Rockville

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: FM
Label: Membran
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 51:08
Wertung: 5/5

FM sind legendäre britische AOR-Größen, die gerade ihren zweiten Frühling erleben. Anders als die schottischen Strangeways, die mit neuen Veröffentlichungen einfach nicht in die Gänge kommen, haben FM 2010 mit »Metropolis« ein hervorragendes Comeback-Album hingelegt. Und ein Ende dieser schönen Geschichte ist auch mit dem neuen Album »Rockville« nicht in Sicht! Dem ersten »Rockville«-Album. Dem ersten? Stimmt. FM haben im März 2013 gleich zwei Alben im Abstand von 14 Tagen veröffentlicht. »Rockville« ist das erste, erschienen am 11. 3. 2013, 14 Tage später folgte »Rockville II«. Ursprünglich war ein Doppelalbum geplant, doch FM entschieden sich für zwei separate Veröffentlichungen.

FM platzen vor frischen Ideen. Das Herzstück und die treibende Kraft der Band ist zweifellos Sänger Steve Overland. Er war durchgehend aktiv. Selbst als FM mehr oder weniger auf Eis lagen, war Overland als Sänger für Shadowman und The Ladder tätig, veröffentlichte zwei Solo-Studioalben und startete im Jahr 2000 das kurzlebige Projekt So! zusammen mit FM-Schlagzeuger Pete Jupp. Diese Kreativität von Steve Overland überträgt sich auch auf die schöpferische Chemie der neuen FM.

Die neuen FM klingen natürlich wie FM! Gleichzeitig haben sie, entsprechend ihrer Reife, Einflüsse aus den genannten Aktivitäten von Steve Overland aufgesogen – auch wenn diese in erster Linie an FM selbst erinnern. Die unverwechselbare Qualität von Steve Overlands Gesangsinterpretation ist nämlich jener Veränderungsfaktor, der jeden musikalischen Körper prägt, in dem sich dieser Sänger wiederfindet. Der wiedererkennbare Kern der musikalischen Essenz von FM ist also da. Und die jungen AOR-Epigonen können wieder nur von ihnen lernen! Da ist die vollendete Riff-Spannung, auf die richtige Stärke im Klangbild kalibriert, die Keyboards mit der Wärme eines Hammond-Sounds treten immer häufiger in den Hintergrund und halten dabei gleichzeitig die riffende Erektion des Gitarrenspiels effektiv aufrecht. FM reifen wie ein guter alter Wein. Und sie verstehen es, ein Album mit kräftigen Stimmungswellen zu dosieren, die in atmosphärischen Höhepunkten Gänsehaut auslösen.

Der Track »Only Foolin’« ist ein Paradebeispiel für einen FM-Hitsong, geschrieben für die neue Zeit. Er trägt die typische Essenz der AOR-Zünder der Achtziger in sich. Eine Kuhglocke ist clever danebengepflanzt, was den Rhythmen eine kompakte Wucht verleiht, und die Verbindung zwischen Strophe und Refrain ist außergewöhnlich! Sie werden durch eine Pre-Chorus verbunden, die den Hörer schrittweise aufheizt und ihn effektiv in das Crescendo des triumphalen Refrains führt. »Only Foolin’«? FM-typischer geht’s wirklich nicht. Eine Bombe von einem Song. Ein Song, der ein immergrüner Radio-Hit hätte sein müssen, wenn FM ihn in den Achtzigern rausgebracht hätten. Er könnte die Radiofrequenzen auch heute noch füllen – was natürlich nicht passieren wird. Die Achtziger sind vorbei. Die Kraft des Riffs im Zusammenspiel mit der sinnlichen Interpretation des überragenden Steve Overland und der richtigen Prise Pop-Rhetorik. Alles im Dienst der Suche nach der perfekten Ausschöpfung des melodischen Potenzials. Ganz zu schweigen von der erotogenen Ohrenmassage durch Jim Kirkpatricks faszinierendem Solo. »Only Foolin’« erschien bereits im vergangenen Jahr auf der gleichnamigen EP. Diese war eine Mischung aus neuem Material (drei neue Songs) und Live-Mitschnitten. FM sind live wieder sehr aktiv, vor allem auf den britischen Inseln. Mit etwas Glück hat ihn der ein oder andere von euch vor zwei Jahren beim Sweden Rock Festival erwischt.

