Rebel On The Run

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Künstler: Moonstone Project
Label: Blistering Records
Veröffentlichung: 2009
Laufzeit: 52.08
Bewertung: 3/5

Die neueste Moonstone Project-Expedition, diesmal treffend Rebel On The Run benannt, festigt Matt Filippinis Rolle als fanatischer Verehrer des Erbes des engeren Kreises der Deep Purple-Familie (der musikalischen wohlgemerkt) noch weiter. Der italienische Gitarrenzauberer hat dieses Jahr einmal mehr die Zähne zusammengebissen – sagen wir einfach, der gute Mann ließ beherzt seine Kontakte und Bekanntschaften spielen und kochte gemeinsam mit einer Runde hochgeschätzter Musikerpersönlichkeiten eine durchaus schmackhafte Minestrone musikalischer Akrobatik zusammen, voll von vintage-duftenden Riffs, rhythmisch abwechslungsreichen Themen und Hammond-Blitzen, die sich schnell auf den Speisezetteln der Liebhaber der alten Rockschule wiederfinden werden.    

Vorsicht ist hier trotzdem definitiv angebracht. Rebel On The Run ist ein solides Produkt, das vor allem jene begeistern kann, die Matts Experimente noch nicht kennen. Für alle anderen, die dem guten Mann bereits zuhören oder ihn vielleicht sogar live erleben durften, wirft das Album eine ganze Reihe von Zweifeln auf. Alarmglocken wären hier gewiss nicht fehl am Platz, denn Matt Filippini zeigt auf Schritt und Tritt Zeichen schöpferischer Stagnation. Natürlich bleibt das Album erwartungsgemäß dem nostalgischen Blick Richtung 70er treu. Was ist also das Problem? Rebel On The Run bietet nichts erschütternd Neues, geschweige denn Begeisterndes – tatsächlich setzt der frisch arrangierte Strauß aus Filippinis Blüten behutsam die kreative Spurrillenfahrt vergangener Moonstone-Abenteuer fort! Schon beim oberflächlichen Hören serviert das Album bald mutig alle wesentlichen Ausdruckskomponenten, die größtenteils schamlos Parallelen zum Klang der Deep Purple Mk3-Ära ziehen. Rebel On The Run ist durchdrungen von den Aromen, dem Kitsch und der Energie der 70er – was an sich natürlich nicht problematisch ist –, störend ist vor allem der Mangel an Erfindungsreichtum, der unermüdlich mit durchschnittlichem Recycling bereits gehörter Hardrock-Griffe quält. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: das Talent von Filippinis Truppe ist unbestreitbar, doch angesichts des Mangels an Koordination und Gespür fürs Schmieden stärkerer Inhalte sind wir gezwungen, an vielversprechenden Riffs zu kauen, die leider viel zu oft der Gnade einer reichlich durchschnittlichen Ausführung zum Opfer fallen. Matts Ideen, obwohl vielversprechend, reifen folglich nur selten zu wirklich Begeisterndem heran – und das trotz der Tatsache, dass der gute Mann nach alter Gewohnheit eine Reihe prominenter Musikernamen ins Moonstone-Räderwerk einzuspannen vermochte. Neben House of Lords-Nachtigall James Christian beglücken uns diesmal die Rock-Eminenzen Clive Bunker, Ken Hensley, Ian Paice und Glenn Hughes mit ihrer Anwesenheit. Der konzeptuelle Beitrag des Letzteren ist auf Closer Than You Think offensichtlich, das auch ohne übertriebene stimmliche Verrenkungen durch und durch Hughesisch klingen würde. Und wo wir gerade bei Glenn Hughes‘ Auftritt sind: Fans des Herrn auf seinem Solopfad werden sich in Moonster Booster mühelos hineinfinden, das – abgesehen von James‘ ausgezeichnet zurückgehaltenem Gesang – besonders im Refrain stark an Motive im „Voice of Rock“-Kaliber erinnert.

Die Begeisterung für die „regenbogen-violetten“ Farbtöne auf Rebel On The Run versiegt nie wirklich. Wenn Matt mit Hey Mama einer der erwähnenswerten Höhepunkte des Albums gelingt, an dessen Spitze eine humorvolle Riff-Einleitung der typischen Ritchie Blackmore-Schule marschiert, bleibt die Schuld an die Gitarrenlegende offensichtlich. Ähnliche Recyclings schon zig-mal gehörter Muster können natürlich schnell extrem nervig werden – daran erinnert uns etwa der langwierige und damit umso langweiligere Spaziergang durch Cosmic Blues. Filippinis  (un)gewollter Durchbruch aus dem Grau der Mittelmäßigkeit gelingt ihm dennoch, diesmal auf den Schwingen der Glut und Energie des exzellenten Titelstücks Rebel On The Run. Eine gut durchgebratene Orgie aus feuriger Gitarrenarbeit und saftiger Hammond-Grundlage, aufgebaut auf einer lebhaften rhythmischen Plattform, trägt ein beeindruckendes Klangbild, dessen Organik der genaue Gegensatz zum Großteil des Albums ist.

Obwohl von der Moonstone Project-Kavallerie weder radikale musikalische Manöver noch Ausflüge in unerforschte Territorien zu erwarten waren, wird mit Rebel On The Run die Zufuhr frischer schöpferischer Substanz zur eigentlichen Prioritätsaufgabe von Matt Filippini. Das Ablegen der Rolle als behelfsmäßiger Deep Purple-Ersatz ist unumgänglich – zumindest wenn Matt künftig wirklich eigene Ausdrucksmittel weiterentwickeln will. Rebel On The Run malt ein anschauliches Bild von der Macht der Nostalgie, deren Dämpfe diesmal auch die eingefleischtesten Altgardisten schweren Herzens einatmen werden. Im Gegensatz zu Filippini, der vorerst offenbar gar nichts mehr zu benötigen scheint als die Wiederbelebung von Ikonografie und Fetischen einer fernen Vergangenheit.   

Besetzung

Matt Filippini: Gitarre
James Christian: Gesang
Alessandro Del Vecchio: Keyboards
Nik Mazzuconi: Bass
Francesco Jovino: Schlagzeug
Alex Mori: Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Glenn Hughes: Gesang, Bass
Ken Hensley: Keyboards
Ian Paice: Schlagzeug
Clive Bunker: Schlagzeug

Produktion

Matt Filippini

Trackliste

1. Sinner, Sinner
2. Moonster Booster
3. Cosmic Blues
4. From Another Time
5. Rebel On The Run
6. Closer Than You Think
7. Hey Mama
8. Shooting Star
9. Madman
10. Halfway To Heaven

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