Relaunch (EP)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Houston
Label: Spinefarm Records
Erscheinungsjahr: 2011
Laufzeit: 41:14
Wertung: 3/5

Tja, die Wege des Herrn sind unergründlich. Ein Paradebeispiel für äußerst erfolgreichen Revivalismus findet man in der Flut vieler neuer Bands heutzutage auch beim schwedischen Melodic-AOR-Rock-Act Houston. Nicht Boston, Houston. Vom Logo über die Cover bis zum Bandnamen – allein das erinnert schon ohne einen einzigen Ton sofort an die Achtziger. Der Erfolg mit dem vielversprechenden gleichnamigen Debütalbum aus dem Jahr 2010, das von Musikkritikern angesichts einiger Klischees fast schon übermäßig hoch bewertet wurde, hat der Band Flügel verliehen: Im Zeitraum bis zum nächsten Studioalbum bringt sie eine EP heraus, die das ungeduldige Warten aller hungrigen Fans klassischer AOR-Sounds der Achtziger auf das neue Houston-Album erträglicher machen soll.

Melodic Rock ist zurück. Daran gibt’s nichts zu rütteln! Die Trends in Westeuropa, Skandinavien, den USA, Kanada und Australien deuten schon seit einer Weile auf dieses Phänomen hin (in Slowenien natürlich nicht). Houston, das schwedische Duo aus Sänger Hampus ‚Hank‘ Erix und Schlagzeuger Freddie Allain, hat für diese EP eine interessante Songauswahl getroffen. Darauf finden sich sechs Coverversionen klassischer AOR-Hymnen, ein brandneuer Houston-Song (Without Your Love) und zwei neu arrangierte (akustische) Versionen von Houston-Songs, die auf dem Debütalbum „Houston“ (2010) erschienen sind. Die Coverversionen, die das Duo für diese EP ausgewählt hat, hört man in Diskussionen rund um AOR-Hymnen kaum noch. Mehr noch: Die Erinnerung an sie ist fast schon verblasst. Nennen wir es so: Diese obskure Songauswahl ist eigentlich die Crème de la Crème des Duos – und das ist der grundlegende Pluspunkt dieser Veröffentlichung.

Die zwei haben ganze Arbeit geleistet! Zumindest was die Coverversionen angeht, die den Originalen erstaunlich nahe kommen. Natürlich halten Houston in der Produktion auch für diese EP den Sound des Debütalbums bei, während die unverwechselbare Note der Band natürlich durch die leicht andere Klangfarbe der Stimme und der Vokalharmonien entsteht. Aber angesichts von Hampus‘ ureigenen Vokal-Charakteristika muss man sich keine Sorgen machen, dass die Authentizität des typischen AOR-Charmes auf der EP irgendwie beeinträchtigt – geschweige denn ausgehebelt – werden könnte.

Das Duo hat den erfahrenen Ex-Touch-Keyboarder Mark Mangold eingeladen, der in der Vergangenheit auch mit Michael Bolton und Laura Branigan zusammengearbeitet hat. Alle drei in diesem Zusammenhang genannten Künstler erhalten auf dieser EP nämlich eine Hommage seitens Houston in Form von Coverversionen ihrer Studio-Originale: Don’t You Know What Love Is (Touch), Carrie (Michael Bolton) und Didn’t We Almost Win It All (Laura Branigan). Mangold hat die Klangstrukturen authentischer Achtziger-Keyboard-Arrangements im kleinen Finger und den neuen Versionen ist nichts vorzuwerfen. Dazu gesellt sich der erfahrene Laurie Mansworth (ex-More, ex-Roadstar), der die Gitarrenlinien einschließlich der Soli optimal eingespielt hat. Die interessantesten Songs auf dieser EP sind eindeutig die ersten vier. Das Eröffnungsstück Runaway, das im Original der Band Dakota gehört, verblüfft geradezu durch die Ähnlichkeit der Refrainmelodien, die unglaublich nah am Original liegen. Den Ehrgeiz des Houston-Duos belegt auch das hervorragend „platzierte“ und gespielte Carrie (Orig. Michael Bolton), sowie danach der Airrace-Klassiker Brief Encounter und Don’t Ever Wanna Lose You (Orig. New England). Was danach kommt, ist nicht mehr so interessant und wirkt vor allem in den Schlusspassagen aufgrund übermäßiger Refrainwiederholungen nervig. Das gilt insbesondere für alle drei Eigenkompositionen, aus deren Mittelmäßigkeit auch der Gastgesang von Amaranthe-Sängerin Elize Ryd nicht herausreißen kann.

Angesichts der zweiten EP-Hälfte lässt sich sagen: Diese Veröffentlichung ist um die Hälfte der Laufzeit zu lang. Und trotzdem. Aus der Perspektive eingefleischter AOR-Fans, die es gewohnt sind, selbst die zuckersüßesten balladesken Zaubereien entspannt zu konsumieren, aus denen schon auf Distanz eine Lawine von Pathos-Geheule weht, gibt es keinen Grund zur Klage. Als Veröffentlichung, die den Houston-Fans das Warten auf das neue Album erleichtern soll, ist diese EP ein sehr effektiver Schachzug – ansonsten aber völlig verzichtbar. Ihre Qualität liegt vor allem in den ersten vier Coverversionen, in denen Houston ihre brillante Fertigkeit unter Beweis stellen, den Geist der Charakteristika klassischer AOR-Sounds der Achtziger wiederaufleben zu lassen, während die verbleibenden 20 Minuten der EP beim Hören vor allem die hartgesottensten AOR-Jünger angenehm beschäftigen werden.

Besetzung

Hampus Hank Erix – Gesang
Freddie Allain – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Laurie Mansworth – Gitarre
Mark Mangold – Keyboards, Hintergrundgesang
Eliz Ryd – Gesang

Produktion

Ricky Delin

Trackliste

1. Runaway
2. Carrie
3. Brief Encounter
4. Don’t You Know What Love Is
5. Don’t Ever Wanna Lose You
6. Didn’t We Almost Win It All
7. Without Your Love
8. Truth Slips*
9. 1000 Songs*

*….akustische Versionen

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