Razvoj vrste

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Künstler: RattleSnake
Label: Dallas Records
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 2.5/5

Wieder eine vielversprechende Band aus unseren heimischen Gefilden. RattleSnake (lies: Klapperschlange) ist herangezischt und -geklappert, um den slowenischen Mainstream aufzumischen, ordentlich durchzuschütteln und die Dinge wieder an ihren Platz zu rücken. RattleSnake bieten grob gesagt eine simple Spielart von Rock n’Roll, die für die Massen zugänglich ist, und die Band als solche ist eigentlich eine ziemlich wichtige Figur fürs allgemeine Bewusstsein, denn der Stil, den sie pflegen, gehört irgendwie zu einer gesunden Mainstream-Szene bei uns, wie wir Slowenen sie in den Achtzigern schon mal hatten.

Der Weg zum Debüt der Band muss ziemlich lang, dornig und mühselig gewesen sein, denn das Album bringt es auf stolze 14 Songs. Die sind kurz und knackig, mit klaren, ausgearbeiteten Motiven, ohne jedes Herumkomplizieren, dafür aber mit viel Feinschliff, denn die Jungs haben offenbar lange daran gefeilt, bis alles ihren Ansprüchen an einen gefälligen Endzustand genügte. Kurz: Musik für die Party, Musik der Straße, worauf auch die schnörkellos realistische Poesie der Band hindeutet. Die Jungs liefern abwechslungsreiche Songs, und Rock n‘ Roll ist wirklich nur der grobe gemeinsame Nenner bei alledem. Das Album hat ein beneidenswertes Maß an Dynamik. Die Nummern bringen ausgefeilte Gitarrensoli und überleitende Gitarrenverzierungen mit, die den ausgereiften musikalischen Charakter des Gitarristen der Band beweisen. Der Song Mesto zum Beispiel macht mit seinem instrumentalen Mittelteil keinen Hehl aus dem Flirt mit dem Erbe von Dire Straits, und auch der kurze Gitarrenausklang (vor allem der Sound) geht in diese Richtung. Der Song Vabilo bringt im Grunde die Mission von RattleSnake auf den Punkt und könnte problemlos auch den Namen der Band tragen. Kraljica hat einen Hauch von „Southern“, auch was das Gitarrensolo angeht. Die Jungs haben ein Gespür für Musik und für Motive, die sofort die Aufmerksamkeit packen. Einer der am beneidenswertesten gebauten Songs ist z. B. die Nummer S tabo, und zwar von Kopf bis Fuß. Das erste Solo flirtet wieder schamlos mit dem guten alten Knopfer.. Es folgt ein beeindruckendes Durchpreschen durch den Song Luna, wo eine Orgel die Sache auflockert und schön zum insgesamt härteren Sound des ganzen Songs beiträgt. Die Nummer ist damit ganz nah am klassischen „Hard Rock“. Diese Beobachtung bestätigt, was die erwähnten Elemente angeht, der Song Hudič ima svoj naslov, der von den möglichen verderblichen Einflüssen der Frauen auf die armen Männer erzählt. Auf jeden Fall verstecken RattleSnake stellenweise auch ihre Abstecher zu den Rolling Stones nicht, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Punk-Dilettantismus (Nov dan). Den Jungs ist auch eine hervorragende klassische „Rock“-Ballade gelungen, Barje, die sich durch einen verlockenden, akustisch-balladesk gefärbten Einstieg mit faszinierenden harmonischen Gitarrenverflechtungen auszeichnet. Dann hauen die Klapperschlangen im klassischen Rocker-Stil rein, der Song ist in Sachen Ausgereiftheit einer der Höhepunkte des Albums, und die Jungs haben es nicht vergessen, ihn auch mit einem geschmackvoll stimmungsvollen keltischen Motiv auf der Geige zu würzen. RattleSnake bringen auf dem Album eine gehörige Portion Blödelei mit und servieren sie uns im saftigsten Maß im Ska – Reggae – Punk-Stückchen Mormoni, mit tollen Kontrasten, die auch das „Honky-Tonk“-Klavier einbringt. Auch dem Wiederbeleben der „Blue Suede Shoes“-Weisen in Dohtar Blues sind sie nicht aus dem Weg gegangen. Darauf ist auch der Sound zugeschnitten, der einen fröhlich zurück in die alten „Rockabilly“-Tage entführt. Die „Rhythm n‘ Blues“-Nummer Moram dobit ist ein neuer, interessanter Doppelansatz: „Steve Millier Band meets slowenischer Bierrefrain“. Der Song Hvala ist eine großartige Wahl für den Albumabschluss. Er vereint eine geschmackvolle Fusion aus Orchestrierung (Streicher, Akustikgitarre, Klavier) und Rock-Ansatz (instrumentaler Mittelteil). Ein sehr einfallsreicher, beruhigender Ausklang des Albums.

Das Fundament ist gelegt. Wohin sich RattleSnake als Nächstes entwickeln werden, ist jetzt die spannende Frage. Wenn sie in Richtung des rohen „Drei-Akkorde-Geschrubbes“ weitermachen, würde jedenfalls auch eine lebendigere, kompromisslosere Produktion mit scharf aufgedrehten, leicht verstimmten Gitarren gut passen. Aber so einfach liegt die Sache dann doch wieder nicht. Der Sound ist nämlich um Keyboards reicher! Lassen wir uns überraschen. Die Songs sind für ein Debüt auf hohem Niveau, und es ist auf jeden Fall ein Album, das zu diesem Zeitpunkt ziemlich beneidenswert dasteht. Dynamisch, abwechslungsreich, voll ausgefeilter, entschlossener kompakter Melodien, mit lebendiger Produktion, und der Ansatz bestätigt die hervorragende Arbeitschemie und das Eingespieltsein der Bandmitglieder. Eine Band mit hervorragenden Musikern, die wissen, wie man einen Riff und eine Nummer hinstellt, die zur Mission von RattleSnake passt. Hau überzeugend zu, und zwar sofort. Das Gift haben sie gezeigt! Hoffen wir, dass diese Jungs in Zukunft noch wachsen und noch zerstörerischer aufgedreht werden. Kurz: „Razvoj vrste“ ist ein sehr beeindruckender Anfang der Geschichte von RattleSnake. Der Beginn einer Evolution, mit der man ernsthaft rechnen sollte.

Besetzung

Rok Brodnik – Gesang
David Stritar – Gitarre
Zoran Mioković – Keyboards
Jure Plahutnik – Bass
Toni Habula – Schlagzeug

Produktion

David Stritar & RattleSnake

Tracklist

1. Ogenj al‘ led
2. Mesto
3. Vabilo
4. Glej naprej
5. Kraljica
6. S tabo
7. Luna
8. Hudič ima moj naslov
9. Nov dan
10. Barje
11. Mormoni
12. Dohtar Blues
13. Moram dobit
14. Hvala

Spieldauer: 49:45

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