Resonance

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Autor: Peter Podbrežnik

Interpret: Asia
Label: Frontiers Records
Erschienen: 2012
Laufzeit: 108:48
Wertung: 4/5

Die englischen melodischen Progrocker-Helden Asia waren am 4. Mai 2010 im schweizerischen Basel zu Gast, wo sie sich mitten auf einer Tournee zur Unterstützung des Albums »Omega« (2010) befanden – ihrem zweiten Studiowerk nach der Wiedervereinigung der klassischen Besetzung John Wetton (Gesang und Bassgitarre), Geoff Downes (Keyboards), Carl Palmer (Schlagzeug) und Steve Howe (Gitarre). An diesem Abend spielten sie die meisten ihrer beliebtesten Klassiker aus den Achtzigern sowie zahlreiche Songs vom damals aktuellen, soliden »Omega«, dazu zwei Stücke von dessen weniger inspiriertem Vorgänger »Phoenix« (2008). Vor dem Auftritt beschlossen sie, alles aufzunehmen und zwei Jahre später in Form eines Doppel-Livealbums mit dem Titel »Resonance« zu veröffentlichen. Fans des klassischen Asia werden auf »Resonance« eine Fülle von Hörgenüssen finden, denn die alten Hasen waren an diesem Abend blendend aufgelegt und erinnerten an zahlreiche beliebte Highlights aus den Achtzigern.

Die meisten Fans hätten natürlich erwartet, dass Asia ihr Konzert mit einem ihrer langjährigen Evergreens eröffnen – aber nein: Stattdessen folgt nach einer kurzen eingespielten, pompösen Orchesterouvertüre der Übergang zum epischen »I Believe«, womit sie sofort ihre grenzenlose Begeisterung für das damals aktuelle »Omega« unter Beweis stellen. Darauf waren sie offenbar mehr als stolz, obwohl das ansonsten solide Album als Ganzes nichts wirklich Besonderes war. Wetton hat nach jahrelangem Kampf mit dem Alkohol offenbar die Oberhand gewonnen und sich – nachdem bereits die Gefahr drohte, dass er eines schönen Tages seine Stimme verlieren würde – den Status eines der renommiertesten Progrocker- und AOR-Sänger zurückerobert: Er singt alle Nummern auf fast demselben Niveau wie zwei Jahrzehnte zuvor. Der Gitarren-Professor, ‚Mister Eule‘ Howe, ist gewohnt brillant in seinen virtuos-improvisatorischen Gitarrenmanieren und ergänzt sich dabei durchgehend hervorragend mit Downes‘ melodisch gestimmten Synthesizer-Texturen.

Erwähnenswert ist, dass Howe und Downes (der übrigens der einzige Asia-Musiker ist, der in allen Inkarnationen dieser legendären Gruppe dabei war) auch Mitglieder der unvergesslichen Progrocker-Ikonen Yes sind. Palmer, der Jüngste der ‚vier Musketiere‘, ist im Laufe der Jahre sogar noch ein größerer Schlagzeug-Maestro geworden als je zuvor. Seine bombastischen Fills und das vehemente Bearbeiten der Becken begeistern auf Schritt und Tritt. Die alten Kameraden belohnen die treuen Fans schon bei der erstbesten Gelegenheit mit dem zeitlosen »Asia« (1982)-Hit »Only Time Will Tell«, bevor sie mit dem melodramatischen »Holy War«, bei dem Downes und Howe Wetton bei den Vokalharmonien unterstützen, auf geschickte Weise wieder zu »Omega« zurückkehren. Auch das druckvolle »Never Again« und das aufrüttelnde »An Extraordinary Life«, die sich auf dem für Asia-Verhältnisse unterdurchschnittlichen Reunion-Album »Phoenix« befinden, kommen live überraschend gut rüber. Von allen »Omega«-Stücken macht live allerdings das dynamische »Finger On the Trigger« die beste Figur – schon in der Studioversion eine erstklassige Nummer mit einem mächtigen, mitreißenden Refrain.

