Resist or Serve

0 6

Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Cloven Hoof
Label: High Roller Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 48:32
Wertung: 4.5/5

Cloven Hoof gelten als die Urgesteine des Metals! Genauer gesagt als erste Generation von Metal-Bands überhaupt. Die sogenannte New Wave of British Heavy Metal entfachte zu Beginn der Achtziger auf den Britischen Inseln einen wahren Feuersturm. Wie schön zu erleben, dass so einige Bands aus dieser Ära gerade eine regelrechte Frühlingsrenaissance durchmachen. Zuletzt erschienen nämlich hervorragende neue Studioalben von Hell, Demon, Blitkrieg, Satan. Jetzt sind auch Cloven Hoof am Start – mit erst ihrem fünften Karrierealbum, wobei man im Hinterkopf behalten sollte, dass die Band die gesamten Neunziger über völlig auf Eis lag.

Nachdem Cloven Hoof 2006 ihr viertes Studioalbum »Eye of the Sun« veröffentlicht und eine grundlegende Lineup-Rochade vollzogen hatten – in der Lee Payne als einziges Original- und Gründungsmitglied von Anfang an dabei war, an der Stimme der legendäre Russ North –, schien es zunächst, als wären sie in eine Phase der Stabilität eingetreten. Weit gefehlt! Dass etwas nicht stimmte, deutete sich durch Norths Ausstieg 2010 an, obwohl die Band 2008 und 2009 in Europa wieder intensiver auf Tour war. Ohne North am Mikro veröffentlichte die Band 2010 die EP »Throne of Damnation«, für die erneut Matt Moreton die Vocals beisteuerte – genauso wie schon für »Eye of the Sun«. Moreton musste die Mitgliedschaft aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft aufgeben. Grotesk genug, aber leider wahr ist zugleich die Tatsache, dass auch Russ North nie mehr für Cloven Hoof singen wird. Nachdem es 2012 gelungen war, ihn als festes Mitglied zurückzuholen, geriet er schon bald in einen fast »tödlichen« Streit mit seinem langjährigen Kameraden, Bandchef Lee Payne, und verließ Cloven Hoof unwiderruflich – mit den Worten, er kehre nie zurück und wünsche Payne viel Glück bei all seinen künftigen musikalischen Unternehmungen.

Payne, der in der Zwischenzeit erneut eine gründliche Lineup-Rochade vollzog und die Besetzung einmal mehr komplett umkrempelte, fand schließlich offenbar doch vertrauenswürdige Mitstreiter und Gleichgesinnte, mit denen er guten Gewissens ins Studio gehen konnte, um neues Material aufzunehmen – woraus dann natürlich das Album »Resist or Serve« wurde. 2011 stießen der hervorragende Sänger und Leadgitarrist Joe Whelan sowie der „zweite“ Gitarrist Chris Cross dazu, 2012 vervollständigte schließlich Schlagzeuger Jake Oseland das Lineup.

Und das Ergebnis? Lee Payne weiß genau, was er liefern muss. »Resist or Serve« bewahrt die Brillanz der echtesten Verbindungen zu den goldenen Zeiten des NWOBHMs, als Metal jung war, ein wilder Schrei des Aufbegehrens und der Verweigerung des Konformismus, gierig darauf, den musikalischen Globus zu erobern – und liefert gleichzeitig die Merkmale zeitgemäßer Klangproduktion. Der Sound ist lebendig, aufgekratzt, die Gitarrenphrasen bilden eine mitreißende, massive Klangwand, die in ihrer kernigen verzerrten Dichte unaufhaltsam walzt!  Zugleich ist Payne ein so erfahrener Meister, dass er die typischen Charakterzüge des Old-School-Vibes versteht und zu rekapitulieren weiß, die einzigartig für die NWOBHM-Welle und ihre bekanntesten Bands sind. Neben dem unverkennbaren Pomp gelang es ihm nämlich, einen spürbaren »Punk«-Dreck im Sound einzufangen, der charakteristisch für den repräsentativen Klang  der elementaren NWOBHM-Ära ist.

