Reciklejšon
Künstler: Dance Mamblita
Label: ZARŠ Records
Erscheinungsjahr: 2009
Laufzeit: 35.23
Wertung: 2.5/5
Dance Mamblita bleiben untypisch – und das in einer Zeit, in der das Typische mehr als aktuell ist, in der unsere Ohren täglich dem Bombardement mit allerlei musikalischem Schrott ausgesetzt sind. Was natürlich nicht bedeutet, dass die beiden sonderlich einfallsreich wären – sie sind in erster Linie schlicht „unangepasst“. Zu ihrem Glück natürlich! Das Küstenduo, bestehend aus den schmucken Leibern von Andrej Šik und Boris Beštjak, zieht seine Energie nach wie vor aus dem zwar nicht gerade spektakulären Wechselspiel von schlichtem Bassgitarren-Brummen und basischem Schlagzeug-Gerumpel, das sie gelegentlich mit markanten Vokalausbrüchen aufwerten. Damit bleiben sie einfach ihrem musikalischen „Masochismus“ treu, den sie bereits mit dem gleichnamigen Debüt „Dance Mamblita“ in Gang gesetzt haben.
„Reciklejšon“ ist in vielerlei Hinsicht tatsächlich die logische Fortsetzung dieser Minimalismus-Expansion, die sich ohne den Hauch eines Bedauerns aus den handfesten Derivaten des Rock & Roll speist! Gemeinsame Genre-Nenner gibt es hier in Hülle und Fülle, vom unaufdringlichen und damit zugänglichen Alternative Rock über kettenartige Andeutungen in Richtung Hardcore bis hin natürlich zur unverzichtbaren Punk-Auflockerung. Eine feurige Genre-Mischung, der allerdings eine nicht unerhebliche Portion Lebensenergie durch das ziemlich zahme Produktions-Packaging genommen wird, das „Reciklejšon“ in die Kategorie der weniger erschütternden Studioarbeiten einreiht. Ein spontaner herausgeschälter Schrei des musikalischen Purismus, der die erogenen Zonen des vorwiegend unangepassten Hörers intensiver aufheizen würde, wäre hier sicher nicht fehl am Platz. Stattdessen versucht uns das zaghaft zuckende Bassdrum-Fell vergeblich von der Ursprünglichkeit zu überzeugen – statt des gewünschten Garage-Beigeschmacks serviert es die Sterilität einer unterdurchschnittlichen Demoaufnahme. Auch das eifrige Kneten der Basssaiten, schnell übergossen mit einem Distortion-Effekt (wie etwa auf dem stählernen Sturmreiter „Robert Smith“), schafft es in dieser Hinsicht nicht, den bitteren Nachgeschmack zu beseitigen.
Nicht zu vergessen: bei „Reciklejšon“ haben wir es nach wie vor mit einem Duo zu tun, was bedeutet, dass Mamblitas Tanzrevier (sprich: musikalischer Ausdrucks-Spielraum) verständlicherweise beschränkt bleibt. Das zuvor erwähnte Spielen mit bunten Genre-Nuancen ist sicher einer der Kniffe, mit denen die beiden erwartungsgemäß dem trockenen Kreisen um sich wiederholende kompositorische Formen und Strukturen ausweichen. Dieses stets riskante Spielchen zündet aber nur stellenweise – am einprägsamsten bereits beim Opener „Reciklirani“, wo auch eine mehrsprachige Vokal-Stuckatur ihren Beitrag leistet. Mit einem wahren Feuerwerk an musikalischen Highlights (den Umständen entsprechend) warten das flüchtige „Žvrkanjao“ und das nicht minder frenetische „Extremizam“ auf. Zahlreiche andere Blüten, die mehr oder weniger gleichgültig auf dem Rest des Albums campieren, haben leider nicht dasselbe Glück. Besonders hervorzuheben sind hier vor allem das inhaltlich verwaiste „Matija“ und die langweilige Banalität von „Bmk“ (zu Deutsch: „Scheiß drauf“), denen es auch nach intensivem Wiederkauen nicht gelingt, mehr als eine ausdruckslose, eigentlich geschmacklose musikalische Abstraktheit herauszupressen – die obendrein bis zum Hals in die Pfütze des typischen slowenischen Zynismus getaucht ist.
Besetzung
Andrej Šik – Gesang, Bassgitarre, Keyboards
Boris Beštjak – Schlagzeug, Gesang
Produktion
Bojan Babić
Trackliste
1. Reciklirani
2. Smeče
3. Robert Smith
4. Matija
5. Hajde pleši
6. Bonanza istriana
7. Žvrkanjao
8. Extremizam
9. Bmk
10. Čekanjada
11. Punkey
12. Pazi
13. Lažeš
14. Komarjev bal (1.del)