Satyricon

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Autor: Sebastijan Videc

Künstler: Satyricon
Label: Roadrunner Records
VÖ: numbers
Laufzeit: 51:22
Wertung: 3.5/5

Norwegen gilt als Heimat des Black Metal, und eine der Bands, die das Genre in den Neunzigern maßgeblich geprägt hat, ist Satyricon. Fünf Jahre! Fünf Jahre musste man auf ein neues Werk des norwegischen Duos warten, doch leider hinterlässt das selbstbetitelte Album einen bitteren Nachgeschmack – als hätte niemand mehr das Steuer in der Hand. Es wirkt, als würde das einst mächtige Höllenmonster aus dem kalten, fernen Norden langsam aber sicher stumpf und zahnlos. Dass die Fanzahl mit jedem neuen Album schrumpft, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen – und ich bin überzeugt, dass ihnen mit diesem Album noch mehr Fans den Rücken kehren werden.

Zum ersten Mal in ihrer Karriere eröffnen Satyr und Frost ihr Album mit einem Intro – dem orientalisch klingenden Voice of Shadows. Das gut zweieinhalb Minuten lange Intro wird trotz interessanter Melodien schnell repetitiv und langweilig. Leider fließt es nahtlos in Tro og Kraft über, das nichts anderes ist als eine öde Fortsetzung des (zu) langen Intros – ironisch dabei der Titel: »Hoffnung und Kraft« – davon ist hier leider nichts zu spüren. Our world, it rumbles tonight kämpft mit denselben Problemen, und das Warten auf einen Wendepunkt und eine Druckwelle ist vergebens – der gelegentliche Keyboardeinsatz rettet zumindest ansatzweise die Atmosphäre. Wer bis jetzt noch nicht das Handtuch geworfen hat, den entschädigt Nocturnal Flare. Zwar leidet er nach wie vor unter Wiederholungen, aber das flottere Tempo, die melodischen Riffs und ein schöner instrumentaler Teil mit Solo in der Mitte retten ihn.

Es folgt die größte Überraschung des Albums – Phoenix. Cleane Vocals im Black Metal sind keine Selbstverständlichkeit, und ehrlich gesagt klingt dieser Song auch kaum nach Black Metal. Den Gesang steuerte für dieses Stück Sivert Høyem (Madrugada) bei, und stilistisch würde man ihn eher einem Nick Cave oder Johnny Cash zuschreiben als Satyricon. Walker Upon the Wind zündet unvermittelt, und Vergleiche mit Nemesis Divina sind gar nicht so falsch, während Nekrohaven das wilde Tempo vielleicht nicht ganz hält, uns aber mit Melodien und Riffs verwöhnt, die auf der bevorstehenden Tour für Headbanging sorgen werden. Satyricon-Fans werden darin die Ähnlichkeit mit dem älteren Hit Fuel For Hatred erkennen. Auf das harte und schnelle Ageless Northern Spirit folgt das epische, fast acht Minuten lange The Infinity of Time and Space. Das Zusammenspiel von Frosts schnellen Übergängen, Satyrs Growling, langsamen, fast schon gothischen Passagen und eingestreuten Rezitationen verlangt wirklich vollste Hingabe – ein echtes Meisterwerk. Das Album schließt mit dem knapp vierminütigen Instrumental Natt, das sowohl die zweite Albumhälfte als auch – man könnte sagen – das gesamte Album melodisch abrundet.

Das Hören von Satyricon vermittelt das Gefühl, dass es Satyr und Frost schlicht egal ist, was andere denken. Und das ist auch gut so – trotzdem kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass sie dem eingefahrenen Black’n’Roll-Stil der letzten drei Alben zu sehr verhaftet bleiben und zu wenig experimentieren. Phoenix und The Infinity beweisen in diesem Fall das Gegenteil, aber die meisten werden sich noch mehr davon wünschen. Interessant finde ich auch die Reihenfolge der Tracks: Sie wirkt wie umgekehrt – die knalligeren Stücke landen in der zweiten Hälfte, was die »we don’t care«-Haltung nur noch unterstreicht. Satyr erklärte vor dem Release in einem Interview, das Album sei vollständig analog aufgenommen und der Sound nicht weiter bearbeitet worden – ob das stimmt oder nicht: Die Produktion ist jedenfalls hervorragend, was sich sowohl in den langsamen, von warmen Bässen getragenen Rhythmen als auch in den schnelleren Stücken zeigt. Satyricon ist ein Album, das dir entweder gefällt oder nicht – um dir aber unter die Haut zu kriechen, braucht es einige Durchläufe. 

Besetzung

Satyr (Sigurd Wongraven) – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboards 
Frost (Kjetil-Vidar Haraldstad) – Schlagzeug

Produktion

Satyr

Tracklist

01. Voice Of Shadows
02. Tro Og Kraft
03. Our World, It Rumbles Tonight
04. Nocturnal Flare
05. Phoenix
06. Walker Upon The Wind
07. Nekrohaven
08. Ageless Northern Spirit
09. The Infinity Of Time And Space
10. Natt

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