Raised On Rock

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Voodoo Circle
Label: AFM Records
Veröffentlichung: 2018
Bewertung: 4/5

Man könnte meinen, Alex Beyrodt gönnt sich endlich mal eine Auszeit — doch er lässt von seinem mehr als vollen Elan nicht im Geringsten nach. Zusammen mit den anderen Mitgliedern von Primal Fear steckt er in etlichen Nebenprojekten und Bands. Eines davon sind Voodoo Circle. Anfangs als Projekt gestartet, das sich als Erfolg entpuppte und deshalb zu einer festen Band wurde — und jetzt liegt bereits das fünfte Studioalbum vor!

Die Neuerung ist ein neuer Sänger. Das ist Herbie Laghans, der zuvor beim Projekt Avantasia mitgewirkt hat. Das Hauptmerkmal seines Gesangs, im Gegensatz zum Vorgänger, dem überragenden David Readman (Pink Cream 69), ist die Rauheit von Herbies Stimme. Mit einem mehr als attraktiven und eingängigen Ansatz bewahrt er den hohen musikalischen Ertrag, den wir von früheren Voodoo Circle-Veröffentlichungen kennen.  Die Eingängigkeit der ansteckenden Refrains, in denen die Bombastik ihren atmosphärischen Höhepunkt erreicht, bleibt dabei vollständig erhalten. Auch die  Assoziationen zu Werken von Whitesnake und/oder Scorpions werden dich wieder auf Schritt und Tritt begleiten. Dazu kommen noch die Spielcharakteristika von Alex Beyrodt, der ein außergewöhnlicher Meister der sechssaitigen Theorie ist. Sein Spiel ist nämlich stark von der Figur und dem Werk Richie Blackmores inspiriert, aber auf eine Geschwindigkeitsdimension gehoben, die ihn logischerweise der barocken Zügellosigkeit des bekannten gitarristischen »Rallyfahrers« Yngwie J. Malmsteen annähert. Übrigens sind Voodoo Circle glänzende Reiter des Erbes der ersten Hard-Rock-Welle, die in den Achtzigern, angeführt von Bands wie Bonfire, Casanova, Frontline, Mad Max, Jaded Heart…., in Deutschland aufgetaucht ist.

Es überrascht nicht, wenn du an Whitesnake-Alben wie »1987« (sogar an »Saints and Sinners«) denken wirst, sobald »Raised On Rock« in deinem Player läuft. Der erste Track, also Running Away From Love, ist im Refrain bewusst so AOR-mäßig angelegt wie möglich. Bewusst, damit er beim ersten Hören sofort packt! Auf Anhieb. Die Produktion hält ein hohes Niveau .Auch diesmal ist sie genau richtig aufgedreht, diese typisch deutsche Hard-Rock-Produktion (Sinner hat sich beim finalen Mix und Mastering  »nur korrigieren lassen« vom erfahrenen Dänen Jacob Hansen – Voodoo Circle sind eben nicht Primal Fear), bei der die Gitarren betont werden, Beyrodt und seine Crew aber beim Arrangieren der Kompositionen sehr geschickt vorgehen. Denn immer wieder übernehmen »giftig sorgfältig verpackte«, in ihrer musikalischen Reichweite enorm packende und  mitreißende harmonisierte Linien mehrstimmiger Vokalmelodien in den Refrains die Aufmerksamkeit. Signature-Riffs, die zwar nichts Neues erfinden, dafür aber nostalgisch ans Gewissen des Hörers klopfen. Mitreißende Musikalität, exzellentes Solieren Beyrodts auf jedem Schritt des Albums. Verbissene deutsche Fokussiertheit, von der Beyrodt und seine Crew keinen Zentimeter abrücken — und ist wieder, abgesehen von einigen »geliehenen und neu verpackten« Old-School-Ideen, durch und durch überzeugend in seinem Schaffen.

Voodoo Circle haben mit dem neuen Sänger in ihren Reihen die gesamte Kompositionsqualität bewahrt, die ihre Studiovorläufer definieren.  Laghans hat die Lücke, die nach dem Abgang der gleichwohl geschätzten Vokal-Persona David Readmans entstand, mehr als würdig gefüllt. Der vokale Charakter des neuen Sängers verleiht den Kompositionen eine neue und frische Patina. Nicht zuletzt hat sein Kommen auch die willkommene Erkenntnis und Tatsache hervorgebracht, dass diese Rezension eine Spur anders ausfällt als die Rezensionen früherer Voodoo Circle-Alben.

Besetzung

Alex Beyrodt – Gitarre
Herbie Laghans – Gesang
Mat Sinner – Bass
Francesco Jovino – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Corvin Bahn – Keyboards

Produktion

Mat Sinner

Trackliste

01. Running Away From Love
02. Higher Love
03. Walk On The Line
04. You Promised Me Heaven
05. Just Take My Heart
06. Where Is The World We Love
07. Ultimate Sin
08. Chase Me Away
09. Unknown Stranger
10. Dreamchaser
11. Love Is An Ocean

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