Resurrection
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Michael Schenker Fest
Label: Nuclear Blast
Erschienen: 2018
Laufzeit: 52:16
Wertung: 4/5
Michael Schenker ist einer jener Gitarristen, die keine epische Vorstellung brauchen. Es reicht zu sagen, dass er eine der markantesten Perlen ist, die die Geschichte des Rock’n’Roll je hervorgebracht hat, und einer der bekanntesten Musiker, die mit ihrer Spielweise auf der Gitarre durch die Siebziger und auch die Achtziger die Entwicklung und Verbreitung der E-Gitarren-Spieltechniken grundlegend beeinflusst haben. Erwähnenswert ist, dass auf dem Eröffnungsstück von Schenkers neuesten Album »Resurrection« kein Geringerer als der bekannte gitarristische »Frechdachs« Kirk Hammet (Metallica) zu Gast ist, der als großer Schenker-Fan die gitarristischen Beiträge des Deutschen zum Rock’n’Roll-Universum schon immer in höchsten Tönen gepriesen hat. Schenker wirkte insbesondere auf den Alben der Gruppe UFO wie ein Mann aus einer anderen Galaxie, aus einer anderen Zeit – mit seiner außergewöhnlichen und unglaublich witzigen, einfallsreichen und charismatischen Kombination aus Elementen der klassischen Musik, einem feinen Gespür für extreme Musikalität und Blues-Wurzeln galten seine Gitarrenriffs und vor allem seine Soli in jenen fernen Zeiten als »prophetischer Wegweiser«, wohin sich Heavy Metal und Hard Rock künftig entwickeln würden.
In den letzten Jahren meidet der große Michael Schenker irgendwie das Agieren unter dem klassischen Kürzel MSG, also Michael Schenker Group. Stattdessen hat er vor einiger Zeit Material unter dem Namen Michael Schenker’s Temple of Rock aufgenommen und veröffentlicht, und vor zwei Jahren entschied er sich, das Projekt namens Michael Schenker Fest zu starten. Dazu lud er mehrere Sänger ein, die in den Besetzungen der Michael Schenker Group, McAuley Schenker Group und dem besagten Temple Of Rock-Projekt ihren Stempel hinterlassen haben. Damit schuf er die Grundlage für einen echten »Bühnen-Zirkus« und ein »Spaß-Theater«, denn wenn es um seine Konzerte geht, handelt es sich um eine wahre Bühnen-Revue der Zusammenarbeit legendärer Musiker in einer erweiterten und damit noch attraktiveren Bühnen-Varieté.
Und damit es nicht nur bei einem guten Geschäft und ein paar Konzerten bleibt, hat dieses Team auch ein neues Album aufgenommen. Das Wesentliche an der ganzen neuen Sache ist die Erkenntnis, dass Schenker schon lange kein so konsistentes und souveränes Werk mehr abgeliefert hat wie »Resurrection«. Ein bedeutungsvoller Titel – und einen besseren hätte Schenker für sein neues Album kaum wählen können. Es enthält alles, was diesen Musiker auf den Thron der Besten seines Fachs im Rock’n’Roll gesetzt hat, und gleichzeitig begleitet das Album das Wesentlichste. Schenker hat tatsächlich wieder einen großen kreativen Sinn gefunden, und das Album begleitet ein spürbares Maß an ideeller Frische und Inspiriertheit. Schenker muss nichts Neues erfinden – es reicht, dass wir seine solistische Verspieltheit genießen können, jene filigranen Details, die sein »einzigartiger Touch und Griff« erzeugt, womit er als großes und unwiederholbares Rock-Unikat gilt. Ähnlich wie wenn man ans Werk und die Person Richie Blackmore denkt.
Die Gesangspflichten hat Michael ausgezeichnet auf die Mitglieder des neuen Projekts verteilt. Die vokale Essenz und den Charakter aller beteiligten Sänger erkennst du sofort, und genau diese bunte Gesangspalette, die von Doogie White, Robin McAuley, Gary Barden und Graham Bonnet vertreten wird, sorgt für einen zusätzlichen Energieschub, mehr Drama-Theater und den Kontrast der Stimmungen. All das ist wirkungsvoll auf dem neuen Album eingefangen, das die Verkörperung klassischer Hard- und Heavy-Rock-Attitüde ist. Das ist etwas, das Schenker erfolgreich »wieder zum Leben erweckt« hat und etwas, das den gesamten Schenker’schen Diskographie-Opus begleitet und prägt. Das Album ist voller dramatischer Wendungen, geprägt von schnellen bis mittelschnellen Songs, bei denen Schenker sein großes Gespür für die Erzeugung von Bombastik und dem bereits erwähnten Drama-Theater erfolgreich eingesetzt hat. Die Songs behalten ihre qualitative Konsistenz über das gesamte Album hinweg, und gegen Ende des neuen Werks hat Michael noch das ausgezeichnete Instrumental Salvation hinzugefügt, mit einem prägnanten und ansteckenden Leitmotiv, das die Aufmerksamkeit des Hörers sofort einfängt – und damit die musikalische Substanz dieses äußerst gelungenen Albums noch weiter verstärkt.
Das ist es. Ein wiedererweckter Michael Schenker mit einer neuen Salve mitreißender Riffs und Soli – in Gesellschaft alter Kollegen. Der Mann erlebt einen neuen Frühling, eine neue Blüte – die Tour läuft gerade durch Nordamerika, bald wird er auch seine Fans in Europa wieder beglücken. Hoffen wir, dass der legendäre Gitarrist diesen neu gefundenen Schwung und Enthusiasmus noch viele Jahre vor sich behält.
Besetzung
Michael Schenker – Gitarre
Kirk Hammet – Gitarrensolo auf Track Nr. 1.
Doogie White – Gesang auf den Tracks Nr. 2, 3, 5, 9 und 12.
Robin McAuley – Gesang auf den Tracks Nr. 1, 2, 8 und 12.
Graham Bonnet . Gesang auf den Tracks 2, 4, 6 und 12.
Gary Barden – Gesang auf den Tracks Nr. 2, 7, 11 und 12.
Michael Voss – Schön – Gitarre
Wayne Findlay – Gitarre
Steve Mann – Gitarre, Keyboards
Chris Glen – Bassgitarre
Ted McKenna – Schlagzeug
Produktion
Michael Schenker & Michael Voss
Trackliste
01. Heart And Soul
02. Warrior
03. Take Me To The Church
04. Night Moods
05. The Girl With The Stars In Her Eyes
06. Everest
07. Messin‘ Around
08. Time Knows When It’s Time
09. Anchors Away
10. Salvation
11. Livin‘ A Life Worth Livin‘
12. The Last Supper