Rykarda Parasol, 7.5.2014, Channel Zero
Autorin: Nina Grad
RYKARDA PARASOL
(Dark Rock, Folk, Gotik, Alternative-Country – San Francisco/Paris)
ZEITPLAN:
21:00 EINLASS
21:30 RYKARDA PARASOL
Mittwoch, 7. Mai ’14, Channel Zero, Ljubljana
Beim ŠKUC-Bubi wird 2014 offenbar das Jahr der Frauen. Nach der phänomenalen Anni Calvi steht ein Treffen mit einer weiteren zeitgenössischen Rock-Vertreterin bevor, die sich hinter dem etwas exzentrischen Namen Rykarda Parasol verbirgt. Die blonde Frau, die auf den ersten Blick wie ein »braves Mädchen« aus einer Tarantino-Szene wirkt, ist keine große Sonderlingin, neigt aber zu rätselhaften, düsteren Klängen oder dem sogenannten Noir Rock, wie sie ihr eigenes Schaffen selbst bezeichnet.
Was verrät uns Rykarda eigentlich auf der Schattenseite des San-Francisco-Sonnenschirms? Der Ausgangspunkt ähnelt dem von Calvi durchaus, da beide Künstlerinnen wiederholt als Nachfolgerinnen von PJ Harvey bzw. als weibliche Variante des »Höhlen«-Nick bezeichnet wurden; verbunden sind sie auch durch ihre Zuneigung zum »Vintage«-Ausdruck. Das unverkennbare Markenzeichen von Parasol ist zweifelsohne ihr autoritativer, rauer Alt, der eine beträchtliche Bandbreite besitzt und daher nicht selten deutlich nach oben ausschlägt. Noch etwas haftet ihr wie permanenter Klebstoff an – ihre Vielseitigkeit: Sie komponiert, textet, singt, produziert und bespielt nach und nach das gesamte Repertoire selbst, und kümmert sich dabei zugleich auch um die visuelle Seite. Externe Hilfe sind einzig musikalische Gleichgesinnte, mit denen sie in der Vergangenheit reichlich Ärger hatte. Eine festere Begleitband fand sie schließlich in Warschau, der Heimat ihres Vaters; das Mädchen selbst ist polnisch-schwedischer Abstammung und eine abenteuerlustige Weltenbummlerin, die in den letzten Jahren ihr Refugium in Paris gefunden hat.
Mit zehn Jahren auf dem Tacho und dem Do-it-myself-Prinzip hat sie ihre düsteren Verse bislang auf drei Alben verteilt; am breitesten aufgestellt ist das jüngste Against The Sun (der Titel ist eine Übersetzung des Wortes Parasol aus dem Lateinischen/Französischen), auf dem sie reichlich Akustikparts, edle (Klavier-)Arrangements, Pfeifen und lebhafte mehrstimmige Refrains eingeflochten hat. Rykarda hat nicht nur ein außergewöhnliches Gehör, sondern auch ein ebenso geschärftes Gespür für eingängige Songs; gleichzeitig ist sie eine große Liebhaberin von französischem Pop, Motown, britischem Mod-Rock, Factory-Psychedelia und mörderischen Balladen. Aus all dem knetet sie ihren ganz eigenen Gothic Rock, der zwar düster ist, aber im gleichen Atemzug Leichtigkeit und Lebendigkeit ausstrahlt. Parasols Stimmung ist schwermütig, blutig, sexy und berauschend, genauso wie jeder anständige Film noir. Ihr eigener würde den Titel Der geheimnisvolle Parasol tragen, wäre aber keineswegs todernst, denn das Mädchen kennt zum Glück den ein oder anderen Witz.
“Sounds like Siouxsie Sioux fronting the Gun Club — it’s weirdly gorgeous. (She) is obviously kind of intense, finding great beauty in great sadness.” (LA Weekly)