An Bombast mangelt es dem Album keinen Moment lang. Es geht um eine außergewöhnliche Flüssigkeit, eine außergewöhnliche Optimierung im Herausarbeiten verführerischer Leitmotive, die sich „auf Anhieb“ unter die Haut schleichen. Fans des klassischen AOR-Prinzips werden in vollen Zügen genießen. Def Leppard können von einer solchen Brillanz des AOR-Songwritings, wie FM sie im kleinen Finger der linken Hand besitzen, heute nur träumen. Wer nach einem neuen Song von ähnlicher Eingängigkeit wie »Only Foolin’« sucht, findet ihn im weiteren Verlauf des Albums ganz sicher in »Show Me The Way«. Dieser ist eine etwas zurückhaltendere, aber sinnlich ausdrucksstarke, halbballadhafte Meisterleistung, in der sich einmal mehr die außergewöhnliche Kompositionsstärke von FM (in ihren reifen Jahren) manifestiert. Ein Typ von Song, dem man nichts wegnehmen und nichts hinzufügen kann.

Obwohl Def Leppard und FM Lichtjahre voneinander entfernt sind, sind gerade FM mit ihrer momentanen Aktivität eine außerordentlich willkommene, wiedergeborene klassische Band, die ihren neuen Frühling erlebt und mit ihrer Aktivität jenes Defizit in der AOR-Szene füllt, das Def Leppard nicht zu füllen imstande sind. Ob sie es nicht wollen oder nicht können – untröstliche Pessimisten können alle Hoffnungen gleich begraben. Dieses Loch stopfen heute effektiv FM. »My Love Bleeds« trägt einen Übergang in sich, der aus multiharmonischer Vokal-Verdopplung aufgebaut ist – diese ziert Overlands Leadgesang auf feinfühlige Weise und belebt den dramatischen Moment des Albums zusätzlich. Dieses Element des Songwritings beherrschen FM so gut und so verführerisch, wie es Def Leppard in ihren besten Zeiten taten. Natürlich sind diese Harmonien „FM-typisch“, erinnern aber dennoch stark an die Arrangierungsprinzipien der goldenen Def-Leppard-Ära. In »Rockville« werdet ihr also ganz sicher ein teilweises Pflaster für die Wunde finden, ihr alle, die ihr schon eine Ewigkeit auf ein „normales“ Def-Leppard-Album wartet.

Es ist unglaublich, woher eine Band ein so feines Gespür für das Schreiben von Songs schöpft, die in ihrer Aussage maximal zünden. Botschaft, Leadmelodie, deren Entwicklung im Einklang mit den Gesangslinien – alles ist von Anfang an so zusammengefügt, dass es sich gegenseitig verstärkt, und deshalb sind die Gefühle umso intensiver! »Rockville« ist voller Melodien, die sofort wirken. Radiofreundliche Vibration, perfekte Dosis Rock, Pomp und eine Prise Pop. Mit lebendiger und dynamischer Produktion. Und diese außergewöhnliche Chemie lässt im Laufe des Albums keinen Moment nach. Anthem auf Anthem reiner AOR-Magie. Es verlangt nur eine einzige Sache: dass du dich ihr vollständig hingibst und dich von ihr mitnehmen lässt! »Rockville« ist ein Album von vollendeter Brillanz, das bei all jenen, die für AOR-Musik empfänglich sind, noch lange, lange nachdem sie es in ihre CD-Sammlung aufgenommen haben, Gänsehaut auslösen wird. Und Achtung: Das ist erst das erste »Rockville«-Album. Es folgt noch »Rockville II« – aber dazu mehr beim nächsten Mal! Der exzellente Vorgänger »Metropolis« war also nicht nur ein erster Vorbote. Das Album seiner weiteren Weiterentwicklung, »Rockville«, bringt für FM tatsächlich einen neuen Frühling!

Besetzung

Steve Overland – Gesang, Gitarre
Jim Kirkpatrick – Gitarre, Hintergrundgesang
Jem Davis – Keyboards
Merv Goldsworthy – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Pete Jupp – Schlagzeug, Hintergrundgesang

 

Produktion

FM

Trackliste

01 Tough Love
02 Wake Up The World.
03 Only Foolin’
04 Crave
05 Show Me The Way
06 My Love Bleeds
07 Story Of My Life
08 Better Late Than Never
09 Crosstown Train
10 Goodbye Yesterday
11 High Cost Of Loving

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