Reincarnation
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Maillard, Brian
Label: CD Baby
Veröffentlichung: 2014
Laufzeit: 44:55
Bewertung: 4/5
Brian Maillard ist vielleicht kein allzu bekannter Name im weiten Universum der Musik, und doch haben ihn einige musikbegeisterte Neugierige, die Virtuosität besonders zu schätzen wissen – so wie sie die Zauberei der instrumentalen Prämisse des sogenannten Gitarrenrocks mit ihrem schöpferischen Schwung entfaltet –, bereits kennengelernt. Spätestens am 07.06.2007, als er als Mitglied von Dominici in der Rolle der Vorgruppe vor Dream Theater in Zagreb auftrat. Letztere präsentierten auf jener Tournee ihr damals aktuelles Studioalbum »Theory in Chaos« (2007).
Brian Maillard ist klassisch ausgebildeter beziehungsweise akademisch geschulter Musiker. Von Herkunft ein französischer Schweizer aus der Stadt Delsberg. Sein Bruder Yan ist Schlagzeuger und ebenfalls bis an die Zähne bewaffnet mit schier unglaublicher Virtuosität, was seine Zusammenarbeiten mit prominenten Namen der Musikwelt belegen – gleichzeitig gründeten die Brüder Maillard die Progressive-Metal-Band SolidVision und hatten bereits zwei Studioalben veröffentlicht, bevor sie zu Dominici stießen – der Band, die vom ehemaligen und ersten Dream Theater-Sänger Charlie Dominici geleitet wurde.
Das neue und insgesamt zweite eigenständige Studioalbum von Brian Maillard mit dem Titel »Reincarnation« ist erneut vollständig instrumentaler Natur. Brian hat sämtliche Gitarren selbst eingespielt, die meisten Basslinien sowie alle Keyboards beigesteuert, während Bruder Yan fast alle Schlagzeugparts übernimmt – mit Ausnahme von Bulldog Ants, wo sich Yan am Schlagzeug niemand geringeres als Marco Minnemann anschließt. Da wir schon einen Namen des »gnadenlos zurechtgestutzten« Trios The Aristocrats erwähnen, darf auch der außergewöhnliche Bassist Bryan Beller nicht fehlen, der als Sondergast an der Bassgitarre auch auf diesem Album auftaucht, und zwar im Stück Another Life. Neben Beller gastieren auf diesem Album an der Bassgitarre noch die weniger bekannten Namen Lorenzo Feliciati im Titeltrack des Albums und Max Gelsi im Stück Evergreen.
Brian Maillard ist ein Musiker, der in der Welt des Gitarrenrocks keine musikalische Revolution erfindet. Er hält sich bewährt an die Melodie. Melodie und Musikalität des klanglichen Inhalts, den er dem Hörer liefert, sind die grundlegenden Ausgangspunkte. Alles ordnet er diesen unter. Daher wahren alle Stücke dieses Werks ihre Kompaktheit, und Brian gönnt sich keine exzentrischen Ausbrüche, in denen Songs durch potenzielle musikalische Experimente in ihren Motiven »auseinanderfallen« würden, was zur Fragmentierung der Kompositionen führen würde. Das Album »Reincarnation« lässt sich mühelos als Progressive Metal bezeichnen, bei dem die Gitarrensprache Brian Maillards die Rolle des Gesangs übernimmt. Sein Spiel erinnert spürbar an die Charakteristika von John Petrucci (Dream Theater), weshalb dich das Album nicht selten in das Feeling einer öffentlichen Instrumental-Jam-Session von Dream Theater katapultiert, während das Arrangement auch Parallelen zu Symphony X bietet. Wie bei einer Instrumentalplatte von Dream Theater, aber auch Symphony X. Melodisch ausgearbeitete Passagen, die Momente der »solistischen Zerstreutheit« in die kompakte Form der Kompositionen zurückführen, tragen die Note von Satrianis Raffinesse, während sich in das Gitarrenspiel Einflüsse von Steve Morse, aber auch Steve Vai (Carnivorous Turtle) einschleichen. Bei all dem sollte man also keinen Zweifel daran hegen, dass Brian Maillard wahrhaftig musikalisches Manna auch für anspruchsvollere Musikkenner liefert. Der abschließende Track Hallelujah, ein Arrangement des Cohen-Originals, könnte seelenruhig die musikalische Untermalung eines beliebig gewählten Films zieren. Ungeachtet der zahllosen Cover-Versionen dieses Stücks, die die Musikwelt im Laufe der Jahre erlebt hat, ist Brians Version sehr interessant, vor allem wegen der Modulationen, die das stufenweise Wachstum der Atmosphäre von Anfang bis Ende des Stücks beeinflussen, das das Album am Schluss mit einem feierlichen Crescendo beschließt. Fast überflüssig zu erwähnen ist dabei, dass symphonische Elemente sowie neoklassizistische Ansätze in Maillards gitarristischen Kunststücken obligatorische Zutaten dieses Albums sind.
Auch wenn Maillards »Reincarnation« nichts noch nie Gehörtes liefert, vereint es die Elemente der Meisterschaft einiger Künstler, die mit ihrem Schaffen die Rockwelt für immer verändert haben, auf äußerst geschmackvolle Weise. All diese Elemente hat Maillard geschickt zu einem melodisch höchst beeindruckenden und zugänglichen Konglomerat zusammengefügt, das kontrastreich mit einer bunten Würze erstklassiger Virtuosität aufgeladen ist. Der Inhalt trägt eine attraktive Neuverpackung bereits bekannter Züge des progressiv metallisierten und sinfonisch bekränzten Gitarrenrocks. Anspruchsvolleren Hörern und Musikliebhabern empfehle ich, dem Album ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken – es wird sie dafür ganz sicher dankbar belohnen.
Besetzung
Brian Maillard – Gitarre, Bassgitarre, Keyboards
Yan Maillard – Schlagzeug
Marco Minnemann – Schlagzeug
Bryan Beller – Bassgitarre
Max Gelsi – Bassgitarre
Lorenzo Feliciati – Bassgitarre
Produktion
Brian Maillard
Trackliste
1. Debut De La Fin
2. The Pentagon
3. The Irish Times
4. Another Life
5. Evergreen
6. Carnivorus Turtle
7. Theory of Relativity
8. Reincarnation
9. Bulldog Ants
10. Hallelujah