Caliban deutlich heraus.
Das brutale Gesangsrepertoire, das Caliban einsetzen, ist auch auf dem neuen Album eine Kombination aus tiefen „Cookie Monster“-Grölern, typisch für Death Metal, und höher intoniertem Gekreische, was zur stilistischen Pflicht des „Core“-Etiketts gehört. Dazu fügen sie an einzelnen Stellen ein „emo-artiges Jammern“ hinzu, das in Kombination mit dem extremen Gesang vor allem bei der Melodiegestaltung im Refrain auftaucht. Und was das Wichtigste ist: Es stört nicht – es ist vielmehr ein schon in der Vergangenheit mehrfach eingesetzter Caliban-Trick, dem die Jungs auch auf dem neuen Album treu bleiben. Caliban sind Hüter einer giftig-düsteren Atmosphäre, die sie meisterhaft beschwören, besonders im mittleren instrumentalen Teil des Songs No One Is Safe, wenn sich Keyboards im Hintergrund einklinken, die das große Gespür dieser Band für effektive und ausgearbeitete Melodien noch einmal unterstreichen.
Die Produktion ist kristallklar, die Gitarren sind bis zum Maximum geschärft und schneiden gefährlich und gnadenlos durch die gesamte Spielzeit des Albums. Man hat zwar das Gefühl, dass Caliban mit dem neuen Album lediglich die bewährte Formel wiederholen, mit der sie zum unverwechselbaren und geschätzten Faktor der heutigen Metalcore-Szene geworden sind. Dabei sollte man aber das wichtige Faktum nicht übersehen, dass wenn du auch „Say Hello To Tragedy“ auflegst, kein Gefühl aufkommt, es nur mit einer von der Horde an Bands zu tun zu haben, die vor allem der amerikanische Markt in diesem Genre ausspuckt und die sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Caliban bleiben weiterhin ganz sich selbst, treu ihrer eigenen Sprache, die in vielerlei Hinsicht die Entwicklung dieses Genres im neuen Jahrtausend beeinflusst hat – und „Say Hello To Tragedy“ ist ihr neues Album, das in jeder Hinsicht allen treuen Fans dieser Band auf den Leib geschrieben ist!
Besetzung
Andreas Dorner – Gesang
Denis Schmidt – Gitarre, Gesang
Marc Goertz – Gitarre
Marco Schaller – Bass
Patrick Grun – Schlagzeug
Produktion
Benny Richter
Trackliste
01. 24 Years
02. Love Song
03. Caliban’s Revenge
04. End This Sickness
05. Walk Like The Dead
06. No One Is Safe
07. Liar
08. The Denegation Of Humanity
09. Unleash Your Voice
10. All I Gave
11. In The Name Of Progression
12. Coma