Rock Fest Vodice 2012!

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Vodice / Kulturni dom / Slowenien
Konzertdatum: 14.09.2012
Besucherzahl: 400
Kartenpreis: 0,00 € (freier Eintritt)

Es ist schön, gelegentlich den Hintern aus Ljubljana in irgendeinen Dorfwinkel zu verfrachten, wo die Zeit anhält und du auf dieses Gefühl unschuldiger Naivität und Ursprünglichkeit triffst – wenn dich am „Sündenort“ der Türsteher empfängt, der obendrein sogar mit einem slowenischen Bergmagazin dasteht und dich freundlich um ein Feuerzeug bittet, damit er sich seine hart verdiente Zigarette „ansteckt“,…  Nennen wir es so: Hier wagen die Menschen noch zu hoffen – im Gegensatz zur Hauptstadt, die sich immer mehr in ein Nest verrückter Orks verwandelt. Vor allem wenn eine Scheißwoche hinter dir liegt, trifft dich dieser Kontrast umso intensiver. Im Kopf hast du nur eine Sache. Totale Abschaltung!

Vodice mit seinem Rock-Festival! Brillant! Schon das zweite in Folge – also noch ein junges Festival. Fünf Bands mit Headliner Adam und auf der Liste unter anderem die Folk-Metaller Brezno. Klingt verlockend! Es ist acht Uhr, kurz nach acht, in der Halle des Kulturni dom in Vodice brummt und knistert es schon fröhlich, L.S.D. – »Lepi slovenski dečki« kalibrieren ihre Instrumente auf die richtige Betriebstemperatur. Vielleicht hat der eine oder andere von euch den Namen dieser Band dank  der Kompilations-CD  Val 202 »Imamo Dobro Glasbo« für das Jahr 2011 aufgeschnappt, auf der sich der Song Rit pa srajca befindet – den die Jungs natürlich auch diesmal gespielt haben. Die Jungs ballern Punk Rock, Rock ’n‘ Roll – erfinden im Grunde das warme Wasser nicht neu. Am meisten sticht der nörgelnde Gesang heraus, der uns mit seinem Gebrüll zurück vor die Schwelle des Kulturni dom getrieben hat. Solide Akteure, die sich überhaupt nichts aus ihrem äußeren Erscheinungsbild machen. Windjacken – vor allem rote – haben im Rock nichts verloren, außer wenn du von der Zeichentrickserie „Feuerwehrmann Sam“ inspiriert wirst. Na gut. Alternative verträgt so einiges.

Manana haben ihr Repertoire aus Rock- und Metal-Evergreens zusammengestellt. Die Gruppe hielt besonders zu Beginn eine solide Atmosphäre aufrecht, die ständig knapp 100 Neugierige vor der Bühne hielt – die im Rhythmus bekannter Hits wippten. In der Besetzung fällt definitiv der junge Gitarrist auf, der links stand (aus Bühnenperspektive). Der zählt augenscheinlich noch keine 20 Jahre. Die Nutzung eines kabellosen Gitarrensystems, einer Gibson Les Paul, und vor allem das punktgenaue Nachspielen von John Norums Solo in The Final Countdown (Europe) sowie die Kühnheit, mit der der Bursche so solide Werke von Gary Moore, Slash und Brian May interpretiert, zeugen von einem Talent, das seine Mitstreiter in der Band schon lange weit hinter sich gelassen hat und bald woanders neue Herausforderungen suchen muss, um sein großes Talent zu kapitalisieren und weiterzuentwickeln. Ein Talent, das obendrein alle Dinge auch sehr ernst nimmt. Hut ab vor dem Kerl! Der einzige Faktor, der die ganze Sache etwas getrübt hat, war gelegentlich der Gesang, der oft um mindestens einen halben Ton von der richtigen Melodie abwich. Das hat nichts mit dem Gehör des Sängers zu tun – daran mangelt es ihm sicher nicht –, sondern eher mit den Eigenheiten der Bühnenbeschallung, wo der Gesang im Mix offenbar den Kürzeren gezogen hat. Der Sänger hat auf der Bühne offensichtlich die anderen Instrumente nicht gehört, und so verlor die ideale Melodie ihre richtige Orientierung.