Joe Whelans Gesang ist klar, autoritär, explosiv, in allen Lagen überzeugend. Die Texte sind wie gewohnt durchdrungen von Okkultismus, Hexen, Fragen nach dem Leben nach dem Tod – selbstredend rasen Cloven Hoof auf Katastrophe und Untergang zu. Kurzum: Die Atmosphäre des Albums ist düster und bösartig. Cloven Hoof kanalisieren ihren ausgeprägten Sinn für Musikalität und ihr hohes melodisches Verständnis in eine Fülle ausgearbeiteter Gitarrenharmonien, die in Terzen angelegt sind. Die mittleren Instrumentalparts sind gespickt mit superior geschliffenen Soli, die die beiden Gitarristen mit spielerischer Leichtigkeit  hin- und hergeben. Die Details sind zahlreich, und die Soli tragen den ausgefeilten künstlerischen Charakter  beider Gitarrenparts. Die Intros sind mehrfach mit zusätzlichen Soundeffekten geschmückt (das boshaft-gruselige Mutilator), auch fügen die Gitarristen in Ein- und Ausleitungen der Songs gitarristische Ornamente bildreicher solistischer Passagen ein – und Cloven Hoof gelingt es höchst wirkungsvoll, die grundlegenden typischen Merkmale ihrer eigenen Musik wiederherzustellen,  die auf den kultigen ersten drei Studioalben der Achtziger begründet sind.

Offensichtlich hat Bandchef Lee Payne diesmal seine Mitstreiter wirklich sorgfältig ausgewählt. Und mit einer klaren Vision ein außerordentliches Ziel erreicht. »Resist or Serve« ist ein phänomenales neues Studioalbum von Cloven Hoof. Es strahlt Frische, Inspiration und die ungezähmte rebellische Haltung der Band aus! Auch im reifen Alter, wenn man eigentlich erwartet, dass die Jungs sich endlich »ernstnehmen«.

»Resist Or Serve« ist eine klassisch knochenharte Heavy-Metal-Scheibe, die tatsächlich alles besitzt, was ein echter klassischer Heavy-Metal-Album besitzen muss, um dich auf der Stelle mit seiner Überzeugungskraft und Wahrhaftigkeit zu bezaubern. Sie schießt dich nämlich schnurgerade ins Jahr 1980! All das verkörpert die Band höchst wirkungsvoll durch brillante Ideen für angriffige Gitarren-Riffs, einen kohärenten Sound, der die hervorragende Chemie des Quartetts widerspiegelt, große Perfektion in den Zierelementen (Gitarrenpassagen) sowie raffinierte Stimmungswechsel – unter anderem dadurch, dass die Band innerhalb eines Songs das Grundtempo (den Rhythmus) mehrfach verändert. Das ist auch der Garant für die außergewöhnliche dynamische Flüssigkeit des Albums und seinen Spannungsbogen.

Die Band verspricht noch in diesem Jahr eine neue Europatournee. »Resist Or Serve« ist ein Album, das frischgebackenen Metal-Bands eine echte Lehrstunde erteilt – in Sachen außerordentlicher Inspiration und, was am wichtigsten ist. Cloven Hoof haben damit alle typischen Merkmale ihrer Metal-Rezeptur bewahrt, sie mit einer teilweisen Klangerneuerung aufgewertet und so ihren musikalischen Charakter souverän in ein neues Schaffensjahrzehnt getragen. Dieses Jahr jährt sich nämlich die Bandgründung zum exakt 35. Mal! Lasst uns nur hoffen, dass diese kreative Inspiration nicht erlischt und dass die Band das nächste Album innerhalb von drei Jahren nach »Resist Or Serve« veröffentlicht – und dass wir nicht erneut acht Jahre warten müssen, die zwischen dem neuen Album und dem Vorgänger »Eye of the Sun« vergingen. Der grundlegende Unterschied zwischen Vorgänger und neuem Album ist nämlich der, dass »Eye of the Sun« nicht diese echte Verbindung der Band zu ihren musikalischen Anfängen ausstrahlte – sagen wir: zum Debütalbum „Cloven Hoof“ –, wie es »Resist or Serve« tut.

 

Besetzung

John Whelan – Gesang, Gitarre
Chris Cross – Gitarre
Lee Payne – Bassgitarre, Backgroundgesang
Jake Oseland – Schlagzeug & Perkussion
 

Produktion

Cloven Hoof

Tracklist

  1. Call Of The Dark Ones
  2. Hell Diver
  3. Deliverance
  4. Brimstone And Fire
  5. Northwind To Valhalla
  6. Mutilator
  7. Anti Matter Man
  8. Cycle Of Hate
  9. Premature Burial
  10. Austrian Assault
Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies