Rising from the Ashes

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Weapon UK
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 48:15
Wertung: 4.5/5

Schon wieder melden sich Veteranen zurück, die die gewaltige Flutwelle der sogenannten NWOBHM-Invasion Anfang der Achtziger in Großbritannien ans Licht gespült hat.  Weapon UK wurden bereits 1980 gegründet, trugen zwei Jahre lang den »witzigen« Namen Fast Relief und benannten sich 1982 dann in Weapon um. Ironisch, oder? Jedenfalls mussten Weapon 2012 eine dritte Namensänderung vornehmen – auf Drängen einer deutlich jüngeren kanadischen Black/Death-Metal-Band mit demselben Namen. So hängten sie an Weapon noch den »geografischen« Zusatz »UK« an. Das grausame Schicksal wollte es, dass Weapon in den Achtzigern gerade mal zwei Singles und ein Demo veröffentlichten. 2003 erschien zwar eine Kompilations-CD mit verschollenem Bandmaterial unter dem Titel »Set the Stage Alight« – aber das ist natürlich nicht das, was sich ein Fan der härteren Gangart wünscht. Bis 2011, als die Veröffentlichung der Single zu Ready 4 U ein neues Erwachen der Band ankündigte.

Die kreative Hochform krönte die Band also endlich in diesem Jahr, und vor uns liegt ihr Studioerstling. Der erste nach 34 Jahren! Anders als man es beim NWOBHM-Etikett erwarten würde, ist bei Weapon UK die Präsenz klassischer Hard-Rock- und Heavy-Rock-Elemente enorm stark. Das belegen vor allem die ungemein eingängigen Refrains und Phrasen, die stilistisch manchmal sogar an die urwüchsige Rock-’n‘-Roll-Attitüde von Slade erinnern. Kein Wunder, dass Weapon UK immer wieder an ihre Landsleute Saxon erinnern.  Man kann sagen, dass die musikalische Komponente so ausgeprägt ist, dass Weapon UK – und das sei bewusst bizarr gesagt – den frühen Def Leppard näher stehen als irgendeiner der besonders spitz aufgestellten NWOBHM-Bands vom Schlage Tokyo Blade, Diamond Head oder Blitzkrieg. Hinzu kommen Riffs, die auch in Richtung Heavy Rock à la UFO ziehen können. Zum Beispiel die Stücke Warrior und/oder Burnig Skies. Beide sind brillante Mixturen aus ansteckenden Gitarrenphrasen, mitreißenden Leadmelodien und ausgewachsenem Dramatheater, vollgestopft mit Bombast – wobei auch Fans von Saracen, Airrace und/oder Praying Mantis die Ohren spitzen dürften.  

Die altgedienten Musikveteranen schöpfen ihre reichen Erfahrungen, ihr Wissen und Können auf diesem Erstling voll aus! Die Kameradschaft ist außergewöhnlich, die Bausteine existieren in phänomenaler Symbiose. Alles sitzt optimal. Die gesamte Umsetzung der Ideen und der musikalischen Vision. Der Gesang von Danny Hynes bewahrt enorme Kraft, Charisma und die meisterliche Flexibilität, sich den Aussagen der Songs anzupassen. Auf diese Weise ist Hynes einer der wichtigsten Gestalter der dynamischen Stimmungswechsel innerhalb der Songs. Die Tracks stehen als vollblütiges Ergebnis optimalen Komponierens da. Das stufenweise Anwachsen der Stimmungen erreicht mit großer Effizienz atmosphärische Gipfelpunkte in den Refrainmelodien; die Songs enthalten in der Regel eine Bridge (Pre-Chorus), und die Band versteht es, mit geschickt kompatiblen melodischen Modulationen (auch in den Rhythmikebenen) die Songs gekonnt zu beleben – besonders in den ausgezeichneten »mid eight«-Passagen. Das Solieren ist klassisch! Aus der Blues-Rock-Schule geboren. Die Ballade Alamein ist definitiv einer der Ausreißer und zugleich ein Höhepunkt des Albums. Düstere Dramatik, gewürzt mit einem Element Pomp, ohne den kleinsten Anflug zuckersüßer Gefühlsduselei. Dannys Gesangsstimme nähert sich an dieser Stelle in der Stimmfarbe Andy Deris (Helloween) an, während The Scorpions auf dem Höhepunkt ihrer größten Balladenerfolge dem Arrangement dieser Nummer mitsamt Melodie glatt neidisch wären. Dann wieder die »Sexpansion« im frechen Hard-Rock-Flegel Wonderland, randvoll mit der patzigen Altschul-Arroganz von Slade. Strophe und einleitender Rock-’n‘-Roll-Riff würden mühelos in das Arrangementschema einer The Darkness-Nummer passen. Bad Reputation ist ein Track, der Fans der eingängigen Hard-Rock-Qualitäten von Thunder ansprechen wird, während die rohe Bitterkeit der Hard-Rock-Komponente in Bloodsoaked Rock sogar an Bands à la Krokus und Bonfire erinnert.

Weapon UK haben ein hervorragendes Album abgeliefert, das Fans des klassischen Heavy-Rock-Pioniertums mehr als vertraut klingen wird. Ein Werk, das dich direkt in den Schoß der frühen Achtziger katapultiert. Von Kopf bis Fuß erstklassig definiertes Album. Die Produktion. Die entfesselte Energie! Die Chemie und organische Lebendigkeit. Die inhaltlich-konzeptionelle Greifbarkeit der musikalischen Substanz! Alles funktioniert als Ganzes auf bestmögliche Weise. Weapon UK haben ein außergewöhnliches Album abgeliefert, das lange gefehlt hat. Verloren in Zeit und Raum. »Rising from the Ashes« reitet geschickt auf dem schmalen imaginären Grat zwischen dem Territorium des klassischen Hard Rock und der pionierhart gezackten Aggressivität des NWOBHM-Metals. Direkt und ohne Blatt vor dem Mund: »Rising from the Ashes« zählt zu den besten Heavy-Rock-/Heavy-Metal-Veröffentlichungen des laufenden Jahres. Bleibt zu hoffen, dass die Band bald den Nachfolger im Studio nachlegt.

Besetzung

Danny Hynes – Gesang
Jeff Summers – Gitarre, Hintergrundgesang
P.J Phillips – Bassgitarre, Hintergrundgesang (Baz Downes on
Ian Sweeting – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Bruce Boland – Schlagzeug auf ‘Killer Instinct’
Baz Downes – Bassgitarre auf ‘Killer Instinct’

Produktion

Weapon UK

Tracklist

1. Prelude (The Awakening)
2. Ride The Mariah
3. Fountain Of Paradise
4. Warrior
5. Ready 4 U
6. Burning Skies
7. Alamein
8. Wonderland
9. Blood Soaked Rock
10. Bad Reputation.
11. Celebration Time.
12. Killer Instinct*

*… Bonustrack

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