Was traditionelle Asia-Fans auf »Resonance« aber am meisten interessieren und fesseln wird, ist natürlich, wie ihre Klassiker aus den Achtzigern an diesem Abend rüberkamen. Neben der bereits erwähnten großartigen Version von »Only Time Will Tell« punkten die alten Hasen erneut mit einer klavierbetonten, aber dennoch gelungenen Version der unvergesslichen »Alpha« (1983)-Power-Ballade »Don’t Cry«, bei der Wetton und Downes, beste Freunde und seit jeher die treuesten Asia-‚Gläubigen‘, für kurze Zeit allein auf der Bühne stehen. Das Auffrischen der »Alpha«-Erinnerungen setzt sich erfolgreich fort mit gelungenen Versionen der Evergreens »The Smile Has Left Your Eyes« und »Open Your Eyes«, während man sich an Songs vom legendären Debütalbum erst im Abschlussteil des Auftritts wieder erinnert – und dann mit zeitlosen Perlen wie »Time Again«, »The Heat Goes On« und »Sole Survivor« begeistert.

Gegen Ende des Auftritts erinnern sich Asia sogar an den kultigen AOR-Hit »Go« vom viel zu oft übersehenen dritten Album »Astra« (1985), was als sehr schöner, zugleich aber überraschender Schachzug daherkommt, denn auf diesem Werk war nicht Howe dabei, sondern der Schweizer Gitarrist Mandy Meyer. Howe ist trotz seiner gitarristischen Brillanz ein ewiger ‚Schwieriger‘ und eine problematische Persönlichkeit. Damit er auf »Resonance« Ruhe gibt, bekam er gleich zwei Gitarren-Soli in Form von »All’s a Chord« und »The Valley of Rocks« – und ansonsten ist er dafür bekannt, so weit wie möglich die Aufführung von Stücken zu meiden, bei denen er keinen Kompositionsstempel hinterlassen hat.

»Go« hat dank seines druckvollen Gitarrenriffs auch einen etwas kantigeren, hardrockerischen Touch, doch Howe hat – erstaunlicherweise wie beim Yes-Standard »Owner Of a Lonely Heart«, den er wegen des ‚metallischen‘ Gitarrenriffs überhaupt nicht ausstehen kann – die Zähne zusammengebissen und einen der seltenen ‚Kompromisse‘ seiner Karriere eingegangen. Ich übertreibe kein bisschen, wenn ich sage, dass diese Version von »Go« vor allem dank Wettons großartigem Gesang sogar als bester Moment auf »Resonance« herausragt – trotz einiger ziemlich überflüssiger kurzer Improvisationen, die Howe einflicht. Ein Asia-Konzert wäre natürlich unvollständig ohne das krönende Tüpfelchen auf dem i in Form ihres größten Hits »Heat Of the Moment«, den sie souverän und absolut werkgetreu darbieten.

»Resonance« ist eine hochwertige Doppel-Liveaufnahme, die die klassische Asia-Besetzung im bestmöglichen Licht präsentiert, während die Darbietungen langjähriger Hits und neuerer Werke gut aufeinander abgestimmt sind, sodass alle Alben der Original- und beliebtesten Besetzung angemessen vertreten sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies auch die letzte offizielle Liveaufnahme der klassischen Asia-Besetzung ist, zumindest in ihrer ‚älteren Version‘ (ältere Aufnahmen aus den Achtzigern, aus Zeiten der Jugend und des ‚alten Ruhms‘, werden wohl auch in Zukunft erscheinen), denn Howe verabschiedete sich Anfang 2013 nach sieben Jahren in der Band erneut – was kaum jemanden überraschte, der seinen Charakter und die Verhältnisse in dieser legendären Gruppe auch nur ansatzweise kennt.

Besetzung

John Wetton – Gesang und Bassgitarre
Geoff Downes – Keyboards
Steve Howe – E-Gitarre, Akustikgitarre und Steelgitarre
Carl Palmer – Schlagzeug und Perkussion

Produktion

Asia

Trackliste

CD1
1. I Believe (6:44)
2. Only Time Will Tell (4:59)
3. Holy War (6:00)
4. Never Again (4:53)
5. Through My Veins (5:32)
6. Don’t Cry (4:24)
7. All’s A Chord [instrumental] (2:26)
8. The Valley Of Rocks [instrumental] (3:44)
9. The Smile Has Left Your Eyes (5:57)
10. Open Your Eyes (6:57)

CD 2
1. Finger On The Trigger (4:28)
2. Time Again (5:16)
3. An Extraordinary Life (5:15)
4. End Of The World (5:43)
5. The Heat Goes On (10:58)
6. Sole Survivor (7:26)
7. Go (4:27)
8. Heat Of The Moment (8:39)

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