Ne Še, eine Band mit interessantem Namen, der eigentlich nichts sagt, kommt aus Vodice und  ist seit 2005 aktiv. Im vergangenen Jahr haben sie ihr Debüt »Iluzija« veröffentlicht. Eigenkomponierte Musik und das Bühnen-»Image« haben Charakter. Wenn man das Ganze kurz analysiert, liegt der Vergleich nahe, dass Ne Še versuchen, auf die Karte melodischer Metal-Eingängigkeit zu setzen – dosiert, zumindest was die Ausdruckskraft der Keyboards betrifft – auch mit einer symphonischen Komponente. Ungeachtet der Tatsache, dass es sich um eine junge Band handelt, ist diese abgebrüht genug, um fest daran zu glauben, wie wichtig die Bühnenoptik ist. Und so ist es auch richtig. Rock ’n‘ Roll verträgt in dieser Hinsicht so ziemlich alles – außer Skimütze und Schal. Gezuckerte Rocker in roten Hemden, zugeschnittenen Handschuhen, aus denen die Fingerchen hervorlugen, gegelte Kurzhaarfrisuren, Emo-Blicke,… Sonderlich clever ist das nicht. Aber es zählt natürlich in erster Linie die Musik. Die eigene natürlich.  Ne Še ballern Metal-Riffs, die – wie erwähnt – in Richtung Symfo-Power-Folk-Komponenten steuern. Also Trendy-Tricks finnischer Bands – wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass die Gruppe ein Gespür für Form, Anfang und Ende sowie einen herausstechenden Refrain hat, der die Aufmerksamkeit umlenkt. Kombinierter Frauen-Männer-Gesang, Flöte als Zugabe. Sehr vielversprechend. Die Kerle sind noch nicht mal volljährig! Die Band trägt Potenzial in sich und kann mit den richtigen Schritten in Zukunft das Eis brechen und sich ein Feld breiterer Bekanntheit erschließen. Die Band ist befreundet mit Avven. Beide Bands haben bereits bei der ersten Ausgabe dieses Festivals – also im vergangenen Jahr – gespielt. Für diese Gelegenheit wurden Ne Še besondere Gäste auf die Bühne eingeladen. Neben dem Sänger und Gitarristen der Besetzung Avven, Primož Lajovic, vervollständigte die Bühne die ehemalige Brezno-Mitgliederin Ana Novak an der Geige. Diese erweiterte Besetzung spielte den Song der Gruppe Avven mit dem Titel Vvile.  Im Repertoire überraschte auch eine Coverversion des Uriah Heep-Klassikers Lady in Black – genau diesen Song haben früher auch Brezno gespielt, die danach die Bühne betraten.

Die slowenischen Folk-Metaller, die seit einiger Zeit erfolgreich in erneuerter Besetzung mit Sängerin Sara am Mikrofon und Eva an Flöte und Pfeifen weitermachen, während der Kern – gebildet von Katarina (Keyboards), Mitja (Bass), Max (Gitarre), Luka (Gitarre) und Matej (Schlagzeug) – unverändert bleibt. Die Besetzung hat erwartungsgemäß ihr bewährtes Eigenmaterial abgeliefert, das unter anderem die Songs Glasnik, V nebo, Dolina, Žanjica, Krst, Solze und Zarja umfasste und den enormen Fortschritt der Band unter Beweis stellte – hoffen wir also, dass das Studioerstlingswerk tatsächlich nicht mehr weit ist. Bei dieser Gelegenheit erschien auf der Bühne noch einmal auch die ehemalige Bandmitgliederin, Geigerin Ana Novak. Brezno bleiben, neben Aperion, die Band, die am mutigsten slowenische Volksmelodien in den Metal auf der slowenischen Szene gegossen hat – die allerdings zugunsten eines kräftigen Maßes an Symphonie etwas weniger im Vordergrund stehen als bei Aperion. Noch ein kompakter und in jeder Hinsicht gelungener Auftritt der Band, bei dem man keine Haare in der Suppe suchen muss. Bewährt.

Die Uhr hatte Mitternacht geschlagen, und wegen der späten Stunde sowie unaufschiebbarer Verpflichtungen am nächsten Tag musste der journalistische Teil der RockLine-Crew den Veranstaltungsort leider vorzeitig verlassen. Adam ist eine Band, die  für ihren herausfordernden Eklektizismus und streng definierten künstlerischen Anspruch bekannt ist. Neben dem Gitarren-Genie Peter Dekleva herrscht in der Adam-Crew nämlich ein ausgezeichnetes Miteinander des Quartetts, das von  Theremin-Liebhaber und Anavrin-Vokalist Damir Lisica, Bassist Anej Kočevar und Schlagzeuger Gregor Jakac vervollständigt wird. Die exzellente Alternative-Rock-Band, die es wagt zu experimentieren und neue musikalische Horizonte zu erschließen, hat laut Augenzeugen erneut ein ausgezeichnetes Konzerterlebnis geboten. Adam gelten als eine der ausdrucksstärksten und tiefgründigsten Rock-Bands auf der slowenischen Szene im Moment – daher werden wir die erste wirklich gute Gelegenheit freudig nutzen, um ihr Konzert in seiner Gesamtheit zu genießen. Bis dahin hoffen wir, dass euch die Konzertfotogalerie des Bandauftritts zufriedenstellt.

Rock Fest Vodice Nummer zwei war ein voller Erfolg. Hoffen wir, dass er auf der Szene bleibt, sich weiterentwickelt, wächst und seine Position im Raum festigt sowie an Bekanntheit und Ansehen gewinnt. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder in Vodice!  Danke auch dem Meister Yowdi für den ausgezeichneten Festivalsound!

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